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Ob Rucksack- oder Geschäftsreise Malariagefahr oft unterschätzt

Weltweit sterben jährlich mehr als 850.000 Menschen an einer Malaria-Infektion, die meisten davon in Afrika südlich der Sahara. Aber auch Geschäftsreisende, Rucksacktouristen und Migranten aus Malariagebieten sind, oft aus Unwissenheit, besonders gefährdet.

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Sprühaktion gegen Malaria und Dengue übertragende Mücken in Neu Delhi.

(Foto: AP)

Rucksacktouristen, Weltreisende und beruflich Reisende riskieren vielfach aus Unwissenheit eine Malariainfektion. Denn sie kennen oft nicht die Malariasituation und die Möglichkeiten der medizinischen Betreuung vor Ort. Zudem halten sie sich abends häufig im Freien auf und kommen in moskitounsicheren Unterkünften unter. Darauf weist der Infektions- und Tropenmediziner Prof. Hans Dieter Nothdurft in München hin. Der beste Schutz vor der durch Stechmücken übertragenen Krankheit sei eine Prophylaxe mit Medikamenten.

Gefahr durch Unwissenheit

Aus Unwissenheit ähnlich gefährdet sind dem Experten zufolge Migranten aus Malariagebieten und deren in Deutschland lebende Kinder. Diese Personengruppe besuche häufig vertraute, oft ländliche Gebiete und nehme die dort vorhandene Infektionsgefahr nicht wahr. Ihnen sei auch kaum bekannt, dass ihre in der Kindheit erworbene Teilimmunität gegen Malaria durch längere Aufenthalte in Europa verschwindet.

Außerdem übersehen sie dem Mediziner zufolge, dass ihre hier geborenen Kinder keine Teilimmunität erwerben konnten. Der Nachwuchs sei daher besonders gefährdet, sich mit Malaria zu infizieren. Dass ein Schutz mit Medikamenten möglich ist, sei ihnen meist unbekannt. Zum einen nähmen sie selten eine reisemedizinische Beratung wahr, zum anderen würden geplante Verwandtenbesuche den behandelnden Ärzten nicht immer mitgeteilt.

Langzeit-Tabletteneinnahme oft abgelehnt

Menschen, die für mehr als drei Monate im Ausland leben und arbeiten, lehnen dagegen häufig einen Malariaschutz durch Langzeit-Tabletteneinnahme ab. Sie sollten aber eine Mindestvorsorge betreiben, rät Nothdurft: Ein wesentliches Kriterium sei die Qualität und Verfügbarkeit der medizinischen Versorgung vor Ort. Außerdem sei es in der Regel möglich, sich zum Beispiel durch den Einbau von Fliegengittern und den Gebrauch von Moskitonetzen zu schützen. Kinder unter fünf Jahren und Schwangere sollten sich grundsätzlich nicht in Malariahochrisikogebieten aufhalten.

Neben der Malariavorbeugung kommt bei Fernreisen Impfungen eine zentrale Rolle beim Gesundheitsschutz zu. Einzige Pflichtimpfung nach den Vereinbarungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sei derzeit die Gelbfieberimpfung, erläutert Christian Schönfeld vom Institut für Tropenmedizin Berlin. Manche Länder könnten bei der Einreise einen Nachweis über diese Impfung verlangen.

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte für diese eine Meningokokken-Impfung in Betracht ziehen. Die Erreger kommen weltweit vor, werden per Tröpfcheninfektion übertragen und treffen vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Selbst in entwickelten Ländern verlaufen rund 10 Prozent der Fälle tödlich, und bis zu 20 Prozent der Erkrankten behalten bleibende Schäden zurück, warnte der Mediziner von der Charité.

Auch Schutz vor Tollwut wichtig

Ein weiterer wichtiger Schutz in Asien, Afrika, Lateinamerika und einigen osteuropäischen Ländern ist der vor dem weltweit vorkommenden Tollwut-Erreger. Die Hälfte der bis zu 60.000 Todesfälle pro Jahr betrifft Kinder unter 15 Jahren. Ebenfalls sinnvoll für Asienreisende ist die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis. Der Erreger kommt vor allem im Osten, Süden und Südosten Asiens bis nach Papua-Neuguinea und Torres Strait in Nordaustralien vor. Gegen die Krankheit gibt es keine wirksame Behandlung.

Als Standardimpfungen für alle Altersgruppen, die vor jeder Reise überprüft und eventuell aufgefrischt werden sollten, gelten laut Schönfeld schließlich Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Nach 1970 Geborene sollten auch gegen Masern geimpft sein. Südlich der Alpen und östlich der Oder empfehle sich außerdem der Schutz vor Hepatitis A. Auch eine Hepatitis-B-Impfung sollte unter Umständen in Betracht gezogen werden.

Informationen

Empfehlungen zu Reiseimpfungen sowie zur Malariaprophylaxe sind gegen Einsendung eines frankierten Rückumschlages kostenlos erhältlich bei: Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit - Info-Service, Postfach 40 04 66, 80704 München oder unter dtg.org.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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