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Kreisläufer Hendrik Pekeler setzt zum Torwurf an - am Ende sind die Deutschen 32 Mal erfolgreich.
Kreisläufer Hendrik Pekeler setzt zum Torwurf an - am Ende sind die Deutschen 32 Mal erfolgreich.(Foto: imago/Eibner)
Sonntag, 14. Januar 2018

Eher Test- als Turnierspiel: Bad Boys stürmen in EM-Rhythmus

Von Michael Wilkening, Zagreb

Die deutschen Handballer feiern gegen Montenegro den perfekten EM-Start. Die Partie ist so einseitig, dass der Bundestrainer im Wettkampfmodus experimentieren kann. Nur ein Spieler bereitet kurzzeitig Sorgen.

Wie leicht den deutschen Handballern der Auftakt bei der Europameisterschaft gefallen war, zeigte die Lockerheit, mit der anschließend über die Torhüterstatistik von Patrick Groetzki gesprochen wurde. "Dafür, dass ich vor dem Ball so viel Angst habe, ist das schon eine Überraschung", sagte der Rechtsaußen der Rhein-Neckar Löwen und lachte. In der zweiten Hälfte hatte Groetzki einen Wurf auf das leere deutsche Tor mit einem Sprung in den Kreis spektakulär abgewehrt, als Andreas Wolff wegen einer Zeitstrafe für die Deutschen das Spielfeld verlassen hatte. Kapitän Uwe Gensheimer lachte ebenfalls als er darüber nachdachte, dass sein Zimmerkollege vermutlich bis zum Turnierende bei einer Quote von 100 Prozent abgewehrter Bälle verbleiben wird.

Der Schalk konnte sich bei den deutschen Spielern ausbreiten, weil das erste Match bei der EM in Kroatien zu einem lockeren Aufgalopp geworden war. Beim 32:19 (17:9) gegen Montenegro zeigten die Spieler von Bundestrainer Christian Prokop eine sehr ordentliche Leistung, profitierten aber auch davon, dass das Team vom Balkan eine absolut enttäuschende Vorstellung bot. Ohne ihre Superstars Vuko Borozan (Rückraum) und Nebojsa Simic (Tor) waren die Montenegriner kein Gradmesser – dafür aber ein perfekter Kontrahent zum Start. Am Montagabend (18.15 Uhr, live in der ARD und im n-tv.de-Ticker) im zweiten Gruppenmatch gegen Slowenien werden die Deutschen stärker gefordert sein.

"Die nächsten Gegner werden wohl besser sein"

"Die Gegner, die jetzt noch kommen, werden wohl besser sein", sagte Paul Drux und der Rückraumspieler der Berliner Füchse erntete bei seiner Vorausschau keinen Widerspruch. Slowenien überzeugte beim 24:25 im ersten Gruppenspiel gegen Mazedonien keineswegs, besitzt aber deutlich mehr individuelle Qualität als der erste deutsche Kontrahent – und gewann vor einem Jahr bei der WM in Frankreich Bronze. Das wissen die Deutschen, ordneten den klaren Erfolg gegen Montenegro richtig ein und stellten die eigene Leistung in den Mittelpunkt der Betrachtung.

"Für die Leistung von Montenegro müssen wir uns ja nicht entschuldigen", sagte Bob Hanning. Der Vize-Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) lief entspannt durch die Katakomben der Arena in Zagreb, weil er gesehen hatte, dass der Titelverteidiger die positiven Eindrücke aus den Vorbereitungspartien gegen Island in das Turnier transportierte. Das Selbstverständnis der deutschen Handballer wurde in den 60 Minuten gestärkt und das war der wichtigste Fakt.

Für die Deutschen hatte das erste Match ab der 22. Minute wie eine Fortsetzung der Testspiele gegen die Isländer unmittelbar vor dem EM gewirkt. Zu diesem Zeitpunkt waren die enttäuschenden Montenegriner längst geschlagen, die Deutschen führten 13:3 (!) und Prokop bekam die Möglichkeit, taktische Elemente auszuprobieren. "Wir hatten schon einen Wettkampfmodus über 60 Minuten, aber es war gut, dass wir einige Dinge testen konnten", sagte Hanning.

Janke und Roschek dürfen sich beweisen

Prokop wies auf einen anderen Punkt hin. "Es ging mir darum, dass in dieser Halle alle ins Turnier starten. Es ist schon was anderes, ob wir zusammen trainieren oder ein Testspiel in Stuttgart machen", sagte der Bundestrainer. Wegen des klaren Vorsprung sammelten alle 16 Akteure positive Emotionen auf dem Feld und hatten ihr individuelles EM-Erlebnis. Wenn jetzt das Duell mit dem WM-Dritten Slowenien ansteht, kann es sich als großer Vorteil erweisen, dass alle Spieler in den Rhythmus gekommen sind.

Auffallend viel Spielzeit hatten die überraschend in den EM-Kader gerückten Maximilian Janke und Bastian Roschek erhalten. Die Leipziger wirkten bei ihrem Debüt auf der großen Bühne fast schon wie Routiniers und reihten sich nahtlos in das funktionierende Mannschaftsgebilde ein. Janke stand gar in der Startformation der DHB-Auswahl und dokumentierte mit seiner Leistung die Ausgeglichenheit innerhalb des deutschen Kaders. Diese Qualität soll in den kommenden zwei Wochen zum Faustpfand der Ambitionen werden.

Die hätten beinahe einen dicken Dämpfer erhalten. Zehn Minuten vor dem Ende verließ der bis dahin stark haltende Andreas Wolff das Spielfeld und wurde anschließend am rechten Fuß behandelt. Dick bandagiert humpelte der Held des EM-Finales vor zwei Jahren in die Kabine – schwerwiegend ist die Verletzung aber nicht. "Es ist eine leichte Prellung, nichts Schlimmes", gab Prokop gestern Entwarnung: "Ich mache mir keine Sorgen."

Quelle: n-tv.de