Ratgeber

Interview mit Chef-Entwickler Stärkere Motoren in Pipeline

Das Raleigh Dover 40 wird vor dem Gesetz nicht wie Fahrrad sondern wie ein Kleinkraftrad eingestuft. Wer dieses Rad kaufen soll, welche Regeln man beachten muss und was die Zukunft im Bereich der Pedelecs bringen wird, erklärt Karl-Heinz Lange, Chefentwickler bei Derby Cycle, im n-tv.de-Interview.

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Karl-Heinz Lange, Chefentwickler bei Derby Cycle.

(Foto: Derby Cycle)

Das Raleigh Dover 40 wird vor dem Gesetz nicht wie Fahrrad sondern wie ein Kleinkraftrad eingestuft. Wer dieses Rad kaufen soll, welche Regeln man beachten muss und was die Zukunft im Bereich der Pedelecs bringen wird, erklärt Karl-Heinz Lange, Chefentwickler bei Derby Cycle, im n-tv.de-Interview.

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Blick in die Zukunft: Das Raleigh Leeds Sport wird in der nächsten Saision in den Läden stehen. Es ist das erste Pedelec mit Balloon-Bereifung (Big Apple von Schwalbe) und Scheibenbremsen im Sortiment.

(Foto: Raleigh Univega)

Welche Zielgruppe haben Sie mit Ihrem Pedelec-Sortiment im Visier?

Die Zielgruppe verändert sich ganz stark. Das kommt aus dem Behinderten-, Versehrtenbereich hin zu dem Alltagsradfahrer, der damit ins Büro fährt und es in der Freizeit nutzt. Die Mobilität ist eine ganz andere, da man ganz andere Distanzen überwinden kann. Untrainierte Radfahrer, die bislang Radtouren im Bereich zwischen zehn und 20 Kilometern gemacht haben, können jetzt locker doppelt soweit fahren. Eine Altersbeschränkung in der Zielgruppe gibt es nicht, da wir in den nächsten Jahren schrittweise auch im Bereich der Mountainbikes und Rennräder mit Elektrounterstützung am Markt sein werden. Mittelfristig wird jedes normale Rad parallel auch als Pedelec erhältlich sein.

Wie schätzen Sie die Potenziale des Dover 40 ein, das ja nicht mehr als Fahrrad sondern Kleinkraftrad eingestuft wird?

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Das Versicherungskennzeichen verrät, dass das Dover 40 kein gewöhnliches Fahrrad sein kann.

(Foto: Alexander Klement)

Das Dover 40 verkaufen wir jetzt im ersten Jahr. Wir haben bislang 1500 Räder produziert, die auch alle verkauft sind. Immer mehr jüngere Menschen werden sich ein solches Rad zulegen. Dem werden wir auch mit neuen Rahmen für das kommende Jahr gerecht. Die Rahmen werden sehr stark in den sportlichen Bereich hinein überarbeitet.

Viele nutzen das Fahrrad als Sportgerät in der Freizeit. Wenn man sich körperlich ertüchtigen will, ist ein Motor doch eher kontraproduktiv.

Bei diesen Radfahrern muss ein Umdenkprozess stattfinden. Den "Quälfaktor", wie ich mich selbst belasten will, kann ich frei wählen. Wenn ich den Frust raustrainieren will, kann ich völlig ohne Motorzuschaltung fahren, wenn ich aber schnell nach Hause will, kann ich eine Motorunterstützung zuschalten, die meine eigene Kraft mehr als verdoppelt. Wer das Fahrrad ausschließlich als Sportgerät zu Trainingszwecken nutzt, wird wohl auch künftig hierfür kein Pedelec kaufen. Erst wer sein Sportgerät auch für die Überwindung von Strecken einsetzt, wird das Pedelec als sinnvolle Fahrradalternative sehen.

Das Dover 40 ist als Kleinkraftrad eingestuft. Welche Einschränkungen sind damit im Vergleich zum Fahrrad in Bezug auf den Einsatz verbunden?

Bei dem Dover 40 müssen wir komplett umdenken. Es handelt sich eben nicht um ein Fahrrad, sondern um ein Kleinkraftrad nach der Verordnung L1e. Man darf bei diesem Fahrzeug nur begrenzt Teile austauschen. Es gibt Herstellertabellen, wo man ganz genau sehen kann, was man austauschen darf. Wir haben versucht, diese möglichst offen zu halten. Doch grundsätzlich muss der Endverbraucher bei uns anfragen, ob das Teil, was er einsetzen möchte, freigegeben ist. Kindersitze sind in der Regel kein Problem, jegliche Art von Anhänger ist momentan nicht erlaubt. Das hängt damit zusammen, dass die Durchschnittsgeschwindigkeiten enorm ansteigen und sich damit die Belastungen auf den Rahmen vervielfachen.

