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So läuft das Gruppensieg-Finale DFB-Elf kämpft noch um Millionen-Prämie

Liebesentzug der Fans? Nun, der Frankfurter vielleicht. Aber doch nicht generell. Toni Kroos, Führungsspieler der deutschen Nationalmannschaft, hält die Debatte für zu groß. Außerdem liefere das Team gute Gründe für einen Stadionbesuch.

Worum geht's?

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr letztes Länderspiel des Jahres gegen Nordirland bestreitet (ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de), dann geht es an diesem Dienstag nur noch um Platz eins in ihrer Qualifikationsgruppe C. Die Teilnahme an der Europameisterschaft 2020 ist ihr seit Samstag sicher. Es geht also ums Prestige, erst recht, wenn es in dem Fernduell gegen die Niederländer geht. Weil die in Nordirland nur 0:0 spielten, führt die DFB-Elf nach dem guten, aber nicht berauschenden 4:0 (1:0) gegen Weißrussland die Tabelle an. Und damit das so bleibt, schlagen Bundestrainer Joachim Löw und Toni Kroos vor, am besten das Spiel heute Abend zu gewinnen.

Aber lohnt es sich überhaupt, Gruppenerster zu werden? So könnte es sein, dass der Tabellenzweite bei der Zeremonie der Uefa am 30. November in Bukarest vermeintlich leichtere Vorrundengegner zugelost bekommt. Führt das nicht zu taktischen Überlegungen? DFB-Manager Oliver Bierhoff sagte in der ARD: "Man kann es drehen und wenden wie man will. Man kann auch sagen, wenn man einen starken Gegner in der Vorrunde hat, den trifft man dann erst später wieder, vielleicht im Finale. Insofern bin ich kein Freund vom Ausrechnen. Das kommt immer schlecht zurück." Zumal der Verband für einen Anreiz sorgt: Zwei Millionen Euro hat das Team sicher. Wird es Platz eins, erhöht sich die Prämie auf drei Millionen Euro. Wie das Geld verteilt wird, sollen die Spieler aushandeln.

Wie ist die Ausgangslage?

Das Gute ist, dass die deutschen Spieler nicht mehr rechnen müssen. Die Gleichung ist simpel: Sieg = Erster. Bei zwei Punkten Vorsprung auf die Niederlande könnte gar ein Remis reichen. Wenn ..., ach, besser einfach gewinnen. Nicht nur fürs Tableau wäre das gut, sondern auch atmosphärisch. Da vor der EM nur noch vier Spiele anstehen, wäre so ein Sieg, ein überzeugender obendrein, sehr gut fürs Gefühl. Für das des Bundestrainers und der Spieler - und auch für das der Fans. Die maue Stimmung bei den Heimspielen ist ein großes Thema.

Toni Kroos beurteilt die Situation allerdings nicht als so dramatisch. Er nehme einen "Liebesentzug" der Anhänger "gar nicht so extrem wahr." Außerdem "sind wir auf dem Weg, Gründe zu liefern, warum man ins Stadion geht". Den Grund für die Unzufriedenheit der Fans vermutet er im WM-Debakel von Russland. "Man muss sich als Mannschaft zurückkämpfen, da sind wir mitten drin. Am Ende des Tages muss jeder selbst entscheiden, ob er ins Stadion geht, aber ich denke nicht, dass unsere Leistungen dagegen sprechen." Nun, die Leistungen vielleicht nicht. Der Habitus des DFB dagegen offenbar umso mehr (siehe unten).

Wie ist die deutsche Mannschaft drauf?

Waldschmidt wird erfolgreich operiert

Nach seiner schweren Verletzung im Länderspiel gegen Weißrussland (4:0) ist Luca Waldschmidt in der Freiburger Uniklinik erfolgreich im Gesicht operiert worden. Der Angreifer des SC Freiburg hatte sich bei einem Zusammenprall mit Gäste-Torwart Alexander Gutor eine Mittelgesichtsfraktur und eine Gehirnerschütterung zugezogen. Im Laufe der Woche sind weitere Untersuchungen am rechten Knie und Sprunggelenk vorgesehen. Die Ausfallzeit ist noch unklar. "Das ist bitter für ihn, aber auch für uns", sagte Bundestrainer Joachim Löw: "Im Training hat er während der gesamten Woche einen sehr guten Eindruck gemacht. Er hat Qualität, der Abschluss ist seine große Stärke."

