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Wer soll das alles fahren? Corona-Kalender sorgt für unlösbare Aufgabe

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2019 kämpfte Julian Alaphilippe bei der Tour de France lange ums Gelbe Trikot. Nun freut er sich trotz des Irrsins-Kalenders.

(Foto: REUTERS)

Der Radsport-Weltverband setzt die verschobenen Rennen neu an. Mit absurden Folgen: Denn nach der Tour de France platzt der Kalender aus allen Nähten, trotzdem freuen sich die Fahrer. Für die Teams bedeutet das allerdings eine unlösbar scheinende Aufgabe.

Tour-Start Ende August trotz Veranstaltungsverbot, Terminkollisionen en masse: Der wegen der Pandemie angepasste Radsport-Kalender des Weltverbandes UCI platzt aus allen Nähten - und steht aufgrund der unvorhersehbaren Corona-Entwicklung ohnehin auf extrem wackligen Füßen. Geht es nach der UCI, soll die Tour de France am 29. August in Nizza beginnen und am 20. September traditionell in Paris enden. Obwohl Frankreich bis mindestens September keine Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern erlaubt.

Dies würde zumindest Auswirkungen auf den Start des wichtigsten Radrennens der Welt haben, dessen Austragung für den Profi-Radsport überlebenswichtig ist. Auch eine Tour ohne Zuschauer wäre angesichts der beteiligten Personen bei der mit einem wahnwitzigen Organisationsaufwand verbundenen Riesenveranstaltung wohl von dem Verbot betroffen. Zudem ist der mächtige Tour-Boss Christian Prudhomme klarer Gegner einer Geistertour. Abgesehen von der Großen Schleife kommt es für die World-Tour-Teams knüppeldick, der zu stemmende organisatorische Aufwand ist immens.

"Wir haben jetzt Ziele"

Die Entscheidung darüber, welcher Fahrer an welcher Landesrundfahrt und welchen Klassikern teilnehmen soll, dürfte für die Verantwortlichen so schwierig wie noch nie werden. Besonders im Oktober bekommen die Fahrer und ihre Mannschaften die geballten Terminprobleme zu spüren, denn: Wer den Giro d'Italia fährt, verpasst gleich drei nachgeholte Frühjahrsklassiker und zudem die teilweise parallel stattfindende Vuelta in Spanien. Der französische Topfahrer Julian Alaphilippe freut sich trotzdem: "Etwas Offizielles zu haben, ist in diesen schweren Zeiten eine große Erleichterung. Wir haben jetzt einige echte Ziele, Rennen, von denen wir wissen, dass sie im August, September und Oktober stattfinden werden. Das motiviert uns noch mehr."

Der Giro, die zweite große Landesrundfahrt, soll verkürzt vom 3. bis 25. Oktober stattfinden. Trotz der Verkürzung kollidiert der Giro dann mit der Vuelta, die am 20. Oktober beginnen und am 8. November enden soll. Zudem sind während des Giro in Lüttich-Bastogne-Lüttich (4. Oktober), der Flandern-Rundfahrt (14. Oktober) und Paris-Roubaix (25. Oktober), das parallel zum Giro-Finale angesetzt ist, gleich drei "Monumente des Radsports" geplant.

Rundfahrt neben Rundfahrt

Das Criterium du Dauphine (12. bis 16. August), traditioneller Tour-Härtetest, wird um drei Etappen auf fünf Etappen verkürzt. Dabei sollen Großstädte vermieden und stattdessen kleine Gemeinden angefahren werden. Mailand-Sanremo ist am 8. August geplant, die Lombardei-Rundfahrt läuft während der Vuelta am 31. Oktober. Der Kalender wird schlicht und ergreifend schwer zu halten sein. Die UCI hat generös das Wochenende 22./23. August - also kurz vor dem geplanten Tour-Start - für nationale Meisterschaften spendiert.

Dies hätte ohnehin der für den 20. bis 23. August geplanten Deutschland-Tour den Stecker gezogen, doch selbst dies ist mittlerweile hinfällig: In Deutschland wie auch in Belgien sind sportliche Großveranstaltungen bis zum 31. August abgesagt. Die am 16. August geplanten aber wegen der Pandemie bereits verschobenen Hamburg Cyclassics sind ebenso wie der abgesagte deutsche Klassiker Eschborn-Frankfurt noch nicht vom Weltverband terminiert.

Die UCI hatte ihren Rennkalender zusammenstreichen müssen und alle Rennen bis zum 1. August zunächst abgesagt - nun sollen die Rennräder an genau jenem ersten August wieder rollen. Startschuss ist dann das Eintagesrennen Strade Bianche in Italien.

Quelle: ntv.de, Lars Weiske, sid