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Halbfinale gegen Luke Littler?Darts-Märchen von Ryan Searle geht weiter - trotz Sehschwäche

01.01.2026, 17:42 Uhr
imageVon Kevin Schulte, London
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Erstmals im Halbfinale der Darts-WM: Ryan "Heavy Metal" Searle (Foto: IMAGO/Pro Sports Images)

Der famose Lauf von Ryan Searle bei der Darts-WM geht weiter: "Heavy Metal" steht im Halbfinale. Nach seinem Sieg gegen Jonny Clayton wird es im "Ally Pally" emotional.

Die Fans im Londoner Alexandra Palace - viele dürften noch verkatert gewesen sein oder auf dem besten Weg zum nächsten Kater - hatten sich wahrscheinlich ein spannenderes, ein besseres Spiel gewünscht. Am Ende ist das erste Viertelfinale der Darts-WM aber eine klare Sache: Der Engländer Ryan Searle besiegt den Waliser Jonny Clayton mit 5:2 und zieht erstmals ins Halbfinale ein - und die 3200 Zuschauer im "Ally Pally" werden Zeugen eines emotionalen Moments.

Ryan Searle startet brillant in die Partie, gewinnt den ersten Satz in überragender Art und Weise. Danach bricht sein Spiel ein. Doch auch das ist egal. Der wundersame WM-Lauf von "Heavy Metal", wie Searle wegen seiner schweren Dartpfeile (34 Gramm) genannt wird, geht einfach weiter. Jonny Clayton trifft die Doppel nicht. Auch die Sätze zwei und drei gegen daher an Searle. Anschließend passiert es aber doch: Searle verliert einen Satz. Es ist der erste Satzverlust im Turnierverlauf - nach einem beeindruckenden 17:0-Lauf.

Clayton schöpft neuen Mut, bekommt am Ende des fünften Satzes allerdings ein Highfinish um die Ohren geknallt. Der Checkout von Searle ist die Vorentscheidung. Zwar gewinnt Clayton einen weiteren Satz, doch an das wundersame Comeback gegen den langhaarigen Engländer mit Skater- und Fensterputzer-Vergangenheit ist nicht mehr zu denken: Beim Stand von 4:2 in den Sätzen findet Searle sogar sein Scoring wieder. In Kombination mit beeindruckender Konstanz auf die acht Millimeter schmalen Doppelfelder reicht das am Ende für einen souveränen 5:2-Sieg und den Halbfinal-Einzug.

"Ich kann nicht besonders gut sehen"

"Es geht um so viel Preisgeld. Das ist hart, unter diesem Druck Leistung zu zeigen. Ich bin einfach glücklich, dass ich irgendwie ins Ziel gekommen bin", sagte Searle auf der Pressekonferenz nach seinem erstmaligen Einzug in ein WM-Halbfinale.

Zuvor hatte Searle auf der Bühne ungewohnt emotional reagiert. "Ich habe noch eine Nachricht an die Menschen da draußen", sagte Searle mit Tränen in den Augen. "Ganz offensichtlich kann ich nicht besonders gut sehen: 'Lasst euch nicht aufhalten!' Ich möchte diesen Menschen eine Inspiration sein."

Searle hat Astigmatismus. Das ist eine Hornhautverkrümmung, die ihm oft den Blick auf das Spielfeld trübt. Kontaktlinsen lindern die Probleme. Trotzdem muss Searle regelmäßig beim Caller nachfragen, ob seine Darts ihr Ziel getroffen oder verfehlt haben.

In den vergangenen Jahren hat der 38-Jährige schon häufiger über seine Sehschwäche gesprochen, allerdings noch nie auf solch großer Bühne im Fernsehen. "Ich möchte Geld für die Cure Adoa Foundation sammeln", erklärt Searle später auf der Pressekonferenz.

"Es ist eine erbliche Erkrankung. Bei meinem Sohn ist es nicht so schlimm, aber bei meiner Tochter ist es sehr schlimm. Auf naher Distanz kann sie alles sehen, bis etwa 1,80 Meter. Aber danach wird ihr Sehvermögen wirklich schlecht. Sie ist als sehbehindert registriert und ich glaube nicht, dass sie jemals ein Auto fahren wird", berichtet Searle, der der Augenkrankheit mit seinem unerwarteten WM-Lauf viel Aufmerksamkeit verschafft. "Wenn ich dafür viel Bewusstsein schaffen und dazu beitragen kann, ein Heilmittel zu finden, bedeutet mir das viel."

Größtes Spiel der Karriere

Mindestens einen weiteren Auftritt bekommt Searle morgen Abend im WM-Halbfinale gegen den wahrscheinlich besten Spieler der Welt. WM-Titelverteidiger Luke Littler muss dafür am Neujahrsabend Geburtstagskind Krzysztof Ratajski besiegen. Gegen den Polen ist der 18 Jahre junge Darts-Dominator klarer Favorit.

Darts WM 2026 - Turnierbaum ab Viertelfinale

Viertelfinale

Luke Littler - Krzysztof Ratajski

Ryan Searle 2-5 Jonny Clayton

Luke Humphries - Gian van Veen

Gary Anderson 5-2 Justin Hood



Halbfinale

Littler/Ratajski - Ryan Searle

Humphries/van Veen - Gary Anderson

Sollte es tatsächlich zum Duell mit Littler kommen, backt Searle schon im Vorfeld lieber kleine Brötchen: "Wahrscheinlich kann ich nicht erwarten, dass ich gewinne". Mit dem Einzug ins Halbfinale hatte der nach eigener Aussage "faule Spieler" aber auch nicht gerechnet. Sicher ist schon jetzt: Das Spiel in der Runde der letzten Vier ist das größte seiner bisherigen Karriere.

Außenseiter-Story von Hood endet

Eine noch größere Überraschung als das Halbfinal-Märchen von Searle hat am Neujahrsnachmittag dagegen ihr Ende gefunden: Justin Hood verliert im Viertelfinale der Darts-WM gegen den zweifachen Weltmeister Gary Anderson glatt mit 2:5. Damit ist eine der größten Außenseiter-Storys der WM-Geschichte vorüber.

Hood, der Mann mit dem Pinguin-Hut, konnte über das gesamte Spiel hinweg nicht an die starken Leistungen der ersten vier Runden anknüpfen. Mit einer erneut starken Doppelquote hielt sich "Happy Feet", wie Hood bezeichnet wird, bis zum Stand von 2:2 im Rennen. Danach war Anderson aber eine Klasse besser. Hoods Traum von der Eröffnung eines eigenen China-Restaurants lebt aber trotzdem: Nach seinem Einzug ins Viertelfinale hatte der englische WM-Debütant gesagt, dass er mit den 100.000 Pfund Preisgeld (115.000 Euro) genügend Geld beisammen habe.

Der erfahrene Schotte bestreitet damit im Alter von 55 Jahren sein achtes WM-Halbfinale. Sein Gegner wird ebenfalls heute Abend - nach dem Littler-Spiel - ermittelt. In einer Neuauflage des EM-Endspiels bekommt es 2024er-Weltmeister Luke Humphries mit dem amtierenden Europameister Gian van Veen aus den Niederlanden zu tun.

Quelle: ntv.de

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