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Nicht alles gefallen lassen So wehrt man sich gegen Narzissten im Job

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Narzisstische Menschen neigen auch im Job schnell zu Wutanfällen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Narzissten können ein angenehmes Arbeitsklima erheblich erschweren. Deren Kollegen leiden häufig unter ungerechtfertigter Kritik oder Aggressionen bis hin zum Mobbing. Diese Tipps helfen, besser mit narzisstischen Zeitgenossen im Büro umzugehen.

Es gibt viele Arten von nervigen Chefs und Kollegen. Narzissten gehören dabei wohl mit zur schlimmsten Sorte. Sie können den Arbeitstag mit ihrer manipulativen und einschüchternden Art regelrecht zur Hölle machen.

Woran erkennt man Narzissmus?

Bei krankhaftem Narzissmus handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung. Der Narzisst fühlt sich seinen Mitmenschen in jeder Hinsicht überlegen. Deswegen verhält er sich oft egoistisch, empathielos, selbstverliebt und ist extrem leistungsorientiert. Für ihn sind andere Menschen im Prinzip nur ein Mittel, um eigene Ziele zu erreichen. Er betrachtet sich selbst als besonders fähig und genial, womit er in seiner Welt eine Sonderstellung im Vergleich zu anderen Menschen einnimmt.

Im Berufsleben fallen Narzissten mit gezielten Manipulationen oder cholerischen Wutausbrüchen auf. Hat ein Kollege gute Arbeit geleistet, gibt der Narzisst diese gerne als seine eigene Leistung aus. Wenn er jedoch selbst einen Fehler gemacht hat, weigert er sich, die Verantwortung dafür zu übernehmen. In manchen Fällen verhält sich der Narzisst extrem respektlos und mobbt seine Mitarbeiter oder Kollegen. Hinter seiner scheinbar grenzenlosen Selbstverliebtheit verbirgt sich in der Regel jedoch ein schlechtes Selbstwertgefühl. Deswegen sind Narzissten auch äußerst anfällig für Kritik und leiden unter einer ausgeprägten Versagensangst. Sie brauchen daher viel Lob und Bestätigung von ihrem Umfeld.

In den meisten Fällen handelt es sich bei dem nervigen Chef oder dem mobbenden Kollegen jedoch nicht um einen "echten" Narzissten im Sinne einer Persönlichkeitsstörung, sondern um Menschen mit einem narzisstischen Persönlichkeitsstil. Hierbei ist der Narzissmus etwas weniger stark ausgeprägt. Die narzisstischen Verhaltensweisen sorgen dennoch oft für Konflikte im Privat- und Berufsleben.

Wie geht man am besten mit Narzissten auf der Arbeit um?

Mit dem Ignorieren, Meiden oder einer starken Zurückhaltung in Gesprächen wird man sich nicht aus dem Fokus des narzisstischen Chefs oder Kollegen herausbewegen können. Im Gegenteil: Diese Strategien lösen eine starke Unsicherheitsreaktion aus, da der Narzisst nicht weiß, woran er ist. Er wird deshalb häufig seine Unsicherheit mit einem noch arroganteren Verhalten überspielen.

Mit ehrlichem Feedback oder gar sachlicher Kritik erreicht man bei Narzissten jedoch ebenso nichts. Im schlimmsten Fall bekommen sie einen Wutanfall oder schlagen verbal umso härter zurück, indem sie zum Beispiel ihren Kritiker vor den anderen bloßstellen. Ist man sich jedoch sicher, dass der Narzissmus beim Gegenüber nicht so stark ausgeprägt ist, kann ein vorsichtiges Feedback angebracht werden. Dabei sollte unbedingt von anklagenden Aussagen abgesehen werden. Stattdessen steht im besten Fall das eigene Gefühl im Vordergrund, das durch das Fehlverhalten des Chefs oder des Kollegen ausgelöst wurde. Danach sollte auf das Verhalten oder die Situation eingegangen werden, die für die Emotion verantwortlich ist. Mutige bringen zu guter Letzt ihre Änderungswünsche hervor. Das kann in etwa so aussehen: "Ich habe mich gekränkt gefühlt, als du vor allen anderen so schlecht von mir und meiner Projektidee gesprochen hast. Ich würde dich bitten, das in Zukunft zu unterlassen."