Gut, sagt der Trainer. Er wolle ihr ein "Kompliment" machen. Für ihren Willen, für ihren Ehrgeiz, für ihre positive Energie auf und neben dem Platz. "Wir müssen allerdings noch einige Schritte machen, die Mannschaft hat aber viel Potenzial und Qualität." Sie sei, sagte Löw, erst am Anfang ihrer Entwicklung. Man kennt das mittlerweile, nach dem ersten kompletten Jahr des DFB-Umbruchs. Doch weil der Umbruch fortschreitet, fortschreiten muss, ist das neue Stichwort Konstanz: in den internen Abläufen, im Umschaltspiel, beim Ballbesitz, in der Defensive und besonders in der Konterabsicherung. Die funktionierte in der zweiten Halbzeit gegen die Weißrussen nicht so gut, sodass sie überraschend oft vor Manuel Neuer und dem deutschen Tor auftauchten.

Das wird gegen Nordirland wie angekündigt von Marc-André ter Stegen bewacht. Außerdem rückt Jonas Hector vom 1. FC Köln ins Team. Auf der linken Abwehrseite ersetzt er den Dortmunder Nico Schulz, gegen Weißrussland der schwächsten Spieler seines Teams. In der Innenverteidigung könnte es zu einem historischen Wechsel kommen. Niklas Stark steht vor seinem Debüt. Neun Länderspiele sind vergangen, seit der Berliner erstmals nominiert wurde. Kein anderer Spieler hat je bei Löw so lange auf den ersten Einsatz warten müssen, obwohl er stets im Kader stand. Allerdings verhinderten bisweilen kuriose Umstände seinen Einsatz, unter anderem eine Tischkanten-Verletzung. Nun sieht es so aus, dass nur Starks unzureichende Belastbarkeit beim Kopfball sein Debüt noch verhindern kann. Denn das mit dem Kopfball, sagte Löw, werde gegen die körperlich starken Nordiren sicher ein Thema - und Stark leidet noch an den Nachwirkungen eines Nasenbeinbruchs. Fit ist dafür der Leverkusener Jonathan Tah. Ein Mann mit einem guten Kopfballspiel, körperlich ebenfalls robust.

Was dagegen schon klar ist: Im Mittelfeld sollen erneut Kroos, Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan auflaufen. Ein gleichermaßen kreatives, wie ballsicheres Mittelfeld. Aber auch eines, das eher für Ballbesitz, als für Umschaltmomente steht. Tatsächlich ist das ja eine sehr interessante Frage, die auch das Große und Ganze umfasst: Wofür steht diese neue, junge Mannschaft eigentlich?

Und was machen die Nordiren so?

So könnten sie spielen

Deutschland: Ter Stegen/FC Barcelona (27 Jahre/23 Länderspiele) - Klostermann/RB Leipzig (23/7), Ginter/Borussia Mönchengladbach (25/29), Tah/Bayer Leverkusen (23/8), Hector/1. FC Köln (29/42) - Kimmich/Bayern München (24/47) - Kroos/Real Madrid (29/95), Gündogan/Manchester City (29/36) - Brandt/Borussia Dortmund (23/30), Gnabry/Bayern München (24/12), Werner/RB Leipzig (23/29). - Trainer: Löw
Nordirland: Peacock-Farrell/FC Burnley (23/13) - Corry Evans/Blackburn Rovers (29/58), Cathcart/FC Watford (30/49), Jonny Evans/Leicester City (31/84), Lewis/Norwich City (21/12) - McNair/FC Middlesbrough (24/33), Davis/Glasgow Rangers (34/116), Saville/FC Middlesbrough (26/20) - Whyte/Cardiff City (23/9), Magennis/Bolton Wanderers (29/49), Dallas/Leeds United (28/44). - Teammanager: O'Neill
Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)

