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Goldener Mittwoch in Minsk Boll schaut nun auf den letzten Höhepunkt

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Timo Boll nimmt nach seinem Einzel-Titel in Minsk nun Tokio 2020 ins Visier.

(Foto: REUTERS)

Bislang ist die deutsche Bilanz bei den Europaspielen bescheiden. Doch nun wird gleich dreimal die Hymne gespielt. Titel gibt es im Tischtennis, bei den Kanuten und den Schützen. Und fast alle Gewinner richten ihren Blick auf kommende Wettbewerbe.

Als Timo Boll seinen ersten Matchball spektakulär  verwandelte, war der "goldene" Mittwoch bei den Europaspielen perfekt. Turniersieg und Olympia-Ticket: Mit dem Titel in Minsk  krönte das Tischtennis-Ass den bisher erfolgreichsten Tag für Team Deutschland. Zuvor hatten bereits die Kanuten Max Hoff und Jacob Schopf sowie der Pistolenschütze Oliver Geis mit jeweils Gold die deutsche Medaillenbilanz kräftig aufpoliert.  

Boll gewann das spannende Endspiel gegen den Dänen Jonathan Groth mit 4:2 - und das, obwohl er "ziemlich müde" gewesen sei, wie der Rekordeuropameister bereits nach dem souveränen Finaleinzug verraten hatte. Im Athletendorf war er in einer "sehr kurzen Nacht" durch einen lauten Tischkicker und viel Autolärm immer wieder aus dem Schlaf gerissen worden. Im Finale wirkte sich das nicht aus: Boll, der das Olympia-Ticket schon durch den Finaleinzug sicher hatte, behielt gegen die stark aufspielende Nummer 33 der Welt einen kühlen Kopf.

Sein Fokus richtet sich nun auf Tokio - bis zu seinen dann sechsten Sommerspielen will der 38-Jährige in erster Linie gesund bleiben. "Ich hoffe, es geht so weiter", sagte Boll, schließlich werde es "nicht einfacher". Das wurde spätestens bei der vergangenen WM im Februar sichtbar, als Boll seine Starts im Einzel und Doppel mitten im Turnier wegen einer Infektion kurzfristig hatte absagen müssen.

Die Anfälligkeit spielt in seinem Kopf eine Rolle. "Die Gesundheit ist das Wichtigste", betonte er in der weißrussischen Hauptstadt einmal mehr. Mit Blick in die Zukunft werden die Sommerspiele in Japan "höchstwahrscheinlich" der letzte absolute Höhepunkt seiner Karriere sein. "Spielerisch und vom Know-how her wird nicht mehr viel passieren - weder nach oben noch nach unten", sagte die frühere Nummer eins der Welt. In Minsk stehen noch die Teamwettbewerbe an.

Kanuten schauen nun auf die WM

Die Kanuten Hoff und Schopf hatten einige Stunden zuvor dank eines starkes Schlussspurts im Kajak-Zweier triumphiert. "Wir haben es bewusst hinten heraus darauf ankommen lassen", sagte Olympiasieger Hoff, der vor dem 1000-m-Rennen mit einem Magen-Darm-Infekt zu kämpfen hatte: "Alles andere hätte zu viel Kraft gekostet."

Ein Erfolg mit Hindernissen also. Er habe viel Zeit "an anderen Orten" als auf dem Wasser verbracht, verriet Hoff schmunzelnd. Der 16 Jahre jüngere Schopf nahm direkt die Weltmeisterschaft Ende August im ungarischen Szeged ins Visier: "Dort gibt es die Quotenplätze für Olympia", sagte er. Sebastian Brendel sieht Minsk ebenfalls eher als Zwischenstation für den Saisonhöhepunkt in Ungarn. Der dreimalige Canadier-Olympiasieger gewann nach einer bisher enttäuschenden Saison bei sehr windigen Bedingungen die Bronzemedaille im Einer. Für den 31-Jährigen ist es wie für Hoff/Schopf auch eine EM-Medaille, da die Wettkämpfe zugleich Europameisterschafts-Status besitzen.

"Dann lief es ganz gut"

Pistolen-Schütze Geis ließ im Finale mit 33 Ringen die Franzosen Jean Quiquampoix und Clement Bessaguet hinter sich und ist damit Nachfolger von Olympiasieger Christian Reitz, der 2015 bei der Europaspiel-Premiere in Baku gewonnen hatte. "Ich habe im Finale etwas gebraucht, um reinzukommen. Dann lief es eigentlich ganz gut", sagte Geis: "Der Druck war schon relativ groß. Wir haben bisher ja nicht so viele Medaillen geholt. Ich bin jetzt überglücklich, dass ich die Medaille habe." Reitz musste sich nach Platz eins in der Qualifikation im Finale mit Rang fünf zufrieden geben.

Bolls Tischtennis-Kollegin Ying Han verlor das Einzel-Finale gegen die Portugiesin Yu Fu 2:4, hat dank der Silbermedaille aber ebenfalls das Olympia-Ticket in der Tasche. Über Edelmetall freute sich auch der Freistil-Ringer Ahmed Dudarov (bis 86 kg), der im Kampf um Platz drei den Türken Fatih Erdin besiegte. Die deutschen Boxer haben nach den Halbfinaleinzügen von Nelvie Tiafack (über 91 kg), Nadine Apetz (bis 69 kg) und Sharafa Raman  (bis 56 kg) außerdem schon drei Medaillen sicher. Für Weltmeisterin Ornella Wahner kam indes das frühe Aus.

Quelle: n-tv.de, jwu/sid

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