"Das ist beschissen"Deutschland bekommt auf dem Weg ins EM-Halbfinale überraschend Schützenhilfe

Der deutschen Handball-Nationalmannschaft fehlt auf dem Weg ins EM-Halbfinale nur noch ein Punkt. Trotz der Niederlage Frankreichs bleibt die Aufgabe in der "Todesgruppe" aber enorm kompliziert.
Gute Nachrichten für die deutsche Handball-Nationalmannschaft: Durch die überraschende Pleite von Europameister Frankreich gegen Spanien 32:36 (14:20) benötigt das DHB-Team aus seinen beiden verbleibenden Hauptrundenspielen nur noch einen Punkt zum Einzug ins EM-Halbfinale.
Die deutsche Mannschaft, die Spanien in der Vorrunde 34:32 geschlagen hatten, spielt zum Abschluss des dritten Hauptrundenspieltags gegen Serienweltmeister Dänemark (20.30 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de). Ein Sieg würde gar den vorzeitigen Gruppensieg bescheren. Bei einer Niederlage gegen den großen Favoriten dürfte das Team von Bundestrainer Alfred Gislason im Hauptrundenfinale am Mittwoch gegen Frankreich nicht verlieren. Durch das Ergebnis steht schon fest, dass das DHB-Team mindestens im Spiel um Platz 5 steht.
Die Franzosen, die in ihrem zweiten Hauptrundenspiel beim 46:38 gegen Dänemark-Bezwinger Portugal ihren eigenen Torrekord eingestellt hatten, zeigten sich vor allem in der ersten Hälfte völlig indisponiert. So lag der Titelverteidiger schon nach 30 Minuten deutlich mit 14:20 zurück. Während sich bei Spanien Torwart Sergey Hernandez (SC Magdeburg) zu seiner besten Turnierleistung steigerte, bekam sein Gegenüber Charles Bolzinger bei einer Fangquote von 20 Prozent kaum mal eine Hand an den Ball. Seine Vorderleute schlossen nicht mal jeden zweiten Angriff mit einem Treffer ab.
Frankreich kommt nicht ran
Überragender Schütze der Spanier war Linksaußen Ian Barrufet, der bereits zur Halbzeit sieben Treffer erzielt hatte. Frankreichs Superstar Dika Mem war bis dahin mit allen seiner vier Wurfversuche gescheitert. Der zweite Durchgang begann mit einer Parade durch Frankreichs neuen Torwart Remi Desbonnet und einem Treffer durch Aymeric Minne, doch Spanien konnte zunächst sogar wieder auf sieben Tore davonziehen.
Doch dann riss bei den Spaniern der Faden und die in der ersten Hälfte arg geprügelten Franzosen kämpften sich - gestützt auf einen starken Desbonnet - wieder ran: Nach 45 Minuten hatten sie den Rückstand auf ein 23:25 verkürzt, wenig später war es sogar nur noch ein Tor Unterschied. Spanien berappelte sich jedoch wieder, Ian Barrufet traf nach 50 Minuten mit dem 29:25 zur ersten Vier-Tore-Führung seit längerer Zeit. Europameister Frankreich konnte zwar noch einmal auf zwei Tore stellen, doch durch den Siebenmeter-Treffer durch Aleix Gomez zum 33:28 war in der 56. Minute der französische Widerstand gebrochen. Bester Werfer der Partie war der Ex-Melsunger Barrufet mit zehn Treffern.
Gute Nachricht für Dänemark
Mit der Schlusssirene durften auch die dänischen Fans unter den 10.000 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen jubeln. Die Niederlage der Franzosen ist nämlich auch für Dänemark eine blendende Nachricht: Der vermeintlich unschlagbare Serien-Weltmeister, der nach einer überraschenden Vorrundenpleite gegen Portugal (29:31) ein Desaster fürchten musste, wäre bei einem Sieg gegen Deutschland durch die gewonnenen direkten Vergleiche gegen das DHB-Team und Frankreich (32:29) als erstes Team fürs Halbfinale qualifiziert.
"Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht. Das ist beschissen, aber so ist es nun mal", ärgerte sich Frankreichs Trainer Guillaume Gille. "Wir werden uns das Spiel zwischen Dänemark und Deutschland ansehen und hoffen, dass Dänemark gewinnt, damit wir am Mittwochabend gegen Deutschland ein Finale ums Weiterkommen haben. Aber natürlich hätten wir uns gewünscht, dass die Dinge anders gelaufen wären."
Die deutsche Mannschaft führt vor ihrem Duell mit Dänemark die zur "Todesgruppe" ausgerufene Hauptrundengruppe 1 mit sechs Punkten vor Dänemark und Frankreich (jeweils vier) an. Spanien sammelte durch den überraschenden Sieg nach zuvor zwei Niederlagen gegen Norwegen und Dänemark die ersten Punkte überhaupt und war schon vor dem Spiel ausgeschieden.