Sie sind vermutlich traurig, dass sie sich nicht mehr auf direktem Weg für die Europameisterschaft qualifizieren können. Vielleicht hadern sie auch ein wenig, dass Kapitän Steven Davis gegen die Niederlande am vergangenen Samstag nach einer guten halben Stunde einen Handelfmeter über das Tor schoss und damit einen Showdown am letzten Gruppenspieltag verhinderte. Immerhin aber geht es auf jeden Fall im März kommenden Jahres im Pool B der Play-offs noch um die zweite EM-Teilnahme nacheinander. Für das Spiel gegen Deutschland erwartet Coach Michael O'Neill nun von seiner Mannschaft eine ähnliche Leistung wie gegen Oranje. Auch, wenn es um nichts mehr geht.

Im Deutschen ist in diesem Fall von einem "Spiel um die Goldene Ananas" die Rede, im Englischen heißt es: "dead rubber game". Genau davon will der Trainer nichts wissen, wie wir der Zeitung "The Telegraph" entnehmen: "Wir sind bereit für alles, was auf uns zukommt." Nicht schlecht fände er es, wenn nicht nur Neuer pausieren würde, sondern am besten auch ein gewisser "Tony Kruis". Und Serge Gnabry am besten auch. In jeden Fall aber gelte: "Wir werden auf einen sehr starken Gegner treffen." Dieser O'Neill ist ein viel beschäftigter Mann. Vor zehn Tagen hat er einen Vertrag beim englischen Zweitligisten Stoke City unterschrieben. Mit ihm gewann der Tabellenletzte der Championship prompt mit 4:2 beim FC Barnsley, der nun letzter ist. Mit den Nordiren hat O'Neill übrigens vereinbart, dass er sie parallel auch bei den Play-offs im März betreut.

Und, wird's endlich mal wieder voll im Stadion?

Laute Freude bei den vier Toren gegen Weißrussland. Laute Pfiffe beim weißrussischen Elfmeter. Und laute Freude, als Manuel Neuer den Strafstoß parierte. Das Stimmungsprotokoll des vorletzten EM-Qualifikationsspiels am Samstag in Mönchengladbach ist recht kurz. Als Fußnote müssen wir aber erwähnen, dass das träge Kollektiv von den "Yetis Stockach" aufgemischt wurde. Der Fanklub der Nationalmannschaft hatte die Band vom Bodensee eingeladen und die sollte auf der Tribüne für Party-Stimmung sorgen, ganz nach niederländischem Vorbild. Was dort funktioniert, kann in Deutschland nicht schaden. Das gilt ja auch für den Fußball. Den "ordentlichen Rabatz", den die Musiker machten, nahm Joshua Kimmich positiv zur Kenntnis. Julian Brandt sagte: "Die Jungs dürfen wiederkommen."

Ob das schon in Frankfurt der Fall ist, wissen wir nicht. Aber offenbar ist der Standort ohnehin einer, den die Nationalmannschaft künftig meiden kann. Zumindest, wenn es ihnen darum geht, Zuschauer anzuziehen. Denn die durchaus sehr begeisterungsfähigen Eintracht-Anhänger haben nach Angaben ihres Fanklubverbandes kaum Interesse am Länderspiel. "Der eine oder andere wird da vielleicht hinlaufen. Aber der Großteil von denen, die ich kenne, geht nicht hin. Der DFB ist so unbeliebt wie sonst was, das geht auch auf die Nationalelf über", sagte die Vorsitzende Ina Kobuschinski. "Der DFB hat sich so weit von der Fan-Szene entfernt, das ist unglaublich." Die Preise - bei Eintrittskarten und auch bei den neuen Trikots - seien "völlig überzogen". Die aktive Szene habe "keinen Bock" mehr auf die Nationalmannschaft und auch auf die Merchandising-Aktionen wie die Marke "Die Mannschaft".

Quelle: n-tv.de