Nach Sivert Bakkens TodDer emotionalste Sieger, den dieser Biathlon-Weltcup haben kann
Dieser Biathlon-Weltcup ist besonders emotional: Vor dem Startschuss gedenken Athleten und Fans des verstorbenen Norwegers Sivert Bakken. Dann gewinnt auch noch dessen guter Freund Tommaso Giacomel. Ein Deutscher schafft es ebenfalls aufs Podest.
Tommaso Giacomel hat das Sprintrennen zum Auftakt des Biathlon-Weltcups in Oberhof gewonnen. Gut zwei Wochen nach dem plötzlichen Tod seines Freundes Sivert Bakken reckte der Italiener beim Überqueren der Ziellinie in Erinnerung an den Norweger den rechten Arm mit dem Trauerflor in Richtung Himmel. Giacomel hatte nach zehn Kilometern 13,2 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Deutschen Philipp Nawrath und widmete Bakken den Sieg. Dritter wurde der Norweger Johannes Dale-Skjevdal (+25,2 Sekunden), den Giacomel im Zielraum umarmte.
"Es ist richtig komisch heute. Es ist einer meiner besten Tage beim Biathlon, aber gleichzeitig ist es einer der schlechtesten, weil Sivert nicht mehr hier ist", sagte der Italiener: "Das macht mich extrem traurig." Nawarath erzählte: "Giacomel habe ich am Mittwoch bei der Dopingkontrolle getroffen. Der war da noch sehr geknickt, hat das aber sehr gut ablegen können oder war vielleicht auch deshalb so gut." Auch wenn Bakken nicht mehr hier sei, "habe ich mich aufs Training konzentriert während der Weihnachtspause", sagte Giacomel, der Bakken, der nur 27 Jahre alt wurde, den Sieg widmete: "Das hat gut funktioniert."
Nawrath glänzt und spürt "Riesenerleichterung"
Im emotionalen ersten Rennen nach dem unerwarteten Tod Bakkens waren die deutschen Ergebnisse erfreulich. Hinter Nawrath erreichte Philipp Horn (1/+38,7 Sekunden) den siebten Platz, David Zobel (1/+59,9) wurde Zwölfter und sicherte sich so die halbe Olympia-Norm. Lucas Fratzscher (2/+1:21,1 Minuten) verpasste mit einer guten Leistung nur knapp die Top 15. Damit verschaffte sich das Quartett eine gute Voraussetzung für die Verfolgung am Samstag (12.00 Uhr/ARD und Eurosport). Justus Strelow (3/+2:13,0) und Johannes Kühn (5/+2:27,7) lagen deutlicher zurück.
"Es ist eine Riesenerleichterung", sagte Nawrath am ARD-Mikrofon nach seinem ersten Einzelpodest des Winters: "Ich bin froh, dass es so funktioniert hat."
Gedenken für Bakken vor dem Start
Vor dem Auftaktrennen in Oberhof hatte es eine Gedenkzeremonie für Sivert Bakken gegeben. Die norwegischen Biathleten hielten unter Tränen die Bakken zugeloste Startnummer 1 hoch und applaudierten in Erinnerung an ihren ehemaligen Teamkollegen. Bakkens Teamkollege Johan-Olav Botn, der im Thüringer Wald erkrankt fehlt, hatte den 27-Jährigen am 23. Dezember tot in dessen Hotelzimmer in Lavazé gefunden. Die Norweger waren zum Höhentraining in Italien. Giacomel wollte eigentlich an jenem Tag zusammen mit Bakken Ski fahren gehen. Die Ergebnisse der Autopsie könnten erst Anfang März vorliegen.
Die Beerdigung Bakkens ist am kommenden Dienstag in Lillehammer, einen Tag vor dem Start des Weltcups in Ruhpolding. Viele des norwegischen Teams werden am Montag nach Norwegen fliegen, um nach der Beerdigung am Dienstagabend nach Deutschland zurückzukehren.
Am Nachmittag (14.15 Uhr) sind die Biathletinnen mit ihrem Sprint im Thüringer Wald an der Reihe. Aufgrund der für Freitag vorhergesagten Sturmböen von über 80 Kilometern pro Stunde wurde das Rennen um einen Tag vorgezogen. Somit geht es erst am Samstag am Rennsteig mit der Verfolgung der Männer und der Staffel der Frauen (14.25 Uhr/alles ARD und Eurosport) weiter.
