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"Das ist wie Fahren im Nebel" Basketball-Liga wackelt schon zum Auftakt

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Alba Berlin und Bayern München gelten als Favoriten im Titelrennen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegfallende Millioneneinnahmen, Corona-Ausbrüche im Vorfeld: Der BBL-Saisonstart inmitten der Pandemie gleicht einem Drahtseilakt. Die staatlichen Hilfen ermöglichen den Spielbetrieb nur vorläufig, ohne Zuschauer wird es früher oder später eng. Dabei hat die Liga sportlich viel zu bieten.

Es gibt Aussicht auf Geld, auf Hilfe - endlich einmal erfreuliche Nachrichten für Stefan Holz in schwierigen Zeiten. Nachdem alle Klubs aus der Basketball-Bundesliga (BBL) die Corona-Nothilfe des Bundes beantragt hatten, erhielten kurz vor dem Saisonstart schon sechs Vereine die Zusage für eine Finanzspritze. "Das ist gutes Geld, definitiv", sagt Geschäftsführer Holz: "Es macht Mut."

An diesem Freitagabend startet die BBL in ihre 54. Spielzeit - die bislang schwierigste, ohne Frage. Unsicherheiten und Unwägbarkeiten herrschen, mindestens bis zum Ende des Monats dürfen keine Zuschauer in die Hallen, zuletzt gab es im Pokal reihenweise Spielabsagen wegen Corona-Fällen in den Teams. Es bleiben viele Fragezeichen. Zumindest aus finanzieller Sicht haben sich die Perspektiven verbessert. Der bürokratische Prozess in Sachen Staatshilfe verlaufe "mit aller Vorsicht", wie Holz betont, "relativ reibungslos". Der Ligaboss übt sich in Zurückhaltung: "Abgerechnet wird am Ende."

Bis zu 800.000 Euro kann jeder Klub aus dem Sportpaket erhalten. "Ich würde vermuten, dass zehn bis zwölf Millionen Euro in die Liga kommen", sagt Holz. Da normalerweise die Zuschauereinnahmen bei gut 25 Millionen liegen, würden "50 Prozent erstattet werden. Das kann man von unten oder oben betrachten - halbvoll oder halbleer." Und das ist nicht alles. Leere Hallen bedeuten nicht nur wegen der Eintrittskarten leere Taschen, auch Merchandising oder lokales Sponsoring fallen dadurch weg.

Abpfiff für zwei Spiele schon vor Anpfiff

"An den Zuschauern hängt letztlich ein Umsatz von 40 bis 50 Millionen", so Holz. Die Einmalzahlung ist wichtig, reicht aber nicht. Holz hofft, dass die Maßnahme über den 31. Dezember hinaus verlängert wird. Dies sei "zwingend erforderlich". Mit einer "angemessenen Rückkehr der Zuschauer", den aktuellen Staatsgeldern aus dem 200-Millionen-Paket und möglichen zusätzlichen Hilfen "könnte es sich irgendwie ausgehen", sagt der Geschäftsführer.

Schlechte Nachrichten gab es dann aber auch noch: Zwei für den ersten Spieltag vorgesehene Partien mussten nach Corona-Fällen abgesagt werden. So fällt das Spiel zwischen den Giessen 46ers und dem MBC aus Weißenfels ebenso aus wie die Begegnung zwischen medi Bayreuth und den Telekom Baskets Bonn. Wann die Spiele nachgeholt werden, steht noch nicht fest.

Bei den Klubs sind regelmäßige Tests und das Warten auf die Ergebnisse Alltag - und herausfordernd. "Wir wissen bis zum Spieltag nicht, ob wir spielen können", sagte etwa Steffen Herhold, Geschäftsführer von Aufsteiger Niners Chemnitz, dem MDR: "Ein weiteres Problem ist: In diesen Pandemiezeiten ist die wirtschaftliche Stabilität unklar. Das ist wie Fahren im Nebel bei 200 Kilometern pro Stunde."

"Jammerschade"

Holz verspürt trotz aller Sorgen Vorfreude. Dass die Pandemie alles überlagert, sei "jammerschade, wir haben eine tolle Saison vor uns. Wir wollen einfach mal wieder, dass der Ball durch den Korb fliegt. Wir wollen einfach mal wieder über Sport reden." Und sportlich könnte es interessant werden.

Nach dem Traumjahr mit Pokalsieg und Meistertitel gehört Alba Berlin erneut zu den Titelfavoriten, hat aber schwierige Wochen hinter sich. Es gab sieben Corona-Fälle im Team, wegen der Quarantäne konnte der Doublegewinner gut drei Wochen nicht spielen. Da einiges nachzuholen ist, auch in der Euroleague, stehen dem Klub herausfordernde Wochen bevor.

Gefährlich werden können der Mannschaft von Erfolgscoach Aito Garcia Reneses vor allem Bayern München mit dem neuen Trainer Andrea Trinchieri und Vizemeister MHP Riesen Ludwigsburg. Für Marco Baldi ist das Titelrennen "so offen wie nie. Und da würde ich auch keinen herausheben, weder uns noch Bayern", sagte der Alba-Geschäftsführer.

Quelle: ntv.de, Uli Schember, sid