Fängt der Chef oder Kollege an, wieder wahllos zu kritisieren, sollte nicht weiter darauf eingangen werden. Stattdessen ist es klug, die Kommunikation auf die zu lösenden Aufgaben im Job zu lenken. Dabei helfen Fragen wie: "Was genau soll ich tun?" oder "Wie hilft uns das (die Kritik) jetzt bei dem konkreten Problem weiter?"

Wer es schafft, kann versuchen, sich in den Narzissten hineinzuversetzen. Narzisstische Menschen sind tief in ihrem Inneren eigentlich extrem unsichere Menschen, denn sonst hätten sie es gar nicht nötig, sich so positiv hervorzuheben. Deswegen kann man versuchen, den Vorgesetzten oder Kollegen auf dessen Unsicherheit aufmerksam zu machen. Wird eine Projektentscheidung vom Chef schlechtgeredet, die bei allen anderen eigentlich Zustimmung fand, lohnt sich die Frage: "Sie wirken besorgt. Warum haben Sie Zweifel und sind beunruhigt?"

Auch wenn das Bedürfnis, dem forschen Narzissten so richtig die Meinung zu geigen, sehr groß ist, sollte das dem Arbeitsklima zuliebe unterlassen werden. Der Narzisst wird seine Fehler sowieso nicht einsehen und jede Schuld von sich weisen. Deswegen ist es zielführender, die betreffende Person zu loben und zwar dann, wenn sie sich nicht narzisstisch verhalten hat. Das kann der Fall sein, wenn der Kollege beispielsweise einen Fehler eingeräumt hat oder der Chef näher auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter eingegangen ist. Lobende Aussagen sind zudem dann besonders effektiv, wenn sie mit einer beruflichen Leistung verknüpft sind. Will man unbedingt etwas Kritik üben, sollte diese mit einer anerkennenden Aussage verknüpft werden. Am besten ist es, wenn der Narzisst bereits schon einmal das erwünschte Verhalten in der Vergangenheit gezeigt hat. Darauf sollte in der Kritik hingewiesen werden. Das kann so aussehen: "Letzte Woche haben wir super zusammengearbeitet und das hat richtig Spaß gemacht. So konnten wir im Team tolle Erfolge erzielen. Heute ist uns das leider nicht so gut gelungen. Ich würde mich freuen, wenn wir es beim nächsten Mal wieder so wie in der vergangenen Woche machen könnten. Was sagst du dazu?"

Was kann man tun, wenn die Tipps nichts gebracht haben?

Bei extrem stark ausgeprägtem Narzissmus kann es sein, dass die oben genannten Strategien versagen. Dennoch sollten sie ausprobiert werden. Einerseits handelt es sich dabei um die sozialere und mildere Variante, andererseits helfen die Tipps dabei, herauszufinden, wie stark der Narzissmus bei dem Vorgesetzten oder dem jeweiligen Kollegen überhaupt ausgeprägt ist.

Haben die Tipps nichts gebracht, sollten die Schikanen in einem Tagebuch mit Ort, Zeit und möglichen Zeugen festgehalten werden. Häufen sich die Vorfälle und das Mobbing-Tagebuch füllt sich zunehmend, kann eine Etage höher gegangen werden. Der Vorgesetzte des Chefs oder die Personalabteilung sind dabei oft der richtige Ansprechpartner. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn nicht in allen Unternehmen werden solche Anliegen auch ernst genommen. Narzissten sind nämlich aufgrund ihrer hohen Motivation und Leistungsbereitschaft in vielen Firmen gern gesehen. Im schlimmsten Fall kann die Beschwerde sogar zum eigenen Nachteil werden, denn viele Personalleiter stehen auf der Seite der Chefetage. Ändert sich trotz Beschwerde bei einer höheren Etage nichts, sollte über einen Jobwechsel nachgedacht werden.

Quelle: n-tv.de, imi

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