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Eine "Kultur der Angst" im DOSB? Schwere Vorwürfe gegen deutschen Sportboss

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild)

Ein anonymer offener Brief schreckt den deutschen Sport auf. Weil sie arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten, offenbaren darin Angestellte des Deutschen Olympischen Sportbundes die Kultur im Verband. Respekt sei dort kaum zu spüren, stattdessen psychische Gewalt und Einschüchterung.

Ein offener Brief, der die Absetzung des DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann fordert, hat für Aufregung gesorgt. In dem Schreiben, das angeblich aus der Mitarbeiterschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes kommt, werden detailliert interne Vorgänge geschildert und Vorwürfe gegen die Führungsgremien und explizit gegen Hörmann erhoben.

"Wir bestätigen den Eingang einer anonymen Mail, die von einem Fake-Mail-Account versandt wurde. Von den im Adressatenkreis angesprochenen Mitgliedern des Vorstandes und des Präsidiums haben nur einige dieses anonyme Schreiben erhalten. Wir werden die Hintergründe prüfen", teilte der DOSB mit. Was mit einem "Fake-Mail-Account" gemeint ist, bleibt jedoch offen. Der Investigativjournalist Jens Weinreich, der den Brief ebenfalls veröffentlicht hat, schreibt dazu: "Der Inhalt des Schreibens klingt sehr nach DOSB und offenbart Insiderwissen."

In der Mail von Donnerstagmorgen, die mit "DOSB-Mitarbeiter*innen" unterzeichnet ist, heißt es: "Respekt und Fairplay vermissen wir jeden Tag in unseren Führungsgremien, vor allem bei unserem Präsidenten Alfons Hörmann." Unter dessen Führung habe "sich unter den Mitarbeiter*innen eine 'Kultur der Angst' im DOSB etabliert".

In dem Brief ist von einem "Drittel der Mitarbeiter*innen des DOSB" die Rede, die sich "in den vergangenen Wochen und Monaten" zusammengefunden hätten: "In den Gesprächen kamen Dutzende Beispiele von Verhaltensweisen zur Sprache, die vor allen Dingen jegliche Form des Respekts und Anstands vermissen lassen."

Besonders Mitarbeiterinnen seien "mental und psychisch über die Grenze des Belastbaren gebracht" worden, hieß es weiter. Auch wurde der Vorwurf geäußert, dass "Stifte und sonstige Gegenstände" in Richtung der Mitarbeitenden geworfen wurden: "Aufgrund solcher Verhaltensweisen haben Mitarbeiter*innen gekündigt; andere befinden sich in psychotherapeutischer Behandlung. So kann es nicht weitergehen. So darf es nicht weitergehen."

"Müssen mit Kündigung rechnen"

Der Betriebsrat sei bereits im November über die Vorgänge informiert worden, die Wahl der Kommunikation fiel dennoch auf den offenen Brief, "schließlich haben wir nie den Eindruck gewinnen können, das Thema 'betriebliche Mitbestimmung' werde verbandsseitig in kritischen Themen allzu ernst genommen", so die angeblichen Mitarbeiter*innen.

Die Anschuldigungen gegen Hörmann persönlich und die Kritik an seinem Umgang mit Mitarbeitenden seien "nur wenige Beispiele aus einer langen Liste an Verhaltensweisen, welche die unüberbrückbare Distanz zwischen Teilen der DOSB-Entscheidungsgremien und uns Mitarbeiter*innen verdeutlichen", schrieb der oder schrieben die Verfasser und erklärten auch, warum sie anonym bleiben wollen.

"Abweichende Meinungen werden (bestenfalls) abgebügelt und (schlimmstenfalls) bloßgestellt. Und so haben auch wir Angst. Angst davor, bei der Nennung unserer Namen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen, vielleicht sogar unsere Arbeitsstelle zu verlieren."

Der CSU-Politiker Alfons Hörmann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Der 60-Jährige ist seit Dezember 2013 Präsident des DOSB, seine zweite Amtszeit endet 2022. Vor seiner Zeit an der Spitze des DOSB war Hörmann Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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