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Corona-Isolierte vor Rückkehr DHB-Team steckt in fast aussichtslosem Kampf

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Der Wille ist unverkennbar.

(Foto: imago images/Kolektiff)

Nach der zweiten Niederlage in der Hauptrunde rückt das EM-Aus für die deutschen Handballer näher. Gegen Norwegen stimmt es zwar kämpferisch, der Gegner aber ist erneut eine Nummer zu groß. Das zeigen schon die Namen derer, die auflaufen. Trotzdem setzt Torhüter Bitter ein klares Ziel.

Auf der einen Seite stand der THW Kiel, auf der anderen der Bergische HC. Deshalb war die Favoritenrolle klar verteilt. Mit viel Kampf und Leidenschaft wehrte sich der Außenseiter, doch früh wurde klar, dass er chancenlos bleiben würde. Bei der Handball-Europameisterschaft in der Slowakei und Ungarn treffen Nationalverbände aufeinander, keine Klubmannschaften - aber die Heimatvereine der teilnehmenden Spieler verraten oft viel über deren Qualität.

Bei der Niederlage der deutschen Handballer gegen Norwegen spielten auf der einen Seite die Kieler Sander Sagosen und Harald Reinkind im Rückraum, auf der anderen Seite mühten sich David Schmidt und Lukas Stutzke vom BHC. Die Topleute des Rekordmeisters waren besser, Norwegen siegte in der Hauptrunde 28:23 und zeigte der wild durcheinandergewürfelten Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) deutlich, dass der Weg zu einer Topmannschaft beschwerlich sein wird.

"Wir müssen anerkennen, dass wir jetzt Spieler im Kader haben, die nicht den Anspruch haben, zur Weltspitze zu gehören", sagte Axel Kromer und machte damit deutlich, wie schwer die Einordnung der Niederlagen gegen die Skandinavier und die am Tag zuvor gegen Europameister Spanien (23:29) fallen. Der DHB-Sportvorstand verwies auf die Flut von Nachnominierungen nach dem heftigen Corona-Ausbruch innerhalb des deutschen Teams. Gegen die Schwergewichte des europäischen Handballs standen lediglich sieben Akteure im Kader, die ursprünglich für die EM nominiert worden waren. Neun Nachrücker mühten sich gemeinsam mit den sieben Verbliebenen ab, erreichten aber nicht das notwendige Niveau, um gegen die Topteams siegfähig zu sein.

"Lehrgeld ist unvermeidlich"

Die 60 Minuten gegen die Norweger wurden mit zunehmender Spielzeit ein ungleicher Kampf. Im Handball gibt es Rückraumspieler, Außen, Torhüter und Kreisläufer - elementar über Sieg und Niederlage sind dabei die Akteure im Rückraum, weil sie das Spiel im Angriff gestalten. In diesem Mannschaftsteil fehlte es den Deutschen in erster Linie an Breite, aber auch an Qualität. Gegen die massive Deckung der Skandinavier fanden die Deutschen kaum ein Durchkommen, als Bundestrainer Alfred Gislason gezwungen war, zu wechseln. Letztlich wirkten die Deutschen wie Mittelgewichtsboxer, die sich mit Schwergewichtlern prügeln müssen - trotz Kampf und Willen, sich dem Stärkeren zu widersetzen, war die Schlagkraft auf der anderen Seite ungleich höher.

Die deutsche Mannschaft wäre vor den Duellen gegen Norwegen und Spanien auch dann Außenseiter gewesen, wenn der Covid-19-Erreger die Planspiele von Bundestrainer Alfred Gislason nicht so wild durcheinandergewürfelt hätte. Dennoch wären die Chancen und Möglichkeiten mit Akteuren wie Andreas Wolff, Till Klimpke, Kai Häfner, Julius Kühn und Luca Witzke größer gewesen. Für den Isländer am Spielfeldrand waren Spielverlauf und Ergebnis vorhersehbar. "Die Mannschaft ist alles andere als eingespielt. Man muss auf diesem Niveau Lehrgeld bezahlen, das ist unvermeidlich", sagte Gislason ohne Groll, sondern selbstverständlich.

Die Europameisterschaft sollte nach einer Neuformierung des Kaders ohnehin zu einem Lernturnier werden (Gislason: "Natürlich träumt jeder von irgendwas. Aber wir haben im Vorfeld immer gesagt, dass wir von Spiel zu Spiel reingehen. So geht es weiter."), mit einem zusätzlich geschwächten Aufgebot ist die Lücke zu den besten Teams des Kontinents noch ein Stück größer geworden.

Kommen Spieler aus der Isolation zurück?

Die ohnehin von Mannschaft und Teamverantwortlichen zu keinem Zeitpunkt thematisierte Möglichkeit, das Halbfinale bei der EM zu erreichen, ist verschwindend gering und eher ein theoretisches Rechenmodell als eine reale Option. Vorbei ist das Turnier deshalb aber noch nicht.

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"Für uns gibt es in der Hauptrunde vier Endspiele, das haben wir von Anfang an so ausgegeben", sagte Torhüter Johannes Bitter vor den ausstehenden Duellen gegen den WM-Zweiten Schweden (Sonntag) und Russland (Dienstag). Zweimal 60 Minuten, in denen es an Kampf, Willen und Leidenschaft der deutschen Mannschaft nicht fehlen wird, und in denen die unerfahrenen Akteure wie Senkrechtstarter Julian Köster vom Zweitligisten VfL Gummersbach Erfahrungen auf internationalem Topniveau sammeln können.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich der Kader für die abschließenden Partien der Hauptrunde ändert. "Ich habe die Hoffnung, dass morgen einige negativ getestet werden. Das wäre für mich wie Weihnachten", sagte Gislason und sein Lachen war selbst unter der obligatorischen FFP2-Maske gut zu erkennen. Den Spaß hat der Isländer in Bratislava noch nicht verloren und insgesamt sieben ursprünglich positiv auf Corona getestete Spieler haben theoretisch die Möglichkeit, bis zur Partie gegen Schweden aus der Isolation entlassen zu werden. Weihnachten war noch nie im Januar, aber vielleicht werden Gislason dennoch ein paar Wünsche erfüllt.

Quelle: ntv.de, Von Michael Wilkening, Bratislava

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