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Neue Doping-Beichte Bei Armstrong war alles noch schlimmer

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Lance Armstrong macht reinen Tisch. Schon wieder. Auch zum letzten Mal?

(Foto: imago sportfotodienst)

Lance Armstrong ist ein Radsport-Held, ein globaler Superstar - bis er schließlich des systematischen Dopings überführt wird und seine großen Siege, sein Ansehen und viel Geld verliert. Eine späte Beichte nutzt ihm wenig. Und inzwischen ist klar: Auch da hat er nur die halbe Wahrheit erzählt.

Er hat die Öffentlichkeit viele Jahre getäuscht und belogen und inzwischen ist klar: Selbst, als Lance Armstrong vorgeblich reinen Tisch gemacht hatte, hat er nur die Hälfte erzählt. Der frühere Radsport-Star und inzwischen als Doping-Betrüger überführte US-Amerikaner hat zugegeben, "wahrscheinlich im Alter von 21" mit Doping begonnen zu haben. Das sagte der US-Amerikaner in einer zweiteiligen Dokumentation, die am 24. und 31. Mai auf dem Fernsehsender ESPN ausgestrahlt wird.

Armstrong hatte zwischen 1999 und 2005 siebenmal in Folge die Tour de France gewonnen, war 2012 aber von der US-Anti-Doping-Agentur des systematischen Dopings überführt worden und rückwirkend ab dem 1. August 1998 lebenslang gesperrt. Seine Toursiege wurden ihm aberkannt, auch die Olympische Bronzemedaille aus dem Jahr 2000 musste er zurückgeben.

2013 hatte er im Interview mit der Talkmasterin Oprah Winfrey schließlich eine lange Doping-Beichte abgelegt und erklärt, in der Zeit seiner Tour-Siege Dopingmittel eingenommen zu haben. "Ich war ein Tyrann, wenn mir nicht gefiel, was jemand gesagt hat, oder jemand nicht loyal war. Ich wollte die ganze Geschichte kontrollieren", sagte Armstrong bei seinem TV-Auftritt.

Der heute 48-jährige Armstrong erklärte nun, schon viel früher gedopt und stets von den Praktiken gewusst zu haben. Er habe die Entscheidung selbst getroffen, sagte Armstrong: "Es gibt viele Möglichkeiten, Doping zu definieren. Der leichteste Weg, es zu beschreiben, ist: Die Regeln brechen", erklärte der frühere Rad-Star. "Haben wir früher Vitamin-Spritzen und andere Dinge bekommen? Ja, aber sie waren nicht illegal. Ich habe immer nachgefragt. Ich habe es immer gewusst und ich habe die Entscheidung selbst getroffen. Niemand hat gesagt 'Frag nicht, das ist das, was du bekommst.' Ich hätte das nie mit mir machen lassen. Ich habe mich dazu erzogen, was ich bekomme, und ich habe das bewusst gemacht."

Eine Heldengeschichte bricht zusammen

Pikant ist das neue Geständnis, weil Armstrong auch schon lange vor seinen Tour-Siegen große Erfolge einfahren konnte: 1993, also im Jahr, nachdem der im September 1971 geborene Fahrer nach eigenen Angaben mit dem Doping begonnen hatte, wurde er Straßen-Weltmeister, dazu gewann er 1993 und 1995 zwei Etappen der Tour de France, 1996 den Klassiker Fléche Wallone. Diese Erfolge stehen weiterhin in der Vita des Texaners.

1996 war Armstrong an Hodenkrebs erkrankt, feierte 1998 aber seine Rückkehr in den Rennzirkus und entwickelte sich zum erfolgreichsten Fahrer seiner Generation. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Armstrong ein globaler Superstar - und kämpfte nicht nur auf der Straße hart. Armstrong hatte vor seiner Sperre einen regelrechten Kreuzzug gegen ehemalige Widersacher und Teamgefährten, die ihn der Einnahme unerlaubter Mittel bezichtigt hatten. Zahlreiche Weggefährten wie Floyd Landis berichteten von einem weit verzweigten Doping-System im damaligen Rennstall US Postal. Die US-Anti-Doping-Agentur Usada sprach vom "anspruchsvollsten, professionellsten und effizientesten Doping-System in der Geschichte des Sports".

"Es ist schockierend"

Armstrongs Anwälte scheuten sich in einem frühen Prozess nicht, intimste Geheimnisse über den heute wieder einzigen amerikanischen Tour-Sieger Greg LeMond öffentlich auszubreiten, der als Kind missbraucht worden war. Betsy Andreu, Ehefrau eines ehemaligen Teamkollegen beschimpfte er monatelang bei immer neuen Anrufen als "rachsüchtig, verbittert und neidisch". Die Usada-Kronzeugen Floyd Landis und Tyler Hamilton wurden wahlweise als "nicht zurechnungsfähig", "berechnend", auf jeden Fall "notorisch unglaubwürdig" verunglimpft.

Dennoch musste Armstrong in mehreren Schadenersatzprozessen über 20 Millionen US-Dollar bezahlen. 2018 vermied er mit der Zahlung von fünf Millionen US-Dollar an die US-Regierung einen Prozess, in dem es um rund 100 Millionen Dollar gegangen wäre, die das US-Justizministerium gefordert hatte.

Landis' Anwalt Paul Scott erklärte, mit der Einigung werde Armstrong immer noch zur Verantwortung gezogen. Es reiche nicht aus, in einem Fernsehinterview Entschuldigung zu sagen. "Unser Ziel war es, ihn finanziell wirklich zur Verantwortung zu ziehen und mit dieser Einigung wird dieses Ziel erreicht." Kritisch äußerte sich dagegen Betsy Andreu: "Es ist schockierend, dass die Regierung sich mit so wenig zufriedengibt", sagte sie.

Armstrongs einstiger wichtigster Helfer Hamilton, der den Texaner in den Untersuchungen belastet hatte, erzählte 2012 dem "Stern", er fürchte sich vor Armstrongs Rache: "Man hört kaum etwas von Lance, aber diese Ruhe halte ich für trügerisch. Ich fürchte, er wird zurückschlagen. Ich habe Schlafstörungen und Alpträume, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an Lance denke. "Ich bin aus Colorado weggezogen. Colorado ist zu nah an Texas, und Texas ist Armstrong-Country."

Quelle: ntv.de, ter/dpa