Ratgeber

Im deutschen Pfand-Dschungel Wo kann man welche Flasche zurückgeben?

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Pfandflaschen nennt man scherzhaft auch "Studentenkredit".

(Foto: imago stock&people)

Mit dem Siegeszug der Einwegflasche zieht auch die Ratlosigkeit in deutsche Supermärkte ein. Viele Kunden wissen nicht, wo sie welche Flasche abgeben können. Um im Pfandsystem den Überblick zu behalten, muss einiges beachtet werden.

Es ist ein bekanntes Dilemma: Man steht im Supermarkt vor einem Pfandautomaten und versucht immer wieder, die selbe Flasche einzulegen. Es ertönt ein schriller Pfeifton. Ein rotes Licht blinkt solange, bis man begreift, dass Flasche und Automat nicht zusammengehören. Andere Kunden schauen genervt und man selbst versteht das Problem nicht. Denn laut Verpackungsverordnung sind Einzelhändler verpflichtet, jede Art Einwegflasche zurückzunehmen. Doch es gibt Einschränkungen.

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Zur Veranschaulichung: Mehrweg-PET, Einweg-PET, Mehrweg-Glas, Einweg-Dose (v.l.).

(Foto: Coca Cola/Collage: lsc)

Zunächst muss der Verbraucher schauen, ob es sich bei seiner zurückzugebenden Flasche um eine Mehrwegflasche aus Glas, eine Mehrwegflasche aus PET (Polyethylenterephthalat), eine Einwegflasche aus PET oder eine einfache Einwegflasche handelt. Letztere kann in der gelben Recyclingtonne entsorgt werden. Für die drei anderen Pfandarten gibt es seit 2003 ein Rückgabesystem. Um welche Flaschensorte es sich handelt, kann am Etikett abgelesen werden.

Mehrwegflaschen

Für die Rückgabe von Mehrwegflaschen aus Glas oder PET gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Will man sichergehen, seine Flasche loszuwerden, sollte man sie dort abgeben, wo sie gekauft wurde. Nur dort gibt es einen Anspruch, das gezahlte Flaschenpfand ausgezahlt zu bekommen. In der Regel wird die Mehrwegflasche aber an allen Stellen zurückgenommen, an denen sie auch angeboten wird.

Üblicherweise ist auf dem Etikett der Flasche entweder mit einem Symbol oder einer entsprechenden Beschriftung vermerkt, dass es sich um eine Mehrwegflasche handelt. Bei Glasflaschen kann die Kennzeichnung aber auch direkt ins Glas eingearbeitet sein.

Das Pfand im Überblick

  • 2-3 Cent: einige Weinflaschen
  • 8 Cent: Bierflaschen aus Glas
  • 10 Cent: 0,2-Liter-Flaschen der Marke Schweppes
  • 15 Cent: Bierflaschen mit Bügelverschluss (regional auch 25-50 Cent), Wasser-/Saft-/Milchflaschen aus Glas, Joghurtgläser, Mehrwegflaschen aus Hartplastik
  • 25 Cent: Einwegflaschen aus Weichplastik, Dosen

Übrigens: Die Mehrwegflaschen werden nach der Rückgabe gereinigt und bis zu 50 Mal wiederbefüllt. Stammen sie aus regionalen Produktionen und Abfüllanlagen, gelten sie als besonders umweltschonende Getränkeverpackung.

Einwegflaschen

Die nur einmal zu benutzende PET-Flasche trägt das Logo der Deutschen Pfand GmbH auf dem Etikett. Sie wird nach der Rücknahme in ihre Bestandteile zerlegt und wieder eingeschmolzen. Die Einwegflasche kann grundsätzlich überall abgegeben werden, wo Flaschen aus demselben Material verkauft werden. Eine Ausnahme bilden Händler mit einer Verkaufsfläche unter 200 Quadratmeter - etwa ein Spätkauf oder Kiosk. Sie müssen nur die Einwegflaschen zurücknehmen, die auch bei ihnen im Regal stehen.

Wenn eine PET-Einwegflasche beschädigt, zerknautscht oder ohne Etikett ist, nimmt der Rücknahmeautomat sie häufig nicht an. In solchen Fällen kann man sich an das Supermarkt-Personal wenden und sie dort zurückgeben. Trotz Beeinträchtigungen dieser Art muss die Flasche angenommen und das Pfand ausgezahlt werden. Es sollte allerdings erkennbar sein, dass es sich bei der Getränkeverpackung um eine pfandpflichtige Einwegflasche handelt - auch ohne Etikett.

Dosen

Für Dosen mit dem aufgedrucktem schwarz-weißen Pfandsymbol gibt es wie für PET-Einwegflaschen eine einfache Regel: Wer Dosen verkauft, muss auch Dosen jeder Art zurücknehmen. Das gilt unabhängig davon, ob die Dose im Verkaufssortiment ist oder nicht. Allerdings gilt auch hier die Einschränkung für Verkaufsstellen unter 200 Quadratmeter, die nur Pfandartikel zurücknehmen müssen, die sie selbst im Angebot haben. Ist die Dose eingedellt oder zerdrückt, das Symbol für Dosenpfand aber noch erkennbar, muss sie an der Rückgabe angenommen werden.

Ausnahmen vom Dosenpfand bilden Prosecco und ausländische Soft- beziehungsweise Energydrinks. Da Prosecco als Wein gilt und Spirituosen vom Pfand befreit sind, muss auf Proseccodosen kein Pfand gezahlt werden. Importierte Getränkedosen aus dem Ausland sind ebenfalls pfandbefreit.

Pfandbons

Hat man den lästig pfeifenden Pfandautomaten zum Schweigen gebracht und alle seine Flaschen eingeworfen, erhält man einen Pfandbon. Dieser kann an der Kasse gegen Geld eingetauscht oder auf den Einkauf angerechnet werden. Häufig vergisst der Kunde jedoch, den Zettel beim Bezahlen abzugeben. Das ist kein Problem, denn der Bon verfällt erst nach drei Jahren. Die Jahresfrist beginnt auch erst am Neujahrstag des nächsten Jahres zu zählen. Allerdings muss der Pfandzettel beim Einlösen noch lesbar sein und kann nur in der Filiale eingelöst werden, in der die Flaschen abgegeben wurden.

 

Quelle: ntv.de