Ratgeber

Der ewige Draht am RadSpeichenräder sind konkurrenzlos

11.08.2009, 10:06 Uhr

Es gibt Menschen, die finden Speichenräder einfach traumhaft - allerdings handelt es sich dabei meist um Oldtimer-Liebhaber, die ihren Klassiker gern mit entsprechend verchromtem Radwerk ausrüsten.

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(Foto: Alexander Klement)

Es gibt Menschen, die finden Speichenräder einfach traumhaft - allerdings handelt es sich dabei meist um Oldtimer-Liebhaber, die ihren Klassiker gern mit entsprechend verchromtem Radwerk ausrüsten. Unter Radfahrern wird vermutlich kaum jemand eine derartige Euphorie ausstrahlen: Denn während Speichen beim Auto ein Stück Historie sind, gelten sie beim Fahrrad wie eh und je als Selbstverständlichkeit. Nahezu jedes neue Rad wird mit den typischen Rädern ausgeliefert. Und daran wird sich nach Meinung von Experten auch in Zukunft kaum etwas ändern - denn tatsächlich hat das Drahtspeichenrad einige unschlagbare Vorzüge.

"Schätzungsweise 98 Prozent der Fahrräder haben immer noch Speichenräder", sagt Steffen Barkau von Giant Bicycles Deutschland in Erkrath. Und er hat dafür auch eine Erklärung. Denn die Kombination aus einer aktuellen Aluminium-Hohlkammerfelge und verzinkten Speichen ergibt immer noch das stabilste Ergebnis für das Rad am Rad.

Hinzu kommt laut Barkau auch noch der Faktor Gewicht. So sei zwar eine Stahlspeiche im Grund recht schwer - wer aber ein Laufrad aus Kunststoff herstellen will, muss für die entsprechende Stabilität wiederum wesentlich mehr Material einsetzen. Das führt im Endeffekt zu höherem Gewicht.

Test mit anderen Materialien

"Es gab immer wieder Versuche, Laufräder aus anderen Materialien herzustellen - auch aus Blech, Aluminium-Guss oder Kunststoff", erinnert sich Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad Industrie-Verbandes (ZIV) in Bad Soden am Taunus. Dass die Versuche scheiterten, hat manchmal ganz simple Gründe. So berichtet Neuberger von einer Ausfahrt mit einem mit Blech-Scheibenrädern rollenden Fahrrad - das dabei auch deutlich blecherne Geräusche von sich gab.

Weil die Alternativ-Laufräder aus Kunststoff oder anderen Materialien in der Regel auch noch als Scheibenräder gedacht wurden, sieht André Gläser, Technikreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Bremen, noch einen weiteren Grund für das Scheitern: den Wind. Da Fahrräder meist auf Rädern recht großen Durchmessers rollen, bietet eine mit Material gefüllte Fläche dem Wind reichlich Angriffsfläche. Das kann die Fuhre ziemlich anfällig für Windböen machen.

Wem das noch nicht als Argument für das Speichenrad reicht, dem liefern die Experten noch eine Reihe weiterer Gründe. So weist Siegfried Neuberger darauf hin, dass die Fahrradhersteller bekanntlich gern unterschiedlichste Teile kombinieren. Mal soll ein Modell eine Nabenschaltung bekommen, mal eine Kettenschaltung. Eine bloße Felge kann mit den jeweiligen Speichen recht einfach mit jedem dieser Bauteile zu einer funktionstüchtigen Einheit kombiniert werden. Ist ein Rad als solches aber schon komplett, wird es deutlich komplizierter, es an die Anforderung der einzelnen Hersteller anzupassen.

Einfachere Reparaturmöglichkeit

Dieser Aufbau aus Einzelteilen hat auch Vorteile, wenn mal etwas passiert: Hat das Rad die berüchtigte "Acht" nach einer Beschädigung, lässt es sich wieder einstellen. Wenn das nicht klappt, hilft oft der Austausch einzelner Komponenten, ohne dass ein komplett neues Laufrad her muss. André Gläser weist noch darauf hin, dass sich ein aus Kunststoff gefertigtes Rad zum Beispiel durch Hitze verziehen, und das Material außerdem mit der Zeit spröde und brüchig werden könnte.

Auch beim Fahrradteile-Hersteller Schürmann in Leopoldshöhe hat man einige Erklärungen für den Dauerbrenner-Status der Speichenräder: "Die Felge am Fahrrad ist an sich ein Verschleißteil", so Geschäftsführer Marc Krauspe. Während eine schicke Alufelge am Auto mit der Bremserei an sich nichts zu tun hat, wird bei Fahrrädern auch heute noch meist auf die Weise gebremst, dass sich die Bremsklötze an die Wangen der Felge schmiegen - was immer auch zu Verschleiß des Materials führt. Nach einer gewissen Zeit ist so eine Felge dann "durchgebremst" und muss ausgetauscht werden - was durch die Einzelteil-Kombination einfacher oder günstiger möglich wird.

Apropos günstiger: Neben allen aufgeführten Vorzügen kommt es im Endeffekt womöglich doch auf das Geld an. "Auch in der Fahrradindustrie geht es ganz klar um die Kosten", erklärt Marc Krauspe. Der Kunde ist bekanntlich nicht bereit, jeden Preis zu zahlen. So gibt es immer eine gewisse Klientel, die für ein extrem hochwertiges Laufrad aus Karbon mal die geforderten 1000 bis 2000 Euro zahlt - der Großteil greift aber wohl doch zur günstigeren Variante. Denn in der Herstellung ist das Drahtspeichenrad durch den Einsatz von Maschinen mit einem Herstellungspreis im einstelligen Euro-Bereich auch konkurrenzlos günstig.