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"Es tut einfach weh" DHB-Kapitän kann Sehnsucht nicht stillen

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Seine Trefferquote stimmte am Ende, doch die EM lief für Uwe Gensheimer alles andere als optimal.

(Foto: imago images/Agentur 54 Grad)

Uwe, der Unvollendete: So oder so ähnlich könnte eine Dokumentation über die Nationalmannschaftskarriere von Uwe Gensheimer betitelt werden. Der Kapitän der deutschen Handballer gewinnt auch bei der diesjährigen EM keine Medaille. "Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief", sagt er.

Als alles vorbei war, ging Uwe Gensheimer voran. Der Kapitän und seine Mannschaft waren gerade auf dramatischste Weise vom Himmel in die Handball-Hölle gestürzt, da drückte er seinen Teamkollegen Jannik Kohlbacher an sich und spendete Trost. "Es war eine Situation am Ende. Er denkt wahrscheinlich, das hat das Spiel entschieden, aber da waren natürlich noch viele, viele andere Situationen dabei", sagte Gensheimer über jenen folgenschweren Fehlwurf Kohlbachers, der die 24:25-Niederlage im Handball-Drama gegen Kroatien in den Schlusssekunden noch hätte abwenden können.

Für Gensheimer platzte durch den Last-Minute-K.-o. nicht bloß der Traum vom Halbfinale, seine Sehnsucht nach einem Titel mit der Nationalmannschaft erfüllte sich wieder nicht. "Es tut einfach weh, der Stachel der Enttäuschung sitzt tief", sagte Gensheimer. Der Linksaußen hatte gegen die Kroaten ein starkes Spiel gemacht, er hatte alle seine vier Würfe versenkt - doch auch er konnte das Ruder nicht rumreißen, als in der Schlussphase beim DHB-Team nichts mehr ging.

Es sei "kein Geheimnis", hatte Gensheimer unmittelbar vor der EM gesagt, "dass ich gern mehr erreicht hätte". Er sei "im Herbst meiner Karriere, und irgendwann ist die zu Ende". Sein großes Ziel "bleibt ein Titel mit der Nationalmannschaft", aber seit Samstagabend ist klar: Auch sein sechstes Turnier als Anführer des DHB-Teams wird ohne Titel enden. Furchtbar viele Möglichkeiten, das wusste Gensheimer nach dem Kroatien-Tiefschlag, wird es nicht mehr geben. Der Linksaußen ist inzwischen 33 Jahre alt, Gensheimer droht als Uwe, der Unvollendete, abzutreten.

Für Gensheimer, den so begnadeten Linksaußen, den Spieler mit dem genialen Handgelenk, der in 182 Länderspielen 864 Treffer erzielte, verlief die EM immer wieder unglücklich. Nach einem verkorksten Start mit der Roten Karte nach nur einer Viertelstunde gegen die Niederlande schmorte er gegen Spanien nach einer blassen ersten Hälfte die komplette zweite Halbzeit auf der Bank.

Jetzt geht es nur noch um vernünftigen Turnierabschluss

Es spricht für Gensheimer, dass er sich vom Stotterstart in das Turnier mit vier verworfenen Siebenmetern nicht beirren ließ. Der Linksaußen parierte die bohrenden Fragen geduldig und ließ drei konzentrierte Auftritte mit starker Wurfquote (11 von 13) folgen - ein echtes Gensheimer-Spiel, wie er es regelmäßig in der Bundesliga für die Rhein-Neckar Löwen abliefert, war aber nicht dabei. Aus irgendeinem Grund fehlt Gensheimer in der Nationalmannschaft häufig die Leichtigkeit.

Statt in Stockholm um die Medaillen zu kämpfen, geht es für Gensheimer und sein Team in den verbleibenden Spielen nur noch darum, einen vernünftigen Turnierabschluss hinzulegen. Doch daran mochte der Kapitän am späten Samstagabend nicht denken: "Momentan ist das noch schwer vorstellbar."

Quelle: ntv.de, Christoph Stukenbrock und Irina Gnep, sid