Norwegen verpasst SiegHandball-Star geht nach finalem Fehlwurf auf Mitspieler los

Norwegen hat bei der Handball-EM noch eine theoretische Chance auf den Einzug ins Halbfinale, doch ganz am Ende eines Krimis werfen die Skandinavier einen Punkt weg. Ihren Topstar Sander Sagosen macht das rasend.
Die letzten Sekunden des Handballkrimis seiner Norweger gegen Portugal hat sich Topstar Sander Sagosen offenbar ganz anders vorgestellt: Sein Torwart Torbjörn Bergerud hat den letzten Angriff der Portugiesen entschärft, Norwegen hat mit dem letzten Angriff beim Stand von 35:35 die große Chance auf den zweiten Sieg in der Hauptrunde. Trainer Jonas Wille nimmt die Auszeit, mit 17 Sekunden auf der Uhr und einem letzten Spielzug im Kopf startet Regisseur Sagosen ins Finale eines dramatischen Spiels. Der Ball gelangt in den linken Rückraum zu Simen Lyse, der Hüne von Paris St. Germain steigt hoch - und wirft den Ball so unplatziert aufs Tor, dass Diogo Valério kaum anders kann, als ihn zu halten. So bleibt es für Norwegen beim 35:35 (18:17). Und Sander Sagosen ist sehr wütend.
Die Schlusssirene war noch nicht ganz verklungen, da stürmte der einstige Profi des THW Kiel fassungslos auf seinen Mitspieler los, redete lautstark auf ihn ein und bekam sich auch nach mehreren Sekunden nicht wieder ein. Als sich die Spieler beider Teams zur Verabschiedung aufstellen mussten, trottete Sagosen, immer noch sichtbar geladen, kopfschüttelnd davon und ließ den unglücklichen Lyse zurück.
Teurer Punktverlust
Gestenreich erklärte der Teamkollege des deutschen Spielmachers Juri Knorr in Aalborg dabei weiterhin verschiedenen Mitspielern, was Lyse aus seiner Sicht in den letzten Sekunden alles falsch gemacht hatte. Als der Rest seiner Mannschaft schon verschwunden war, sortierte sich der aufgeregte Rechtshänder noch an der Bank der Norweger, ehe ihn ein Betreuer mitnahm.
Lyse entschuldigte sich später für die Situation: "Es war ein Missverständnis", sagt er gegenüber "Dagbladet" und übernahm die Verantwortung. "Es war mein Fehler."
"Sind sehr enttäuscht"
"Wir sind sehr enttäuscht, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass wir besser hätten spielen können, um ein besseres Ergebnis zu erzielen", sagte der starke Torwart Bergerud. Sein Trainer Jonas WIlle war ebenso unzufrieden: "Wir lagen mit drei Toren zurück und haben es geschafft, einen Punkt zu holen. Aber am Ende hatten wir den Ball und waren natürlich etwas enttäuscht, dass wir den letzten Treffer nicht erzielt haben." Trotz des Ärgers der Norweger waren auch die Portugiesen, die sich von der schweren Demütigung durch Frankreich (38:46) erholt zeigten, unglücklich über den Ausgang: "Ich halte das Ergebnis für gerecht", sagte Topstar Francisco Costa, "aber wir sind damit nicht zufrieden."
Durch den Punktverlust ist die letzte Hoffnung beider Teams auf den Einzug ins Halbfinale nur noch theoretischer Natur. Mit nur drei Zählern können beide Nationen nicht mehr an Spitzenreiter Deutschland (6 Punkte) vorbeiziehen, der am Abend (20.30 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de) mit einem Sieg gegen die Dänen das Ticket für das Halbfinale lösen will. Zuvor treffen noch die Franzosen auf das bereits ausgeschiedene Spanien (18 Uhr). Bester Werfer des Spiels war der Portugiese Luís Frade mit elf Toren. Für Norwegen erzielte August Pedersen zehn Treffer.