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Muffensausen im Ländle Wo die Steuersünder wohnen

Zehn Jahre Knast drohen in besonders schweren Fällen von Steuerhinterziehung. Die Meisten, die jetzt wegen schwarzer Konten zittern, dürften glimpflicher davon kommen. Dennoch ziehen überraschend viele Steuersünder die Reißleine und zeigen sich selbst an.

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Tugend ist Mangel an Gelegenheit: Im Osten zittern nur Wenige vor der Steuerfahndung, in NRW gab es dagegen schon über 1900 Selbstanzeigen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Geld mag in benachbarten Steuerparadiesen sicher liegen, die Kontodaten der Besitzer tun das nicht. Seit klar ist, dass der Staat nicht davor zurückschreckt, gestohlene Bankdaten anzukaufen, wächst die Unsicherheit bei Steuerhinterziehern. In den nächsten Tagen dürfte die 10.000ste Selbstanzeige bei den Finanzbehörden eingehen, meldet die Zeitschrift "Capital", die alle Oberfinanzdirektionen und Finanzministerien zu dem Thema befragt hat.

 

Bilanz bis Mitte März: 9547 Selbstanzeigen, täglich kommen etwa 250 weitere hinzu. Aufschlussreich ist der Blick auf die regionale Verteilung. Setzt man voraus, dass die Selbstanzeigen die tatsächliche Anzahl der Hinterziehungsfälle widerspiegeln, so leben mit Abstand die meisten Steuersünder in Baden-Württemberg. Über 2400 Selbstanzeigen zählt das dortige Finanzministerium. Die nahe Schweizer Grenze dürfte die Bereitschaft zur  Steuerflucht ebenso befördern wie die vergleichsweise komfortable Vermögenssituation im Ländle. Das wirtschaftlich ebenbürtige Bayern folgt mit 1625 Anzeigen erst auf Platz drei. Davor rangiert das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen. 1930 Bürger meldeten hier bislang Korrekturen an ihren Steuererklärungen an.

Im Osten nichts zu holen

Es folgen Hessen mit 1228 Selbstanzeigen, Rheinland-Pfalz (700), Niedersachsen (564), Berlin (359), Schleswig-Holstein (265), Hamburg (218), das Saarland (76) und Bremen (54). In den neuen Bundesländern ist das Steuergewissen sauberer: 39 Fälle zählen die Steuerbehörden in Sachsen, gerade mal acht sind es in Mecklenburg-Vorpommern. Das dürfte allerdings weniger an einem Mangel an krimineller Energie liegen, sondern vielmehr daran, dass es weniger gibt, was vorm Fiskus zu sichern wäre: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnete letztes Jahr für die ostdeutschen Länder ein individuelles Nettovermögen von 31.000 Euro, im Westen waren es über 100.000 Euro. Dabei wurden allerdings auch Immobilien berücksichtigt.

 

Die reumütigen Steuersünder werden Bund und Ländern zu einem unverhofften Geldsegen verhelfen. Einige Ministerien haben sogar schon ausgerechnet, was sie konkret zu erwarten haben, so "Capital". Rheinland-Pfalz kann demnach auf 70 Millionen Euro hoffen, Niedersachsen auf knapp 50 Millionen Euro und Schleswig-Holstein auf 35 Millionen. In Baden-Württemberg wurden bislang 235 Millionen Euro nachgemeldet. Über 40 Prozent der Steuernachzahlungen werden dem Bund zugute kommen.   

   

Quelle: n-tv.de

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