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Nicht ohne Zuschauer Der Tour de France gehen die Optionen aus

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Wann - und ob - sich Emanuel Buchmann in diesem Jahr die Berge Frankreichs hochschinden darf, ist derzeit unklar.

(Foto: imago images / Sirotti)

Die Tour de France ist das letzte Megaevent des Sports, das nach wie vor an seinem angestammten Sommertermin festhält. Doch auch die Veranstalter des dreiwöchigen Radspektakels werden sich den Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen müssen. Ein Start im Juni wird immer unwahrscheinlicher.

Die Tour de France findet in diesem Jahr nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Entsprechenden Gedankenspielen, die jüngst Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu aufgeworfen hatte, erteilte Tourchef Christian Prudhomme eine Absage. In der Diskussion sei vielmehr eine Verschiebung des Rennens. Noch wollen die Veranstalter aber am Starttermin 27. Juni in Nizza festhalten, als Deadline für eine Entscheidung hat sich der Veranstalter ASO den 15. Mai gesetzt. Frankreich zählt derzeit rund 500 Tote pro Tag im Zuge der Coronavirus-Pandemie. Kaum vorstellbar, dass in weniger als drei Monaten zehn bis zwölf Millionen Menschen aus aller Welt in Frankreich am Straßenrand stehen.

"Im Namen Tour de France ist das wichtigste Wort 'France'. Die Gesundheitssituation im Land ist das, was zählt. Ich möchte, dass die Tour de France im Sommer stattfindet - und zwar nicht im Interesse der Tour. Findet sie nicht statt, bedeutet es, dass das Land in einer katastrophalen Situation ist", sagte Prudhomme dem Internetportal "Sports-Auvergne.fr". Nur während der beiden Weltkriege pausierte das Rennen zwischen 1914 und 1919 sowie zwischen 1939 und 1947.

Für die Teams wäre eine Austragung des Prestigerennens extrem wichtig. "Sofern die Tour de France stattfindet, kommen wir mit einem blauen Auge davon. Die Tour ist das wichtigste Event im Jahr, nicht nur für uns, auch für unsere Sponsoren. Wenn das stattfindet, kann man über alles andere großzügig hinwegschauen", sagte Ralph Denk als Teamchef des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe der Deutschen Presse-Agenur. "Etwa 60 Prozent der Einnahmen in einer Saison werden durch die Tour generiert", rechnete Vincent Lavenu, Chef des französischen Teams AG2R, vor.

Tourabsage "würde einige Leute arbeitslos machen"

"Es wäre eine Katastrophe, wenn die Tour nicht gefahren oder erst mal abgesagt wird", sagte der deutsche Radprofi Emanuel Buchmann. Fahrer wie Buchmann, der in diesem Sommer auf das Tour-Podest fahren wollte, müssten die ohnehin stark beeinträchtigte Saison fast ganz abschreiben. Die Mitarbeiter träfe es noch härter. Wird die Tour abgesagt, "würde das einige Leute arbeitslos machen", sagte der britische Ex-Sieger Geraint Thomas.

Am Mittwoch hatte der Radsport-Weltverband in einem Krisengespräch mit den Teams und den Veranstaltern entschieden, die Saison bis zum 1. Juni auszusetzen. Im Gespräch sind auch drei mögliche Szenarien für einen Neustart: der 1. Juli, der 15. Juli oder der 1. August. UCI-Vizepräsident Renato Di Rocco ließ gegenüber mehreren italienischen Medien durchblicken, dass nach der Bekanntgabe des neuen Saisonstarts den Fahrern eine 30-tägige Vorbereitungszeit mit kleineren Rennen eingeräumt werden soll. Anschließend könnte die Tour beginnen, also womöglich im August.

"Wenn wir keine Tour de France fahren ..."

Beim deutschen Radrennstall Bora-hansgrohe um den Tour-Vierten Emanuel Buchmann sind derweil wirtschaftliche Maßnahmen im Zuge der Coronavirus-Pandemie noch nicht geplant. "Es gibt keine Einschnitte, wir stehen im engen Austausch. Aktuell sind Verträge da. Die werden sowohl vom Team zu den Rennfahrern als auch von den Sponsoren zum Team erfüllt", sagte Teamchef Ralph Denk der Deutschen Presse-Agentur. Gehaltseinbußen bei Fahrern, wie es bereits andere Profiteams praktizieren mussten, sind daher momentan kein Thema.

Schwierig seien derzeit die Trainingsbedingungen für die in Südeuropa beheimateten Fahrer wie Superstar Peter Sagan, während die deutschen und österreichischen Akteure noch normal trainieren können. Das sei aber letztlich kein Kriterium. "Es ist für unsere Sportart so wichtig, dass die Tour de France stattfindet, da kann man nicht noch auf die Trainingsbedingungen der Athleten Rücksicht nehmen."

Quelle: ntv.de, ter/dpa/sid