Reise

Warm werden auf russische Art Petersburg ist im Winter schön leer

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Im Winter kommen weit weniger Touristen nach St. Petersburg als im Sommer. Dann kann es sein, dass man zumindest für einen Moment ohne andere Besucher im sagenumwobenen (rekonstruierten) Bernsteinzimmer im Katharinenpalast steht.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Im Winter drängen sich in St. Petersburg keine Touristenmassen, die Hotels sind günstiger und die Kirchen mit ihrer Schneehaube bezaubernder. Gegen die Kälte haben die Einheimischen ein Rezept: ein Loch ins Eis hacken und in den Fluss springen. Danach aufwärmen mit einer Borschtsch oder Soljanka und auf in eins der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt.

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Die St. Nikolaus Kathedrale ist eine der wenigen Kirchen, die während der Sowjetzeit durchgängig geöffnet waren. Ihre goldenen Dächer sind schon aus der Ferne zu sehen.

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Das Thermometer zeigt minus 15 Grad, doch das hält uns nicht ab. Dick eingepackt stapfen wir immer weiter durch den tiefen Schnee, dicke Flocken wirbeln durch die Luft. Nein, das hier ist nicht die Arktis, nur die nördlichste Millionenstadt der Welt: St. Petersburg. Trotz der Kälte lohnt ein Besuch im Winter. Die Innenstadt mit ihren prächtigen und üppig verzierten Bauten, seit 1990 Unesco-Weltkulturerbe, wirkt dann besonders bezaubernd.

Der Schnee glitzert. Der breite Fluss Newa mitsamt aller Nebenarme ist zugefroren. Die Häuser sind von einer Schneeschicht bedeckt, die an dicken Zuckerguss erinnert und in der Dämmerung und am Abend angestrahlt wird.

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St. Petersburg ist neben Moskau die zweite russische Metropole mit vielen Sehenswürdigkeiten - im Winter treten sich die Touristen in der Millionenstadt an der Newa nicht auf die Füße.

Schön am winterlichen St. Petersburg ist auch, dass es nicht so überlaufen ist wie im Sommer, wenn Tausende Touristen sich durch die Straßen drücken. Lange Anstehen vor den Sehenswürdigkeiten ist die Ausnahme, und selbst im Katharinenpalast vor den Toren der Stadt kann es passieren, dass man zumindest für einen Moment ohne andere Besucher im sagenumwobenen Bernsteinzimmer steht.

Fremdenführer Sergej Martschukov beginnt seine Tour aber erst einmal an der Peter-Paul-Festung, dem Geburtsort der Stadt. Lange Zeit war die Region wegen ihrer strategisch wichtigen Lage an der Ostseemündung heftig umkämpft und musste vor allem gegen die Schweden verteidigt werden. Doch dann trieb Zar Peter der Große sie endgültig aus dem Land. Um die Stelle zu sichern, ließ er ab 1703 die Peter-Paul-Festung errichten.

Wie in einem großen Freiluftmuseum

"Damals war hier nur Sumpf", erzählt Sergej, der jahrelang in Cottbus studierte und seit seiner Rückkehr vor allem deutsche Touristen durch seine Heimatstadt führt. Doch das änderte sich schnell. "Peter der Große und seine Nachfolger wollten mit St. Petersburg unbedingt die schönste Stadt des Landes schaffen."

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Nach dem Bad in der eiskalten Newa pumpt das Herz ein paar Minuten lang kräftig das Blut durch den Körper.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Auch wenn sich der Besucher manchmal wie in einem riesigen Freiluft-Museum fühlt, ist St. Petersburg eine sehr lebendige Stadt, auch im Winter. Besonders schnell schlägt das Herz sicher bei den Walrössern, jenen St. Petersburgern, die sich ein Loch in die zugefrorene Newa hacken und ins eiskalte Wasser springen. Sergej führt zu der bekanntesten Stelle, die etwas versteckt am Rand der Peter-Paul-Festung liegt.

Es gibt weniger rabiate Methoden, sich im winterlichen St. Petersburg wachzuhalten. Im "Café Singer" etwa kann man bei einem heißen Tee und einem Stück Kuchen das Treiben auf dem Prachtboulevard Newskij Prospekt beobachten. Oder man erwärmt sich mit einer Suppe wie Borschtsch und Soljanka. Auf den Speisekarten der zahlreichen Restaurants finden sich Spezialitäten ehemaliger UdSSR-Staaten wie Armenien oder der Ukraine, die in Deutschland kaum jemand kennt.

Eremitage hat fast drei Millionen Exponate

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In der Eremitage sind 65.000 Ausstellungsstücke zu sehen. Allein die Räume lohnen einen Besuch - nicht nur wegen der Wärme.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Eine andere Möglichkeit, der Kälte für mehrere Stunden zu entgehen, ist ein Besuch der Eremitage, einem der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Auch hier zeigt sich der überbordende Petersburger Pomp: Mit knapp drei Millionen Exponaten ist die Sammlung der Eremitage größer als die des Pariser Louvre. Ausgestellt sind aber nur rund 65.000 Stücke. Der Rest lagert im Keller.

Es ist aber nicht nur die Masse von Kunstwerken, die in der Eremitage beeindruckt. Sicher, an den Wänden hängen viele Monets, Renoirs, Gauguins und jeweils über 30 Bilder von Matisse und Picasso. Doch es sind allein schon die Räume der Eremitage, die einen Besuch und einen genauen Blick wert sind. Das Museum ist ein Konglomerat von fünf Gebäuden, die wie der Winterpalast nicht nur von außen wie Schlösser aussehen.

Wie Petersdom in Rom

Spannend sind auch einige der Kirchen, zum Beispiel die Kasaner Kathedrale. Zar Peter I. wollte, dass die Kirche dem Petersdom in Rom gleicht, und so wurden gewaltige Kolonnaden und eine enorme Kuppel gebaut. Im Inneren stehen die Gläubigen geduldig Schlange, um der wichtigsten Ikone der Kirche nahe zu kommen. Sind sie dann endlich an der Reihe, bekreuzigen sie sich, beten und küssen die Ikone.

Einige hundert Meter weiter, von der Isaakskathedrale, der größten der Stadt, haben wir von der Aussichtsplattform einen wunderschönen Blick über die verschneite Stadt. Und nach dem Aufstieg über mehr als 250 Treppenstufen ist uns auch wieder angenehm warm.

Quelle: ntv.de, Aliki Nassoufis, dpa