Reise

Sehr viele wollen zum Brocken Knochenbrecherweg macht Ärger

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Hunderttausende Wanderer besuchen jährlich den Brocken im Harz. Dabei müssen sie im oberen Bereich gemeinsam mit Radlern und Autos eine Straße nutzen.

(Foto: dpa)

Hunderttausende von Wanderern stürmen jährlich Norddeutschlands höchsten Berg, den Brocken. Dabei müssen sie im oberen Bereich zusammen mit Radlern und Autos die Straße nutzen. Der Harzklub will nun einen Wanderweg bis zur Kuppe - doch die Idee sorgt für Ärger.

Norddeutschlands höchster Berg ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Republik. Weit mehr als eine Million Menschen kommen jährlich auf den 1141 Meter hohen Brocken im Harz. Etwa 650.000 fahren mit der Schmalspurbahn, die anderen laufen zu Fuß. Dabei wählen die meisten Wanderer den in Torfhaus beginnenden Goetheweg, der durch Hochmoor und Wald führt und im obersten Abschnitt dann über die Brockenstraße bis zum Plateau verläuft.

Für den Heimat- und Naturschutzbund Harzklub ist das aber ein Problem, das der Verband nicht länger hinnehmen möchte. Denn die Straße - eine nicht öffentliche Straße nur für Lieferverkehr zum Gipfel - müssen sich die Wanderer mit Mountainbikern und einigen Kraftfahrzeugen teilen. Vor allem in den schneereichen Wintermonaten sei dies gefährlich, weil Wanderer dann wegen der hohen Schneewände nicht ausweichen könnten, bemängelt der Vorsitzende des Harzklubs, Michael Ermrich, der im Hauptberuf CDU-Landrat des Landkreises Harz in Sachsen-Anhalt ist. Eine Alternative zu diesem aus Sicht des Harzklubs gefährlichen Abschnitt hätten die meisten Wanderer nicht.

Bei seiner Jahreshauptversammlung hat der insgesamt 14.000 Mitglieder zählende Verein deshalb vor wenigen Tagen die Forderung nach einem Wanderweg bis auf das Brockenplateau beschlossen. Die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sollen aus Sicht des Klubs das Geld dafür bereitstellen und die Verwaltung des Nationalparks Harz dazu verpflichten, einen solchen Weg auszuweisen.

Wiedereröffnung des Knochenbrecherweges

Aus Sicht des Vereins bieten sich zwei Alternativen: Möglich wäre ein naturnaher Wanderweg parallel zur Brockenstraße. Die sinnvollste Lösung ist nach Meinung des Harzklubs aber die Wiedereröffnung des seit Jahrzehnten geschlossenen sogenannten Knochenbrecherweges. Er hat seinen Namen aus einer Zeit, als Pferde sich dort auf der steilen Strecke regelmäßig die Knochen brachen.

Die Nationalparkverwaltung weist diese Forderung als abwegig zurück. "Der Knochenbrecherweg würde durch die Kernzone des Schutzgebietes führen", sagt Nationalpark-Sprecher Friedhart Knolle. "Berührt würden erhebliche Teile der absolut schutzwürdigen Waldgrenze." Er verweist unter anderem auf den Ökosystemforscher Dietrich Hertel von der Universität Göttingen, der erst kürzlich zu dem Schluss gekommen war, dass diese Waldgrenze konsequent geschützt werden müsse. Als nördlichste natürliche alpine Waldgrenze in Zentraleuropa sei sie einzigartig.

Konflikt mit Schutzzweck

Die Neuanlage eines Wanderweges sei mit dem Schutzzweck des Nationalparks Harz nicht vereinbar, heißt es auch in einem internen Referentenpapier des Umweltministeriums in Magdeburg, das zu Beginn dieser Woche bekannt wurde. Ein solcher Weg würde die wertvollsten Bereiche der flächenmäßig sehr kleinen Zone an der oberen Waldgrenze erheblich beeinträchtigen. Im übrigen könnte der sehr anspruchsvolle Weg von Gehbehinderten, Senioren und Familien mit Kleinkindern ohnehin nicht genutzt werden, so dass diese weiterhin auf die Brockenstraße angewiesen seien.

Auch im niedersächsischen Umweltministerium stößt die Forderung des Harzklubs auf wenig Verständnis. Sprecherin Silke Schaar sagt, es gebe schließlich einen gültigen Wegeplan für den Nationalpark. Und Geld aus Niedersachsen werde auf keinen Fall fließen.

Nationalparksprecher Knolle führt noch weitere Argumente gegen einen Weg durch streng geschütztes Gelände an: Bisher seien keinerlei Klagen von Wanderern darüber bekannt, dass sie das letzte Stück Weges zum Gipfel auf der Straße laufen müssen. Und Verletzte durch Kollisionen mit Fahrzeugen seien auch noch nie gemeldet worden.

Quelle: ntv.de, Matthias Brunnert, dpa

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