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Kurz vor Transferschluss Bundesligisten in Hektik

Bayer Leverkusen angelte sich Fußball-Juwel Toni Kroos auf Leihbasis von Bayern München - und auch sonst herrschte vor Ende der Winter-Transferzeit am Montag (12Uhr) bei etlichen Fußball-Bundesligisten hektische Betriebsamkeit.

Allen voran beim Hamburger SV, der bereits mit dem Franzosen Mickael Tavares (Slavia Prag) und dem Venezolaner Tomas Rincon (Deportivo Tachira) handelseinig ist. Außerdem sind auch Szabolcs Huszti (Hannover 96) und Alexander Madlung (VfL Wolfsburg) sowie Torwart Khalid Sinouh (KRC Waawlijk) bei den Hamburgern im Gespräch.

Durch den 20-Millionen-Euro-Transfer von Nigel de Jong (Manchester City) verfügen die Hanseaten über die finanziellen Mittel. Dafür steht der einst 7,5 Millionen Euro teure Transferflop Thiago Neves vor einem Wechsel vom HSV zu Al-Hilal nach Saudi-Arabien - für sieben Millionen Euro, wobei der Brasilianer bis zum Sommer bei Fluminense Rio de Janeiro "geparkt" werden soll.

Leverkusen sorgt für die Überraschung

Für die Transfer-Überraschung sorgte jedoch Bayer mit der Verpflichtung des 19 Jahre alten Ausnahmetalentes Kroos, bester Spieler der U17-WM 2007. "Es gab kaum einen Verein, der Toni nicht gerne gehabt hätte. Aber er wollte zu uns", sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler: "Ich habe so einen kleinen Moment gedacht, wieso denn gerade zu uns? Aber wir sind ja nicht mehr auf dem Sklavenmarkt."

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ergänzte als Premiere-Experte: "Ich finde es vernünftig, dass ein Wechsel stattfindet, denn Toni ist wirklich ein außergewöhnlicher Spieler. Wichtig ist zudem, dem Motiv zu folgen, dass ein junger Spieler viel spielen muss. Der Wechsel ist eine Chance, aber auch ein gewisses Risiko. Toni muss die Ärmel hochkrempeln und sich durchsetzen wollen."

Schließlich ist die Konkurrenz für den Teenager, der zurzeit an einer Sprunggelenkverletzung laboriert, bei Bayer auch nicht von Pappe. Er muss sich gegen das funktionierende Vierer-Mittelfeld mit Renato Augusto (Brasilien), Tranquillo Barnetta (Schweiz), Arturo Vidal (Chile) und dem deutschen Nationalspieler Simon Rolfes behaupten.

"Sicher ist Leverkusen gerade auch im Mittelfeld sehr gut besetzt, aber ich denke, dass die Chancen, dort zum Einsatz zu kommen, trotzdem größer sind. Im System von Bayer gibt es drei Positionen, die er spielen kann. Da sind die Chancen besser als in München, wo er letztlich nur auf einer Position eingesetzt wurde, um die sich dann auch noch vier, fünf Mann stritten", sagte Vater und Berater Roland Kroos dem Internetportal Spox.com.

Gerland kritisiert Kroos

Dagegen übte Hermann Gerland, der Coach der Reservemannschaft der Bayern, Kritik am Junioren-Nationalspieler. "Kroos hat unglaubliche fußballerische Qualitäten. Aber er muss sie mit Leistungsbereitschaft paaren. Das hat er viel zu wenig gemacht. Er hat in jedem Spiel Aktionen, wo man mit der Zunge schnalzt. Dann verliert er den Ball, läuft weiter und fehlt hinten. Das geht heutzutage nicht mehr, da muss er in Leverkusen dran arbeiten. Dort muss er zeigen, dass er einer ist, der es packen kann und will", sagte der Ex-Profi der Tageszeitung Die Welt (Montagausgabe). Außerdem habe sich Kroos zuletzt geweigert, in der 3. Liga Spielpraxis zu sammeln.

In der Bundesliga-Hinrunde hatte der gebürtige Greifswalder Toni Kroos nur sieben Spiele für die Münchner bestritten, davon fünf als Einwechselspieler. In der Saison 2007/08 war der frühere Rostocker für die Münchner zwölfmal in der Bundesliga und sechsmal im UEFA-Cup zum Einsatz gekommen. Dabei war ihm auch ein Tor geglückt.

Die Leverkusener haben zudem nochmals den Versuch gestartet, den Schweizer Nationalstürmer Eren Derdiyok (FC Basel) sofort loszueisen. Als sicher gilt der Transfer des Angreifers zur neuen Saison unter's Bayer-Kreuz.

Quelle: n-tv.de, Von Ralph Durry, sid

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