 

Das Dover 40 hat eine zulässige Gesamtmasse von 120 Kilogramm, das Rad selbst wiegt 22 Kilogramm. Mit zusätzlichem Gepäck oder Kind hat man das Rad schnell überladen. Hat dies im Schadensfall Konsequenzen?

Wir geben auch für unsere Fahrräder zulässige Gesamtgewichte an, die wir entsprechend abprüfen. Beim Fahrrad wird das allerdings vom Nutzer sehr lax gehandhabt. Wenn allerdings mit einem normalen Fahrrad ein Garantiefall entsteht und wir können dem Nutzer Überladung nachweisen, erlischt natürlich auch die Garantie. Beim Kleinkraftrad ist die Nutzung noch viel enger gefasst, da im mitgelieferten COC-Papier des Fahrzeugs das zulässige Gesamtgewicht und Achslasten eingetragen sind. Wir arbeiten aber daran, die zulässigen Gesamtgewichte zu erhöhen.

 

Eine weitere Problematik stellt die Nutzung von Fahrradwegen dar. Fahrradwege darf man innerstädtisch nur eingeschränkt nutzen und für den Stadtverkehr auf der Straße ist man eigentlich zu langsam.

Bei etwa 30 Stundenkilometer ist die Maximalleistung des Motors erreicht, bei rund 38 Stundenkilometern schaltet das System ab. Da muss jeder selbst entscheiden, wie wohl er sich auf der Straße fühlt. Innerstädtisch dürfen Fahrradwege mit ausgeschaltetem Motor befahren werden. Ich bin überzeugt, dass man mit einem schnellen Rad, wie zum Beispiel auch einem Rennrad, innerstädtisch auf der Straße viel besser aufgehoben ist, als auf dem Radweg. Dort gibt es im Zusammenhang mit Fußgängern, parkenden Autos, Einmündungen und Ausfahrten viel mehr Probleme als auf der Straße.

 

Eine logische Konsequenz für die Straße wäre ein noch schnelleres E-Bike - dann mit stärkerem Motor. Experimentieren sie schon mit leistungsstärkeren Motoren?

Wir arbeiten tatsächlich momentan an stärkeren Motoren und stärkeren Unterstützungsgraden, um einfacher höhere Geschwindigkeiten erreichen zu können. Es gibt unter der Zulassungsgruppe L1e zwei Kategorien: bis 500 Watt und 501 bis 1000 Watt. Bis 500 Watt darf mit reiner Fahrradtechnik gefahren werden – also Fahrradbeleuchtung und Fahrradbereifung. Bei stärkeren Motoren muss Motorradbereifung und Motorradbeleuchtung eingesetzt werden. Deshalb sind in diesem Bereich nur wenige E-Bikes erhältlich. Bis 500 Watt könnten wir das Dover 40 aufrüsten. Mit Panasonic sind wir dabei, einen stärkeren Motor zu entwickeln, den wir gerade in testen. Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr einen 300-Watt-Motor mit einem Unterstützungsgrad von 1:2 anbieten können.

 

Schlägt sich die höhere Leistung auch in der Geschwindigkeit nieder oder wird der Motor abgeregelt?

Wir testen gerade noch, ob wir dem Fahrer die Möglichkeit geben, definitiv schneller zu fahren. Es macht natürlich definitiv auch mehr Spaß, wenn der Motor insgesamt besser zieht.

Der jetzige Akku dürfte bei einem stärkeren Antrieb bezüglich der Kapazität an seine Grenzen stoßen. Das heißt, die Reichweite leidet. Gibt es dort auch Neuentwicklungen?

Der Panasonic-Akku ist aufgrund seiner Technologie einer der sichersten im Pedelec-Bereich. Da sind keine Schnellschüsse gefragt. Wir peilen 13 Ampere-Stunden an, bislang sind es zehn Ampere-Stunden. Dieser Akku wird aber auch in der nächsten Saison noch nicht zur Verfügung stehen. Die Entwicklung geht dahin, dass die Akkus in einigen Jahren zumindest günstiger werden und mehr Ladezyklen möglich sind. Unser jetziger Panasonic-Akku ist mit 500 Ladezyklen angegeben – und bringt danach immerhin noch 60 Prozent der Anfangskapazität. In den nächsten Jahren werden bis 2000 Ladezyklen möglich sein. Der Akku wird also länger nutzbar sein.

Quelle: n-tv.de, Das Interview führte Alexander Klement