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Nach schweren Vorwürfen DOSB-Boss Hörmann stellt Vertrauensfrage

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Die Spiele in Tokio könnten das letzte Olympia für Hörmann als DOSB-Präsident sein.

(Foto: picture alliance/dpa/AFP POOL)

Acht Jahre war er im Amt, nach den Olympischen Spielen könnte Schluss sein: Das Präsidium des DOSB stellt sich in der Briefaffäre um Alfons Hörmann einer Vertrauensabstimmung. Der DOSB-Chef muss für sich werben, denn sonderlich groß ist sein Rückhalt nicht.

Alfons Hörmann steht am Scheideweg: Der angezählte Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird sich wie seine Präsidiumskollegen nach einer Empfehlung der unabhängigen Ethik-Kommission einer Vertrauensabstimmung stellen. Ob es wie von den Ethikern angeraten auch zu Neuwahlen kommen wird, ist allerdings offen. Sollte es dem Frontmann des Dachverbandes nicht gelingen, verlorenes Vertrauen zurückzuerobern, droht Hörmanns Ära als Präsident nach acht Jahren zu enden.

"Zum Wohl des deutschen Sports soll diese (Vertrauensfrage, d. Red.) zeitnah und unmittelbar nach den Olympischen und Paralympischen Spielen in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung umgesetzt werden", teilte der DOSB mit. Diesen Vorschlag wird das Präsidium den Mitgliedsorganisationen in den anstehenden Konferenzen unterbreiten.

Als nicht einverstanden mit diesem Weg erklärte sich Athletenvertreter Jonathan Koch. Dieser hatte sich bereits Mitte Mai von einer Erklärung des siebenköpfigen DOSB-Präsidiums distanziert, in der Hörmann das "uneingeschränkte Vertrauen" ausgesprochen worden war.

Eine "Kultur der Angst" beim DOSB?

Es wird womöglich ernst für Hörmann, der im Dezember 2013 sein Amt angetreten hatte. Dem 60-Jährigen, früher Chef des Skiverbandes DSV, waren in einem anonymen Brief vom 6. Mai vermutlich aus der DOSB-Belegschaft mangelnde Führungsqualitäten ("Kultur der Angst") vorgeworfen worden. Von fehlendem Respekt und Fair Play gegenüber Verbandsangestellten war die Rede.

Der DOSB hatte daraufhin die Ethikkommission unter dem Vorsitz des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maizière um Aufklärung und eine Bewertung gebeten. Die Kommission riet der DOSB-Spitze zur Vertrauensfrage in Form von Neuwahlen für das gesamte Präsidium.

Hörmann und Co. wählten einen anderen Weg. Die Abstimmung nach den beiden Großereignissen soll offenbar das Tempo erhöhen und schnell für klare Verhältnisse sorgen. Fällt diese für den DOSB-Chef und seine Kollegen negativ aus, wären Neuwahlen spätestens bei der ordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember unausweichlich.

Ethiker: Hörmann sollte "Führungsstil verändern"

Fällt die Umfrage positiv aus, darf sich Hörmann dennoch nicht sicher sein. Sollte er in seiner "Bewährungszeit" rückfällig werden und in alte Führungsmuster verfallen, könnte der Ruf nach einer neuen DOSB-Spitze dennoch schnell wieder laut werden.

Jene Mängel in der Menschenführung hatten die Ethiker bei Hörmann festgestellt und kamen zu dem Schluss, dass es auch an Hörmann liege, "zukünftig seinen Führungsstil so zu verändern, dass der Geist von Respekt und Wertschätzung klarer bei Dritten, insbesondere bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erkennen ist". Es könne mit einer so unterschiedlichen Beurteilung der handelnden Personen und der gelebten Strukturen "in dieser Art nicht weitergehen".

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IOC-Präsident Thomas Bach drückte als DOSB-Ehrenpräsident seine "Sorge" um die Glaubwürdigkeit und Funktionsfähigkeit des deutschen Sport-Dachverbandes aus. Er forderte womöglich auch personelle Konsequenzen. Dagmar Freitag, die Vorsitzende im Sportausschuss des Bundestages, betonte: "Ich verstehe das als die sprichwörtliche Gelbe Karte an die Führung des deutschen Sports."

Dass sich etwas verändern muss, hatten auch andere Partner des DOSB geäußert. Der Präsident des Landessportbundes (LSB) Nordrhein-Westfalen, Stefan Klett, forderte Hörmann nach Bekanntwerden des Briefes wie sein hessischer Kollege Rolf Müller Hörmann zum Rücktritt auf. Auf einer Präsidiumssitzung begrüßte der LSB NRW die Empfehlung der Ethiker und warb dafür, "eine neue Führung des DOSB zu suchen und zu wählen, hinter der sich der Sport in Deutschland versammeln kann". Nun heißt es aber zunächst nicht Neuwahlen, sondern Vertrauensfrage. Auf jeden Fall sind die Mitglieder gefragt.

Quelle: ntv.de, ses/sid

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