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Gepäck weg - was tun? Wenn Diebe den Fernbus plündern

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Fernbusanbieter können die Haftung fürs Gepäck nicht vollständig auf die Passagiere abwälzen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit 2013 rollen täglich hunderte von Fernbussen durch Deutschland. Inzwischen haben sich auch Kriminelle darauf eingestellt. Sie nutzen das Gewusel an den Haltestellen, um sich unbemerkt mit Gepäck aus dem Staub zu machen. Wer zahlt und wie kann man sich schützen?

Für 13 Euro von Berlin nach Köln oder für 17 Euro von Leipzig nach München – nur trampend kommt man noch billiger durchs Land als mit dem Fernbus. Doch manchmal wird die Reise am Ende doch noch unerfreulich teuer. Immer wieder kommt es vor, dass Gepäck nicht am Zielort ankommt. Und in den seltensten Fällen liegt das dann daran, dass Mitreisende einfach den Koffer verwechselt haben. Immer öfter gehen Kriminelle in und um Fernbussen auf Beutezug.

Am Busdrehkreuz in Dortmund sei die Zahl der Gepäckdiebstähle im vergangenen Jahr um 27 Prozent gestiegen, meldet der WDR. In Leipzig sieht es ähnlich aus. Hier berichtet die Polizei laut MDR von insgesamt 60 Fällen, Tendenz steigend. 50 Meldungen von beschädigtem oder gestohlenem Reisegepäck hat die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) 2015 bearbeitet. Angesichts tausender Fahrten ist das nicht besonders viel, was die Betroffenen aber kaum trösten dürfte.

Diebstahl ist oft Teamwork

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Solange der Frachtraum nicht verschlossen ist, sollte man das Gepäck nicht aus den Augen lassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Gefährdet ist das Gepäck vor allem im allgemeinen Gewusel beim Ein- und Ausstieg. Manchmal ist der Koffer schon weg, bevor er eingeladen ist. Oft arbeiten die Kriminellen in Teams: Während einer den Busfahrer ablenkt, bedienen sich andere am Frachtraum. In solchen Fällen hilft es auch nicht, wenn die Unternehmen mit Gepäckscheinen arbeiten, wie das beispielsweise Postbus und Berlinlinienbus tun. Der Koffer bekommt eine nummerierte Banderole und wird nur gegen Vorlage des jeweiligen Bons herausgegeben – sofern er denn noch da ist.

An den Zwischenstopps ist vor allem das Handgepäck in Gefahr. Während sich die Fahrgäste draußen die Beine vertreten, können sich ungebetene Gäste zwischen Sitzen und Gepäckfächern umsehen. Manche Busfahrer lassen deshalb alle Passagiere aussteigen, so dass in den Pausen niemand unbeaufsichtigt durch den Bus stöbern kann.

Das steht Reisenden zu

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"Achten Sie auf Ihr Gepäck!": Hinweisschild am ZOB in Berlin.

(Foto: imago/Jürgen Ritter)

Kommt Gepäck abhanden, ist das für die Betroffenen meist eine frustrierende Erfahrung. Bei Flugreisen gibt es klare Regelungen: Kommt der Koffer nicht an, wenden sich die Reisenden zunächst an die Gepäckermittlung am Flughafen. Taucht er gar nicht mehr auf, gibt es bis zu 1270 Euro Entschädigung. Für den Anfang können sich die Passagiere bei Bedarf eine Notausstattung kaufen und bekommen diese dann von der Fluggesellschaft erstattet. Von diesem Notfallmanagement sind Fernbusreisende weit entfernt. In einschlägigen Foren findet man Berichte von enttäuschten Reisenden, die ohne Gepäck am Ziel gestrandet sind und sich dort ergebnislos durch die Hotlines telefonierten.

Gesetzlich festgelegte Entschädigungsansprüche haben die Reisenden nur, wenn Gepäck bei einem Unfall beschädigt wird oder abhandenkommt. In solchen Fällen müssen die Unternehmen laut EU-Verordnung bis zu 1200 Euro pro Gepäckstück zahlen. Bei Diebstählen haftet der Anbieter regulär nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit – es sei denn, in den AGB gibt es Regelungen, die darüber hinausgehen. ADAC Postbus hat für die Reisenden beispielsweise eine Gepäckversicherung abgeschlossen. Der Branchenriese Mein Fernbus Flixbus, der bald nur noch unter dem Namen Flixbus unterwegs ist, hat hingegen eine Haftung bei Diebstahl zunächst vollständig ausgeschlossen.

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Wer teure Dinge einpackt, sollte das irgendwie dokumentieren.

(Foto: imago/Westend61)

Im Dezember hat allerdings das Amtsgericht München einer klagenden Kundin recht gegeben und erklärt, ein Fernbusunternehmen könne die Gepäckhaftung nicht vollständig ausschließen (Az.: 283 Js 5956/15). Wenn ein Busunternehmen keinerlei Sicherungsmaßnahmen für das Gepäck der Kunden treffe, sei dies grob fahrlässig. Inzwischen hat Mein Fernbus Flixbus die Klausel geändert. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit können Kunden den Anbieter in die Pflicht nehmen. Außerdem bekommen die Reisenden bei der Buchung einen Gepäckschein, auf dem auch die Zielhaltestelle vermerkt ist. Bei der Kofferausgabe hat der Busfahrer so zumindest etwas mehr Kontrolle.

Unklarheit über Kofferinhalt

In der Praxis bedeutet die Fahrlässigkeitsklausel: Wenn der Koffer abhanden kommt, nachdem man ihn abgegeben hat, haftet normalerweise der Fernbusbetreiber. Die Beweislast über den Kofferinhalt liegt allerdings beim Kunden. Und wenn der angibt, dass er seine Uhrensammlung, eine Hermès-Handtasche oder fünf iPhones im Gepäck hatte, wird das dem Unternehmen wahrscheinlich spanisch vorkommen. Wer teure Garderobe einpackt, macht am besten im Voraus Fotos davon. Es kann auch nicht schaden, den Koffer im Frachtraum zu fotografieren. So kann man belegen, dass man ihn tatsächlich schon abgegeben hatte.

Zudem gehören Bargeld, Elektronik, Schlüssel, Wertsachen und Medikamente auf jeden Fall ins beaufsichtigte Handgepäck. Auch, weil der Fernbusbetreiber nur den Zeitwert ersetzt, wenn etwas wegkommt. Für das ein Jahr alte Mac Book Air gibt es dann also keine 1000 Euro zurück, sondern vielleicht nur 600 - vorausgesetzt, man kann dem Busunternehmen überhaupt glaubhaft machen, dass das Gerät im Koffer war. Wenn Fälle bei der Schlichtungsstelle landen, läuft es mangels ausreichender Beweise oft darauf hinaus, dass die Hälfte des angenommenen Zeitwerts erstattet wird.

Wer ohne Gepäck am Ziel ankommt, sollte nicht nur beim Fernbusanbieter Alarm schlagen, sondern auch Anzeige bei der Polizei erstatten. Vielleicht sind die Sachen ja auch gar nicht gestohlen worden, sondern man hat sie womöglich einfach vergessen. Bei Mein Fernbus Flixbus gibt es für solche Fälle ein Online-Formular, ansonsten wendet man sich direkt an den Kundenservice. Das sollte man natürlich auch tun, wenn man versehentlich ein fremdes Gepäckstück mitgenommen hat.

Quelle: ntv.de