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NBA gastiert erstmals in BerlinBerliner Brüder als Kontrastprogramm zu Trumps Imperialismus

15.01.2026, 06:53 Uhr
imageVon David Bedürftig, Berlin
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"Es geht nicht nur um Basketball", sagt Franz Wagner. Beim ersten NBA-Spiel in Deutschland will der Weltmeister mit seinem Bruder Moritz ein Zeichen für Völkerverständigung setzen. Donald Trumps Allmachtsfantasien werden durch "emotionalen Schmerz" und spezielle Gerüche ersetzt.

Die NFL tut es schon länger. Und nun streckt auch die NBA, die beste Basketball-Liga der Welt, die Fühler nach Deutschland aus. Mit dem Duell Orlando Magic gegen Memphis Grizzlies in Berlin (20 Uhr/Amazon Prime) findet erstmals ein Punktspiel auf deutschem Boden statt. Mittendrin: die beiden DBB-Stars und Berliner Moritz und Franz Wagner.

Während die NBA sich mit dem "Berlin Game" natürlich neue Märkte erhofft, ab 2027 soll die NBA Europa an den Start gehen, setzt sie in Zeiten transatlantischer Differenzen auch ein Zeichen für das Miteinander von USA und Deutschland.

Moritz "Mo" Wagner lacht am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Pflichtspiels die Nachfrage von ntv.de weg, inwiefern das NBA-Duell auch eine politische Komponente und angesichts von Donald Trumps Imperialismus eine spezielle Bedeutung mitbringt. Der 28-Jährige übergibt sie lieber seinem jüngeren Bruder.

Franz Wagner: "Es geht nicht nur um Basketball"

Der 24-jährige Franz errötet leicht, schließlich umgehen Sportler solche Themen gerne und immerhin lebt der Welt- und Europameister seit 2019 in den Staaten. In Orlando im republikanischen Florida verdient er sich seit 2021 seine Brötchen, zuvor spielte er in Michigan an der Uni.

"Die Werte in der Kultur sind heute etwas anders als die, mit denen wir aufgewachsen sind", gibt Franz Wagner zu, ohne Trumps Maga-Bewegung namentlich zu nennen. "Alle in der Welt tun gut daran, die andere Seite zu verstehen und so gut wie möglich miteinander zu leben. Das können wir als Ziel für diese Woche nehmen: Es geht nicht nur um Basketball, sondern auch um das Verbinden von Menschen."

Tuomas Iisalo, der finnische Trainer der Memphis Grizzlies, der in den 80er Jahren als Kind vier Jahre "an der Spree" gewohnt hatte und länger in Deutschland gecoacht hat, gibt sich bei dem Thema noch diplomatischer: "Ich glaube, dies ist einfach eine großartige Möglichkeit, um hier als Botschafter des Basketballs aufzutreten."

"Geruch gibt mir PTBS vom Kadertraining"

So sind die Berliner Wagner-Brüder schlichtweg froh und stolz, den NBA-Spitzenbasketball in ihre Heimat bringen zu können. Gar "surreal" sei das. Mit ordentlich Jetlag in den Knochen sitzen sie leicht zerknautscht im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Nur wenige Schritte entfernt sind sie aufgewachsen, haben hier in der Max-Schmeling-Halle ihr Handwerk erlernt.

"Das ist unser Hinterhof, in dieser Halle sind wir aufgewachsen und das ist ein großer Teil unserer Kindheit", sagt Mo, der sich genauso wie sein jüngerer Bruder als kleiner Junge in Alba Berlin verliebte und an diesem Ort auch selbst den Weg in den Vereinsbasketball fand. "Allein der Geruch gibt mir PTBS vom Kadertraining früher."

Ein NBA-Spiel für die nächste Generation

Die NBA genießt es sichtlich, mit lokalen Helden Werbung für die Liga machen zu können, schließlich sind Europäer längst keine Außenseiter auf den US-Parkettböden. Während Dirk Nowitzki anfangs ausgelacht und als "soft" beschimpft wurde, gehören heute Luka Doncic, Nikola Jokic oder Victor Wembanyama zu den absoluten Topstars und Aushängeschildern der NBA. Die NFL mit dem von US-Amerikanern dominierten Football hat solche europäischen Werbeträger und Idole (noch) nicht.

In Berlin müssen eben die Wagner-Brüder ran. Sie hetzen von Interview zu Interview, bis endlich das Training beginnt und die Presse bald darauf freundlich aus der Halle geworfen wird. "Es ist eine coole Erfahrung, die NBA nach Deutschland zu bringen", sagt Moritz Wagner. "Das heißt aber auch, dass wir viele Termine haben und nicht wissen, wo oben und unten ist."

Bruder Franz ergänzt mit Blick auf die nächste Generation: "So ein Spiel kann einiges in Gang bringen. Als wir noch klein waren, schien die NBA weit weg und unerreichbar. Jetzt können junge Mädchen und Jungs durch dieses Spiel Erfahrungen aus erster Hand sammeln und dann Schritt für Schritt ihren Weg gehen, der dadurch vielleicht etwas einfacher wird."

"Emotionaler Schmerz"

Franz Wagner selbst hofft, dass sein Weg ab diesem Abend nicht mehr holprig verläuft, denn er kehrt gerade erst von einer Sprunggelenksverletzung zurück, die er sich Anfang Dezember zugezogen hatte. "Mir geht's gut. Ich will heute ein gutes Training machen und sehen, wie der Fuß reagiert. Dann hoffe ich, dass ich Donnerstag spielen kann", sagt er. Auf dem Verletzungsbogen der Magic stand er am Mittwochabend nicht.

Noch steiniger war der Weg zuletzt bei seinem älteren Bruder. Erst am vergangenen Sonntag hatte er nach einem Kreuzbandriss zum ersten Mal seit einem Jahr wieder auf dem Parkett stehen können. "Es war ein emotionaler Tag, ich konnte überhaupt nicht schlafen", sagt Moritz Wagner und gibt Einblicke in seine Seele preis: "Ich konnte stets vieles durch den Sport kompensieren und hatte in der Halle immer ein emotional-positives Feedback. Das ist weggebrochen und war sehr schwierig. Ich war gezwungen, mir eine Stabilität woanders im Leben zu suchen."

Auch "emotionalen Schmerz" musste er in seiner Verletzungszeit überstehen und nun "sehe ich den Sport und das Leben etwas anders", sagt Moritz Wagner. Zusammen mit seinem Bruder Franz bewegt er nun im eigenen Hinterhof, beim ersten NBA-Punktspiel in Berlin, mehr als den Ball in den Korb. Beim Kontrastprogramm zu Donald Trump.

Quelle: ntv.de

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