Sport

Zwanziger ./. Weinreich Der DFB blamiert sich

DFB-Präsident Theo Zwanziger beklagt einen Imageschaden, war gestern sinngemäß in diversen Medien zu lesen - auch auf n-tv.de. Dabei ging es kurioserweise nicht um ihn selbst, sondern um den Streit zwischen Fußball-Bundestrainer Joachim Löw und seinem Kapitän Michael Ballack vor wenigen Wochen. Eine geradezu lächerliche Lappalie angesichts der grotesken Kampagne, mit der Zwanziger und sein Deutscher Fußball-Bund derzeit gegen den Sportjournalisten Jens Weinreich vorgehen und beim Versuch, dessen Ruf zu ruinieren, ihren eigenen unrettbar ramponieren.

Was im Sommer als Streit darüber begann, wie das Wort Demagoge in der heutigen Zeit auszulegen ist, eskalierte am Freitag in einer Form, die man schlicht nicht für möglich gehalten hätte. Per Pressemitteilung und auf seiner Homepage ließ der DFB verbreiten, man missbillige die von Weinreich initiierte Diffamierungskampagne gegen Theo Zwanziger aufs Schärfste. Der freie Journalist habe, erklärte der DFB hochrangigen Sportfunktionären, Medienvertretern und Politikern, Zwanziger ohne Anlass als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet und sich in der Folge geweigert, von dieser Aussage wieder abzurücken. Dazu bestand aus Sicht des Journalisten allerdings auch kein Anlass.

Gerichte betonen Meinungsfreiheit

7139439.jpg

Opfer der irreführenden DFB-Pressemitteilung: Der Journalist Jens Weinreich

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Zwei Berliner Gerichte haben ihm bestätigt, dass seine in einem Kommentar auf dem Blog direkter-freistoss.de getätigte Aussage durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt ist. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Zwanziger dadurch keineswegs, wie von ihm empfunden und noch immer behauptet, in die Nähe eines Volksverhetzers gerückt wird - was der DFB in seiner Pressemitteilung freilich zu erwähnen vergaß.

Bewusst falsch dargestellt wurde hingegen, dass Weinreich die Aussage grundlos getroffen habe. Vielmehr bezog sich der Journalist mit seiner sicherlich fragwürdigen Wortwahl auf einen öffentlichen Auftritt Zwanzigers im Juli. Dabei hatte der DFB-Boss als Reaktion auf das angekündigte Veto des Bundeskartellamtes gegen das neue Vermarktungsmodell für die Fußball-Bundesliga vehement gegen das Bosman-Urteil gewettert. Weinreich schrieb daraufhin: "Er dreht nach der Kartellamtsentscheidung völlig durch. Er ist ein unglaublicher Demagoge. Schuld an allen Problemen des Fußballs, des DFB im allgemeinen und der DFL im besonderen ist einzig und allein das Bosman-Urteil - das behauptete Zwanziger fast wörtlich mehrfach."

Und dies ist beileibe nicht die einzige Falschaussage in der Pressemitteilung, in der der DFB seinem Präsidenten öffentlich beispringen wollte. Genau das macht die ganze Angelegenheit so unfassbar, schließlich hat Weinreich den gesamten Streit von Beginn an auf seinem Blog akribisch dokumentiert, inklusive der vom DFB verschwiegenen Urteile. Damit kann jedermann jederzeit jeden einzelnen der vielen sachlichen Fehler, die der Medienjournalist Stefan Niggemeier wie auch Weinreich schlicht Lügen nennt, bei Bedarf mit Fakten widerlegen.

13717461.jpg

DFB-Präsident Theo Zwanziger wird derzeit denkbar schlecht beraten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dass sich Theo Zwanziger in seinem Streit mit Weinreich verrannt hat und er äußerst schlecht beraten wurde, ist offensichtlich. Wie anders lässt sich sonst erklären, dass er in einem von ihm initiierten Interview auf dem Blog direkter-freistoss.de mit einer nicht existenten Dudendefinition von "Demagoge" argumentiert und nach dem zweimaligen Scheitern vor Berliner Gerichten ausgerechnet in Koblenz eine Unterlassungsklage gegen den Journalisten einreichen wollte - jenem Ort, in dem er einst Verwaltungsrichter und Regierungspräsident war. Zufall natürlich!

Auch Koblenz hat Internet

Schließlich ist die Begründung für Koblenz als Klageort äußerst zwingend: Internettexte sind auch dort abrufbar. Weit weniger plausibel ist, dass der angeblich durchaus kritikfähige DFB-Präsident von seinem Verband nicht gebremst wurde. Stattdessen sägen auch Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Mediendirektor Harald Stenger inzwischen an jenem dünnen Ast, auf dem der DFB bislang noch thront. Niersbach und Stenger haben die Pressemitteilung verbreitet bzw. geschrieben mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass die darin enthaltenen Falschaussagen weiterverbreitet werden. Dies geschah offenbar in dem törichten Glauben, dem DFB an der längst hellhörig gewordenen Blogosphäre vorbei die von Zwanziger angestrebte "Kommunikationsherrschaft" wieder sichern zu können. Die Meinungsfreiheit, versichert Niersbach treuherzig, habe man dabei natürlich nie einschränken wollen.

Während trotz der klaren Faktenlage noch das große Schweigen im deutschen Blätterwald herrscht, haben sich viele Blogger längst mit Weinreich solidarisiert. Die Zahl der Webseiten und Foren, in denen das Vorgehen des DFB in wenig vorteilhafter Weise dokumentiert und verbreitet wird, wächst stündlich. Mit Spannung wird die Antwort des DFB auf Weinreichs Vorwurf erwartet, der Deutsche Fußball-Bund habe ein Lügengebilde errichtet.

Ein Grundpfeiler desselben ist, Weinreich sei eingeknickt und Zwanziger deshalb von seiner angedrohten Klage abgerückt. Das ist falsch. Wahr ist vielmehr, dass der vermeintliche Diffamierer Weinreich dem DFB nun seinerseits eine Diffamierungskampagne vorwirft - und er deshalb eine Klage anstrebt.

Quelle: n-tv.de