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Ärger um Handball-TopstarBundesliga erlebt unschönen Scheidungs-Krieg

26.03.2026, 11:12 Uhr
imageVon Till Erdenberger
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Simon Pytlick wechselt nach Berlin - aber wann? (Foto: Axel Heimken/dpa)

Simon Pytlick ist einer der besten Handballer der Welt. Der Rückraumstar schießt die dänische Nationalmannschaft von Titel zu Titel. Doch auf Vereinsebene knirscht es für Pytlick: Er will schnell weg.

Die Füchse Berlin sorgen sich um einen Handball-Profi: "Simon ist nicht happy", sagte Mathias Gidsel, der beste Spieler der Welt und Topstar des deutschen Meisters jüngst gegenüber handball-world.com. Kurios: "Simon" spielt gar nicht in seinem Verein. Und doch ist er ein großes Thema bei den Berlinern. Denn "Simon" ist Simon Pytlick, einer der torgefährlichsten Spieler überhaupt und ab spätestens 2027 Teil des spektakulärsten Rückraums, den die Handballwelt je gesehen hat.

Pytlick hat einen Vertrag unterschrieben, der ihn ab 2027 an die Berliner bindet, dort wird er neben Kumpel Gidsel und dem französischen Topstar Dika Mem wirbeln. Bis dahin wird er - so ist die vertragliche Situation - für die SG Flensburg-Handewitt spielen. Doch dass es wirklich so kommt, erscheint immer fraglicher: Um den dänischen Olympiasieger, Welt- und Europameister entspinnt sich ein für die Handball-Bundesliga untypischer Scheidungskrieg - und Simon ist nicht happy.

Rückblick: Im April 2025 verkündet die SG Flensburg-Handewitt einen Coup, Weltklassespieler Pytlick, schon damals bei diversen Topteams auf dem Zettel, verlängert seinen Vertrag an der Förde langfristig. Begeisterung allerorts. Doch ein gutes halbes Jahr später kommt die emotional ganz kalte Dusche: Die Füchse Berlin verkünden, was sich zuvor schon angedeutet hatte: Pytlick wird ab 2027 - dank einer aktivierten Ausstiegsklausel - in der Hauptstadt auf Torejagd gehen.

Diesmal wird es schmutzig

In Flensburg, wo Handball emotionaler gelebt wird als an vielen anderen Standorten, senkten sie sofort den Daumen in Richtung ihres gefallenen Lieblings: Pytlick wurde auf Spruchbändern kritisiert ("Niemand ist größer als der Verein"), im Netz wurde reflexartig gewütet, vielfach wurde dem Weltklassespieler die charakterliche Zuverlässigkeit abgesprochen - und dann schoss er wenige Tage nach Verkündung des Abschieds in weiter Ferne seinen neuen Klub mit elf Treffern aus der heimischen Campushalle. Das wilde 40:39 war ein emotionaler Triumphzug für den Klub und Pytlick hatte ihn angeführt. Befriedet hat es die Situation kaum. Im Gegenteil.

Dass in der Handball-Bundesliga Wechsel weit im Voraus eingetütet und verkündet werden, ist die Regel, hohe Ablösen, die Transfers vorzeitig ermöglichen, sind die Ausnahme. Dass Vize-Europameister Julian Köster diesen Sommer nach Kiel wechseln wird, ist seit April vergangenen Jahres klar. Dass Flensburg DHB-Kapitän Johannes Golla nach der Saison nach Melsungen ziehen lassen muss, weiß man noch länger. Probleme macht das nicht. Es gibt höchstens beidseitigen Abschiedsschmerz. Es sind positive Gefühle rund um einen sauberen Abgang.

"Es ist viel passiert"

Doch diesmal wird es ungewohnt schmutzig: Simon ist nicht happy - und will sofort weg. Das hatte der 25-Jährige schon früh klargemacht. "Wir sind uns auf beiden Seiten einig, dass alle Beteiligten - nachdem Simon diese Entscheidung getroffen hat - einen möglichst schnellen Transfer anstreben. Es ist klar: Sollte sich die Gelegenheit ergeben, Simon schon in diesem Sommer zu verpflichten, werden wir und Simon selbstverständlich alles dafür tun", sagte Füchse-Trainer Nicolej Krickau im Dezember bei "TV2". Für den Wechsel 2027 werden über 700.000 Euro Ablöse fällig. Im Handball ist das eine horrende Summe. Für einen vorzeitigen Transfer wollen die Füchse noch was drauflegen, die in dänischen Medien kursierenden Zahlen - zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro - dementierten alle Beteiligten als völlig überzogen. "Es wäre finanziell Idiotie für eine Saison", sagte Krickau.

Doch jüngst legte Pytlick, der sich zuletzt in der Heimat bei der Nationalmannschaft befand, ein neues Feuer: "Es ist viel passiert, und das Vertrauen hat einen Knacks bekommen", ließ der Spieler seine Vereinsführung südlich der Grenze über TV2 wissen. Der Ärger resultierte - so verkündete der Sender - schon aus dem Dezember 2024. Damals habe sich Pytlick überreden lassen, eine Ausstiegsklausel für den Sommer 2026 aus seinem Vertrag streichen zu lassen. Pytlicks Einwilligung sei aus der Überzeugung heraus zustande gekommen, gemeinsam mit dem damaligen Flensburger Cheftrainer Nicolej Krickau etwas Großes aufbauen zu können.

Doch wenige Monate später wurde Krickau überraschend entlassen - und der Spieler fühlte sich düpiert. "Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber ich kann bestätigen, dass der Hergang der Ereignisse so ist, wie beschrieben", sagte Pytlick TV2. Dass er später trotzdem seinen Vertrag langfristig verlängerte, erklärte Pytlick mit dem Willen um Ruhe. Bei seinem Ärger mit seinem Klub gehe es "um viele Dinge, auf die ich im Moment nicht näher eingehen möchte."

"Simon tut mir in erster Linie leid"

In Flensburg werden die Einlassungen des Topstars als "vereinsschädigend" kommentiert, die Klubführung um Ex-Nationalspieler Holger Glandorf wird Pytlick zum Gespräch bitten. Unter den aktuellen Verhältnissen ist es kaum vorstellbar, dass der Däne sein Team nach einem holprigen Saisonendspurt, der jüngst mit der dritten Nordderby-Pleite gegen den ungeliebten THW Kiel in Serie denkbar mies eingeleitet wurde, auch in die neue Runde begleitet. Der Klub wiederum kann es sich nicht leisten, einen Topverdiener zu beschäftigen, der sein Glück woanders und zuhause nur Baustellen sieht.

"Es ist natürlich möglich, die Bedingungen rückwirkend zu diskutieren und neu zu verhandeln; wenn jedoch kein beiderseitiger Kompromiss erzielt werden kann, bleibt das Vereinbarte bestehen", sagte SG-Boss Glandorf noch. "Wir werden versuchen, dies intern zu besprechen und die Probleme gemeinsam zu lösen."

In Berlin, wo sie nach dem Abgang von Pytlicks Landsmann Lasse Andersson im Sommer im linken Rückraum - eben auf der Position der beiden Dänen - dringenden Handlungsdruck haben, beobachten sie den Ärger an der Förde noch gelassen. "Simon Pytlick tut mir in erster Linie leid", sagte Krickau. Verhandlungen gebe es derzeit nicht, ein sehr hohes Angebot für den schnellen Wechsel sei hinterlegt. Nun schauen sie zu, wie sich die Dinge entwickeln. So oder so: Es bleibt unsauber.

Quelle: ntv.de

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