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Blut, Stürze und viel Kritik Die Tour de France startet unnötig brutal

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Schwer gezeichnet von seinem Sturz: Mitfavorit Jakob Fuglsang.

(Foto: imago images / Belga)

Mitfavorit Jakob Fuglsang erreicht blutüberströmt das Ziel. Auch Titelverteidiger Gerraint Thomas stürzt auf der ersten Etappe der Tour de France. Kurz vor dem finalen Sprint kommt es zu einem Massensturz. Grund dafür: eine unnötig brisante Streckenführung.

Titelverteidiger Geraint Thomas und der deutsche Topmann Emanuel Buchmann lagen mit diversen Kollegen am Boden, Mitfavorit Jakob Fuglsang strampelte blutüberströmt dem Feld hinterher: Schon auf der ersten Etappe hat die Tour de France ihr hässliches Gesicht gezeigt, nur mit viel Glück liefen üble Stürze glimpflich ab. Für Fahrer wie Tony Martin ist so ein Chaos wie im Finale von Brüssel ein hausgemachtes Problem. "Bei der Tour heißt es immer wieder Augen zu und durch. Es ist eines der wenigen Rennen, wo man als Fahrer sagt, da wird der Sturz halt mit einkalkuliert", hatte Martin unmittelbar vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt gesagt.

Als hätte es der Cottbuser geahnt, war Dylan Groenewegen, der Sprintstar des gemeinsamen Teams Jumbo-Visma, am Samstag Opfer eines Massensturzes anderthalb Kilometer vor dem Ziel. Unter den betroffenen Profis war auch Ineos-Star Thomas. "Ich war zum Glück so langsam, dass ich einfach nur umgefallen bin", sagte der Waliser, nannte aber ein Zentralproblem: "Es war eng zwischen den Barrieren, man konnte nirgendwo hin." Auch Buchmann konnte Entwarnung geben: "Es sollte nichts Schlimmeres passiert sein."

Doch dass die Klassementfahrer schon früh körperlich in Gefahr geraten, auch durch eine hibbelige Streckenführung mit vier scharfen Kurven auf den letzten vier Kilometern, ist besorgniserregend. Zumal kurz hinter der Sturzstelle ein Gendarm in der Fahrlinie stand. "Die haben ein paar Fallen eingebaut, sodass es immer sehr nervös war", meinte Buchmanns Teamkollege Maximilian Schachmann. Obwohl Martins Team durch Mike Teunissen den Auftaktsieg abräumte, stand dem deutschen Routinier der Schreck ins Gesicht geschrieben: "Es war ein sehr unglücklicher Sturz. Ich konnte mich noch irgendwie retten", sagte der viermalige Zeitfahr-Weltmeister.

Da redet man gegen die Wand"

Martin selbst war auf der ersten Etappe in den Crash verwickelt, nach dem Fuglsang aussah wie nach einer üblen Kneipenschlägerei. Eine klaffende Wunde über dem Auge musste mit vier Stichen genäht werden - gebrochen war zum Glück nichts. Martin ist seit langem ein vehementer Kämpfer für größere Sicherheit gerade bei der Tour, wo viel intensiver gefahren wird. Seine Predigten für unspektakulärere, gefahrlosere Streckenführungen verhallen aber oft. "Da habe ich schon ein bisschen resigniert. Ich kann es nur immer wieder anmerken. Auch was ich jetzt wieder bei der Ster ZLM Toer (Etappenrennen in den Niederlanden, d. Red.) gesehen habe, da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Da redet man ein wenig gegen die Wand."

Ein typisches Beispiel für den zeitweiligen Irrsinn bei der Tour, dem fraglos bestorganisierten Rennen der Saison, hat Martin parat: "Letztes Jahr haben wir eine große, breite Straße verlassen, damit wir durch drei Kreisverkehre wieder auf die große Straße fahren. Das muss wirklich nicht sein." Auf der dritten Etappe am Montag nach Epernay droht neues Ungemach. Das Finale wartet mit vier rechtwinkligen Kurven auf den letzten drei Kilometern auf, zwei davon in Kreisverkehren. Gesünder für das Peloton wäre es, wenn die knackigen Anstiege kurz vor dem Ziel einen Massensprint verhindern.

Quelle: n-tv.de, Christoph Leuchtenberg, sid

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