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Wut und Zittern wegen PatriotsDer ewige NFL-Bösewicht schlägt zurück

27.01.2026, 08:06 Uhr
imageVon David Bedürftig
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Sieht nicht böse aus, spielt aber für ein vielerorts verhasstes Team: Drake Maye zog mit den New England Patriots in den Super Bowl ein. (Foto: IMAGO/Icon Sportswire)

Schon wieder die Patriots im Super Bowl? Der Einzug von New England ins NFL-Endspiel löst Wut und Furcht aus. Lange wird das überaus erfolgreiche Team gehasst, bis es in der Bedeutungslosigkeit verschwindet - doch es folgt ein filmreifes Comeback.

Was wäre der Sport ohne Rivalitäten? Ohne Animositäten? Genauso, wie man gerne für die eigene Mannschaft jubelt, verspüren Fans eine besondere Genugtuung, wenn dieses eine Team verliert. Diese Mannschaft, die schon immer genervt hat, die einen oft besiegt hat, die etwas - natürlich rein subjektiv, versteht sich - Unsympathisches inne trägt.

Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends war für fast die gesamten USA dieser Bösewicht die New England Patriots. Zwei Jahrzehnte lang eilte das Team um Quarterback-Superstar Tom Brady und Coach Bill Belichick zu beispiellosen Erfolgen. Doch zu sechs Super-Bowl-Titeln gesellten sich auch beispiellose Skandale, kontroverse Entscheidungen und Liga-Strafen wegen Regelverstößen.

Hass. Abscheu. Neid. Unschöne Gefühle, aber für die Patriots empfand sie fast jeder NFL-Fan. New England war so gut und löste solche Verbitterung aus, dass das Team mit dem bösen und übermächtigen Imperium aus den Star-Wars-Filmen verglichen wurde. Einer von Belichicks eigenen Spielern bezeichnete den Trainer und sein emotionsloses Auftreten einmal als "Darth Vader".

Vollmer: "Patriots spielen wieder eine Rolle"

Die ultimative Dynastie, die von einer etwas kleineren der Kansas City Chiefs beerbt wurde. Auch das Team von Quarterback Patrick Mahomes ging NFL-Fans bereits auf die Nerven. Doch nun ist ihre größte Angst wahr geworden. Die Patriots stehen nach dem 10:7-Erfolg gegen die Denver Broncos am Sonntag erneut im Super Bowl (8. Februar), womit vor der Saison niemand gerechnet hatte. Es ist die zwölfte Teilnahme der Franchise am Endspiel. NFL-Rekord. Das Imperium schlägt zurück.

"Die Saison hat gezeigt: die Patriots sind zurück - unabhängig davon, wer im Super Bowl am Ende die Nase vorne hat", sagt Sebastian Vollmer gegenüber ntv.de. Der ehemalige NFL-Profi spielte von 2009 bis 2016 für New England und schickt nun eine Warnung an den Rest der Liga: "Nach dem Ende der Ära Brady/Belichick und dem großen Umbruch im Team, haben die Patriots mit Head Coach Mike Vrabel und Quarterback Drake Maye den Umbruch geschafft und werden in den nächsten Jahren wieder eine Rolle spielen in der NFL."

New England ist tot, lang lebe New England. Ein beinahe nahtloser Übergang der Macht? Eine erneute Herrschaft der Patriots? Maye ist 23 Jahre alt und in seinem erst zweiten NFL-Jahr, wirkt auf dem Rasen aber schon so ruhig, abgeklärt und ausgefuchst, als hätte er bereits drei Super Bowls auf dem Buckel. Er dürfte bei den Patriots noch lange für Freude sorgen.

Beinharte Patriots-Defensive

Brady verließ das Team im Jahr 2020, Belichick wurde 2024 aus dem Amt gedrängt, nachdem die Mannschaft (kurz) in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt war. Coach Vrabel und Spielmacher Maye sind nun die Erlösung. Oder bald die neuen Feinde derjenigen NFL-Fans, die es nicht mit den Patriots halten.

Unter anderem dank Vollmer hat das Team in Deutschland jedoch auch viele Fürsprecher. "Der Erfolg macht die große Fan-Base der Patriots in Deutschland glücklich, die in den letzten Jahren sportlich nicht gerade verwöhnt wurden", sagt der Ex-Footballer und fügt an: "Die Entwicklung zeigt aber auch, warum die NFL als Liga so attraktiv ist."

Und tatsächlich gelang den Patriots eine saisonlange Wiederauferstehung, ein Turnaround, der selbst in der NFL normalerweise nicht so schnell gelingt. Sowohl Patriots-Fans als auch -Hasser hatten nicht an ein solch rapides Comeback geglaubt. Aus dem Niemandsland - in den beiden vergangenen Saisons gelangen New England jeweils nur 4 Siege bei 13 Pleiten - stieg das Team in den Super-Bowl-Olymp aus. Neben Vrabel und Maye, die zu den Favoriten für die Auszeichnungen "Trainer des Jahres" und "Wertvollster Spieler" gehören, vor allem wegen einer elitären und beinharten Defensive.

In einer unansehnlichen, defensiv ausgerichteten Schneeschlacht am Sonntag gegen die Broncos war es die Abwehr der Patriots, die den Gegner immer wieder aufhielt und zu Fehlern zwang. Sie hat in den drei Playoff-Spielen in diesem Jahr insgesamt lediglich 26 Punkte, also nicht einmal 9 pro Partie, abgegeben. So wenige wie niemand auf dem Weg zum Super Bowl seit mehr als einem Vierteljahrhundert.

Revanche und hohe Einschaltquoten

Im Angriff erlaubte sich Maye dagegen keinen Turnover. Als wäre er ein alter Hase, stellt der Youngster sein Spiel um, weil der Wurf nicht wirklich funktionieren wollte. Stattdessen lief er für 65 Yards und den einzigen Touchdown des Tages für die Patriots. Nun geht es im großen Endspiel in San Francisco gegen die Seattle Seahawks, die man im Super Bowl 2015 mit 28:24 dank eines der größten Fehler der neueren Super-Bowl-Geschichte besiegt hatte.

Die TV-Macher dürften sich die Hände reiben. Nun gibt es die Möglichkeit zur großen Revanche und schließlich sind es gerade die nationalen Bösewichte wie die Patriots, die für hohe Einschaltquoten sorgen. Selbst neutrale Beobachter wollen unbedingt sehen, wie diese bestimmte Mannschaft geschlagen wird.

Im Star-Wars-Film "Das Imperium schlägt zurück" hockt Darth Vader in seiner kleinen Kammer und brütet über die lästige Rebellion nach. Plötzlich steigt Rauch auf, die bedrohliche, schwarze Maske senkt sich auf seinen deformierten Kopf - und geht raus, um die Welt zu zerstören.

Die New England Patriots haben lange genug gebrütet. Nun schlagen sie zurück, um der NFL erneut Angst und Schrecken einzujagen.

Quelle: ntv.de

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