Sport

Selbst schuld an Corona-Fällen? DOSB-Chef empört Athleten mit Kritik

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Alfons Hörmann ist von Hygienekonzepten überzeugt.

(Foto: dpa)

Nach der Leichtathletik-EM und dem Fecht-Weltcup in Budapest gibt es zahlreiche Corona-Fälle bei Athleten. Auch deutsche Teilnehmer sind betroffen. Laut DOSB-Chef Hörmann muss jeder Infizierte sich selbst hinterfragen. Eine Haltung, die Betroffene empört.

DOSB-Chef Alfons Hörmann führt die zahlreichen Coronavirus-Infektionen nach der Leichtathletik-Hallen-EM in Torun und dem Fecht-Weltcup in Budapest auf individuelles Versagen zurück. "Alles, was aus den ersten Berichten und Voruntersuchungen erkennbar wird, deutet darauf hin, dass vor Ort in den beiden Fällen zum Teil verantwortungslos agiert wurde, dass beispielsweise hochrangige oder höchstrangige Funktionäre Foto-Einheiten absolviert haben", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds dem Deutschlandfunk.

Zudem seien die Abstände zwischen den Sportlern und den Betreuern "nicht ansatzweise so konzipiert" gewesen, "wie man das in Pandemiezeiten erwarten kann". Man müsse solche Fälle "kritisch analysieren und sachgerecht bewerten". Auch die deutschen Fechter, von denen sich zwei infiziert hatten, sollten "nochmals selbstkritisch darüber nachdenken, ob tatsächlich alles dafür getan wurde, nicht infiziert zu werden", forderte Hörmann.

Diese Aussagen sorgen für Empörung in den sozialen Netzwerken. Den Sportlern ein nicht regelkonformes Verhalten anzulasten, sei mindestens verwunderlich. Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Dagmar Freitag, schreibt bei Twitter von den "verbalen Vorboten für Tokio".

Max Hartung, Fechter und Vorsitzender der Vereinigung Athleten Deutschland, hatte dem "Spiegel" berichtet, dass die Fechter in Budapest extra Campingkocher dabei hatten, um nicht im Hotel-Restaurant essen zu müssen. Zudem hätten sie sich auch ansonsten abgesondert und Sicherheitsmaßnahmen zusätzlich zu den vom Veranstalter geforderten eingehalten. "Zum Glück liege ich mit Corona im Bett und habe durch die Quarantäne sehr viel Zeit für Selbstkritik", twitterte Benedikt Wagner, einer der beiden Betroffenen aus dem Fechtteam. Er hatte am Donnerstag das positive Testergebnis bekommen, leidet an Glieder- und Kopfschmerzen, es kamen noch Halsbeschwerden und Fieber dazu.

Das Hygienekonzept beim Weltcup hatte der Deutsche Fechter-Bund als unzureichend empfunden und die Athleten zu strengeren Regeln angehalten. Und trotzdem, trotz der Infektionen bei Leichtathleten und Fechtern, trotz dieses Berichts, ist Hörmann weiter von der Wirksamkeit von Hygienekonzepten bei internationalen Wettkämpfen überzeugt. "Alle Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate zeigen, dass Sport treiben in hoher Verantwortung und entsprechender Professionalität nicht dazu führt, dass irgendwelche Superspreading-Ereignisse entstehen", sagte der 60-Jährige.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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