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Dänemarks WM-Held nervt Schweden Die 14 Monster-Minuten des Niklas Landin

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Pure Weltklasse!

(Foto: imago images/Pixsell)

Dänemark verteidigt seinen Titel bei der Handball-Weltmeisterschaft. Und warum das so ist, das lässt sich ganz leicht beantworten: wegen Torwart Niklas Landin. Im Finale entnervt der Mann vom THW Kiel die schwedischen Schützen als unüberwindbare Mauer.

Andreas Palicka steht als bester Torhüter der Weltmeisterschaft in Ägypten im Allstar-Team, doch der Schwede war nicht der beste Torhüter im finalen Match der globalen Welttitelkämpfe im Schatten der Pyramiden. Die Kommission, die sich darum kümmert, die besten Akteure für jede Position zu bestimmen, hatte sich zu früh entschieden. Im WM-Endspiel stellte ein anderer Keeper eindrucksvoll unter Beweis, dass er der Beste ist. Der Welthandballer aus dem Jahr 2019 sorgte mit zahlreichen spektakulären Paraden in der zweiten Halbzeit dafür, dass Dänemark seinen Titel als Weltmeister verteidigte. Finalgegner Schweden scheiterte beim 24:26 (13:13) in der Schlussphase allein an Niklas Landin, dem Schlussmann des THW Kiel.

"Wir haben Kraftreserven gefunden, an die wir nicht mehr geglaubt haben", sagte Landin nach dem Triumph. Der Kapitän der dänischen Mannschaft hob sich während der 60 Minuten von allen anderen Spielern auf dem Feld ab, anschließend gab er sich als Teamplayer. "Der Sieg bedeutet mir unglaublich viel", erklärte Landin, ehe er den WM-Pokal nach einem Turnier entgegennahm, dem vorher prophezeit wurde, nicht durchführbar zu sein. Das vorhergesagte Chaos blieb aber aus, denn die vom Ausrichter Ägypten mit viel Aufwand errichtete WM-Blase zum Schutz vor Corona-Infektionen blieb dicht. "Wir werden von dieser Erfahrung profitieren, insbesondere bei den bevorstehenden Olympischen Spielen", lobte Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees.

Landin stand deshalb am letzten Turniertag in Kairo im Rampenlicht und nutzte die Aufmerksamkeit, um andere Akteure in den Vordergrund zu rücken. "Dieses Turnier wird als WM der jungen Leute in Erinnerung bleiben, die reingeworfen wurden und alles im Sturm erobert haben", lobte der Anführer im Tor die bis vor dem Turnier international unbekannten Kollegen. Linkshänder Mathias Gidsel und Kreisläufer Magnus Saugstrup waren gemeint, die sich im Verlauf der WM zu Korsettstangen im Team von Nikolaj Jacobsen entwickelten. Der wichtigste Akteur blieb aber Landin, der außerhalb des Handballfeldes ruhig und zurückhaltend ist. Im Torraum explodiert er während eines Matches regelmäßig.

Das Déjà-vu von Kairo bleibt aus

Die Schweden waren als Überraschungsfinalist mit viel Rückenwind, gegen den Weltmeister von 2019 aber trotzdem als leichter Außenseiter ins Endspiel gegangen. Und trotzdem gab es Phasen, in denen es wirkte, als könnten sie die Dänen in die Knie zwingen. Kurz vor der Pause führten das Drei-Kronen-Team mit 13:11, war in Überzahl, schaffte es aber nicht, eine Führung in die Halbzeit zu transportieren. Schweden, angeführt vom unermüdlichen und schlauen Spielmacher Jim Gottfridsson von der SG Flensburg-Handewitt, nutzte die eigenen guten Momente nicht konsequent genug aus. Der erste WM-Titel seit 1999 - damals übrigens in der gleichen Halle in Kairo gewonnen, in der sie diesmal knapp scheiterten - war möglich.

Der Mann, der in den vergangenen Jahren von einem Torhüter mit herausragenden Fähigkeiten zum besten Keeper seiner Zeit wurde, verhinderte das schwedische Märchen. Früh war Landins außergewöhnliches Talent sichtbar geworden, vor neun Jahren wechselte er in die Bundesliga zu den Rhein-Neckar Löwen. Auffällig war schon damals die seltene Kombination von Körperlänge - Landin misst 201 Zentimeter - und starken Reflexen.

Aber es dauerte ein paar Jahre, bis der Keeper, der 2015 zum THW Kiel gewechselt war, gelernt hatte, seine Fähigkeiten in den wichtigen Phasen einer Partie abzurufen. Seit jeher gilt im Spitzen-Handball die Regel, dass die besten Torhüter nicht zwingend die meisten Bälle halten, sondern die wichtigen. Inzwischen umweht den 32-Jährigen eine Aura, die den Schützen des Gegners Respekt einflößt. Ende Dezember sorgte er mit spektakulären Paraden im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona für den Kieler Erfolg in der europäischen Königsklasse, ein paar Wochen später entschied er das WM-Endspiel. Und zuvor schon das Viertelfinale gegen Ägypten - ein aberwitziges Drama.

Ab der 40. Minute steigerte sich Landin deutlich, insgesamt wehrte er in der zweiten Halbzeit zehn von 19 Würfen auf sein Tor ab und sorgte dafür, dass die Dänen aus einem 18:19 (41.) eine 23:20-Führung machten (49.). In den letzten 14 Minuten entnervte Landin die Schweden mit sieben Paraden - das war pure Weltklasse. In einem hochklassigen Endspiel reichte der daraus resultierender Drei-Tore-Vorsprung zum zweiten WM-Titel nach dem Erfolg bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land vor zwei Jahren.

"Niklas ist der Beste Torwart der Welt", sagte Mikkel Hansen. Der Superstar von Paris St. Germain, der schon drei Mal zum Welthandballer gekürt worden war, war mit sieben Treffern der beste Torschütze der Partie, er wurde später zum wertvollsten Spieler des Turniers gekürt - aber der geniale Rückraumspieler war sich bewusst, dass Landin mit seiner Leistung dafür gesorgt hatte, dass die Dänen ihren WM-Titel verteidigten.

Quelle: ntv.de

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