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Rote Karte und viel BlutBronze-Medaille sollte Wut des Ex-Bundestrainers lindern

01.02.2026, 16:58 Uhr
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Dagur Sigurdsson feierte gegen seine Landsleute seine zweite EM-Medaille. (Foto: IMAGO/Eibner)

Gegen die deutsche Mannschaft verpasst Kroatien den Einzug ins Endspiel der Handball-EM, doch auf die Enttäuschung folgt die Freude: Das Team des ehemaligen Bundestrainers Dagur Sigurdsson holt sich die Bronze-Medaille.

Kroatien holt sich bei der Handball-EM die Bronze-Medaille. In einem intensiven Duell besiegte der Vizeweltmeister im dänischen Herning Island mit 34:33 (17:14). Beide Teams hatten sich zuvor schon in der Hauptrunde gegenübergestanden, auch da hatten die Kroaten das bessere Ende für sich (30:29).

Kroatien, das im Halbfinale an der deutschen Mannschaft gescheitert war (28:31), übernahm sofort die Führung. In den Anfangsminuten, in denen beide Teams öfter Pfosten und Latte als ins Tor trafen, sorgte All-Star-Rechtsaußen Ivan Sostaric beim 5:2 für die erste Drei-Tore-Führung der Kroaten, wenige Minuten später stand es sogar 12:6.

Das mit zahlreichen Bundesliga-Stars gespickte Island kämpfte sich zurück, näher als zwei Tore kamen sie jedoch in der ersten Hälfte nicht mehr heran. Sowohl Kroatiens Tin Lucin als auch Islands Magdeburger Omar Ingi Magnusson trafen schon vor der Pause jeweils sechsmal.

Viele Zwangspausen verhängt

Auch die zweite Hälfte begann mit zwei Pfostentreffern, ehe Island das Toreschießen eröffnete. Zu einer Aufholjagd kam es aber vorerst nicht. Stattdessen sorgte Viggo Kristjansson für einen negativen Höhepunkt: Der Profi vom HC Erlangen erwischte Kroatiens Ivan Martinovic bei einer Abwehraktion völlig unnötig voll mit der Hand im Gesicht. Nach Ansicht der Videobilder zeigten die Schiedsrichter ihm die Rote Karte.

Auch in der Folge gab es zu zahlreichen Ruppigkeiten, immer wieder musste eines der Teams in Unterzahl agieren. Am Ende hatten die Unparteiischen zwölf Zeitstrafen verhängt. Kroatiens David Mandic musste nach einem unbeabsichtigten Zusammenprall mit einer heftig blutenden Gesichtswunde in die Kabine, Islands Omar Ingi Magnusson erzielte zehn seiner zwölf Tore durch Siebenmeter.

Beim 29:23 in der 51. Minute war Kroatien erstmals wieder auf sechs Tore, doch dann wurde es doch noch dramatisch: Eine Minute vor dem Ende hatte sich Island in Unterzahl auf einen Treffer herangekämpft, ehe Rechtsaußen Filip Glavas das Spiel mit dem 34:32 entschied. Für Kroatien war Tin Lucin mit neun treffern der erfolgreichste Schütze.

"Island hat ein großartiges Spiel gemacht und ein wirklich gutes Ergebnis im Turnier erzielt", sagte Sigurdsson. "Wir waren nach der Niederlage im Halbfinale enttäuscht – wir haben ein großartiges Spiel gemacht. Die Spieler haben sich für diese Medaille aufgeopfert. Wir sind sehr glücklich, aber wir haben auch großen Respekt vor dem Kampf Islands."

Sigurdsson darf damit nach genau zehn Jahren die zweite EM-Medaille bejubeln: 2016 hatte er die deutsche Mannschaft in Polen sensationell zum Titel geführt. Im selben Jahr holte das DHB-Team unter dem ehemaligen Bundesligaspieler in Rio de Janeiro Bronze bei den Olympischen Spielen.

Island hatte im Halbfinale Gastgeber und Topfavorit Dänemark in einem harten Duell bis ans Limit getrieben, letztlich verloren die Nordmänner nur knapp (28:31).

Duell der Überstrapazierten

Beide Teams mussten am Tag vor ihrem jeweiligen Halbfinale eine strapaziöse Anreise aus ihrem schwedischen Hauptrundenspielort Malmö nach Herning bewältigen. Kroatiens Trainer Sigurdsson hatte in einer bemerkenswerten Wutrede gegen die EHF scharf angeprangert, dass sein Team am Ruhetag vor dem Halbfinale eine viereinhalbstündige Busfahrt absolvieren musste, während Gegner Deutschland den Tag zur Regeneration und Vorbereitung nutzen konnte. Auch dass die Teams aus Hauptrundengruppe 2 zuvor zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden bestreiten mussten, hatte Sigurdsson aufgeregt.

Es sei "absolut schockierend", durch welche Strapazen sein Team und er gejagt würden. "Jeder, der irgendetwas von Sport versteht, weiß, dass zwei Tage weniger Pause in einem Zeitraum von zwölf Tagen mit sieben Spielen verdammt viel sind. Verdammt viel", zürnte Sigurdsson und bezeichnete die EHF als "Fast-Food-Firma", die sich nicht um die Qualität der Spiele schere.

Die EHF hat als Reaktion auf die Kritik, die auch unter den anderen Nationen große Zustimmung gefunden hat, inzwischen eine Anpassung der Zeitpläne künftiger Turniere angekündigt.

Quelle: ntv.de, ter

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