Sport

Heftiger Corona-Ausbruch DHB muss spielen und zieht erstmal nicht zurück

Bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft vergeht bei der Europameisterschaft kein Tag ohne Hiobsbotschaften aus den Coronatest-Laboren. 13 positive Fälle vermeldete der Tross bereits. Elf Spieler sind inzwischen nachgereist. Beim DHB bereitet man sich auf Konsequenzen vor.

Corona wütet weiter heftig bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft: Am Mittwochnachmittag meldete der Verband vier positive Tests, betroffen sind drei Spieler und ein weiteres Delegationsmitglied. Damit wächst die Zahl der an Corona Infizierten im DHB-Tross auf 13 an. Bundestrainer Alfred Gislason reagierte auf die neue Hiobsbotschaft mit der zweiten großen Nachnominierungswelle: Erst am Tag des letzten Vorrundenspiels gegen Polen am Dienstag (30:23) waren fünf Spieler aus Deutschland angereist, um die Lücke zu stopfen, die sieben (!) positive Tests innerhalb von 24 Stunden in den Kader gerissen haben.

Gestern waren mit Patrick Zieker und Torwart Daniel Rebmann zwei Spieler angereist, drei weitere - Tobias Reichmann, Lukas Stutzke und David Schmidt - folgten. Aus der Bundesliga werden die kritischen Stimmen immer lauter. "Das ist das, was wir am meisten gefürchtet hatten - aber durchaus auch das, womit man rechnen musste", sagte Liga-Boss Uwe Schwenker vor der Krisensitzung: "Es macht natürlich keinen Sinn, jeden Tag drei bis fünf Spieler aus der Bundesliga nachzunominieren, wenn neue Fälle auftreten." Da war das letzte Trio noch gar nicht auf dem Weg.

Inzwischen ist klar, dass das erste Hauptrundenspiel am Abend gegen Spanien (18 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de) stattfinden wird. Der DHB hatte am Mittwoch verkündet, dass man den europäischen Verband gebeten habe, eine Verlegung zu prüfen. Am Mittag teilte der DHB mit: Das gebeutelte DHB-Team muss antreten. "Dem Antrag auf Spielverlegung gab die EHF nicht statt und verwies dabei auf eine ähnlich vielschichtige Gemengelage von der sportlichen Situation Spaniens bis hin zu bestehenden Sendeplänen und -verpflichtungen sowie ähnlich herausfordernde Corona-Situationen bei den Teams anderer teilnehmender Nationen hin", heißt es in einem Statement. Spanien ist eines von nur vier noch im Turnier verbliebenen Teams, das noch keinen positiven Fall vermelden musste.

Einen sofortigen Rückzug aus dem Turnier hatte der DHB nach Beratungen mit der Ligaspitze am Mittwochabend noch vom Tisch gewischt. "Wir haben intensiv mit den Spielern, Delegationsmitgliedern, den Bundesliga- und EHF-Vertretern diskutiert. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir es verantworten können, im Turnier zu verbleiben." Es sei eine "sehr komplexe Entscheidung" gewesen, berichtete Kromer aus den Beratungen. Kapitän Johannes Golla, einer von nur noch sechs verbliebenen Spieler der ersten Generation des EM-Kaders, berichtete von einer klaren Stimmung innerhalb der Mannschaft: "Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen, wie wir das Turnier fortsetzen und zu Ende bringen können. Das ist unser klares Ziel, alles andere war nicht unser Thema."

Rückzug ist nicht vom Tisch

Die schwierige Situation werde von den Spielern gut angenommen, sagte Golla. "Auch wenn wir alle auf Abstand unterwegs sind - so einen Zusammenhalt wie in den vergangenen Tagen habe ich selten erlebt. Jeder erkundigt sich nach dem anderen. Es wird alles von jedem in der gesamten Delegation in Bewegung gesetzt, um einander in dieser Lage zu helfen. Es ist etwas ganz Besonderes, das mitzuerleben." Am Ende entschied sich der DHB laut Vorstandschef Mark Schober "nach medizinischen, sportlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten" gegen einen möglichen Rückzug von der Endrunde.

Er betonte aber auch: "Die Situation ist dynamisch. Es kann durchaus sein, dass wir am morgigen Tag wieder eine andere Entscheidung treffen." Deshalb lasse man "von der Europäischen Handballföderation prüfen, zu welchen Bedingungen ein Rückzug zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist." Die EHF wies am Donnerstagmorgen in ihrer Antwort auf komplexe Folgen unter anderem auf sportlicher und wirtschaftlicher Ebene hin. An der Teilnahme an dem Turnier hängt für den von der Pandemie schwer gebeutelten Verband und die Liga viel: Nie ist die Aufmerksamkeit für den Handball größer als in den Januarwochen, in denen große Turniere gespielt werden - und die Spiele der Nationalmannschaft ein Millionenpublikum bei den öffentlich-rechtlichen Sendern finden.

Erfüllt der DHB die einträglichen TV-Verträge nicht, wird es teuer. Laut Turnierregularien kann der Rückzug eines Teams auch von der EHF hart bestraft werden, sogar der Ausschluss von künftigen Turnieren droht. Das ist jedoch unwahrscheinlich: Die nächste Europameisterschaft findet 2024 in Deutschland statt.

Quelle: ntv.de, ter

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