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Die Lügen der gefallenen Helden wirken nach Die doppelte Schuld der Generation Ullrich

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Damals glaubten sie noch, Epo könne nicht nachgewiesen werden: Zabel und Ullrich 2004.

(Foto: dpa)

Jan Ullrich hat mit Epo gedopt, Erik Zabel auch, mit ihnen das halbe Team Telekom von 1998 - zum Skandal taugt das nicht. Wohl aber das Schweigen und Dementieren, mit denen die gefallenen Helden Fans und aktuelle Fahrer hintergehen.

Die Epo-Enthüllungen um Jan Ullrich und Erik Zabel scheinen auf den ersten Blick nicht einmal ein Achselzucken wert. Überraschend wäre es gewesen, wenn der Bericht des französischen Senats die deutschen Rad-Idole entlastet hätte. Doch erwartungsgemäß finden sich ihre Namen auf einer Liste mit 57 Fahrern, die bei der Tour de France 1998 mit Epo gedopt waren. 189 Profis gingen an den Start, jeder Dritte half also mit Epo nach.

Viele Fahrer könnten also eine Beichte ablegen, vom System Epo erzählen. Nur: Sie wollen nicht. Und laden damit doppelte Schuld auf sich. Sie haben nicht nur betrogen, sie schaden mit ihrem Schweigen auch noch ihrem Sport und den heutigen Sportlern.

Gestern Doper, heute Funktionäre

Georg Totschnig fuhr die Tour 1998 im Team Telekom. Wie es damals zuging, will er nicht verraten: "Ach, die alten Geschichten. Dazu will ich nichts sagen", erklärt er gegenüber n-tv.de. Seine ehemaligen Kollegen Ullrich und Zabel sind nun überführt, genau wie Jens Heppner. Der arbeitet heute als Sportdirektor beim Team Netapp-Endura - und wird dort auch weiterhin arbeiten, wie die Mannschaft mitteilt: "Diese nachträglichen Test stehen in keinem Zusammenhang mit unserem Team."

Eine groteske Aussage, die das große Problem des Radsports offenbart: Solange die Doping-Vergangenheit nicht aufgearbeitet ist, gibt es keinen neuen Anfang. Etliche Funktionäre, die als Fahrer selbst unter Verdacht gerieten, blockieren eine Aufarbeitung. Bjarne Riis etwa, heute sportlicher Leiter beim Team Saxo Bank. Oder eben Jens Heppner, der Dopingvorwürfe immer bestritten hatte. Solange sie schweigen über das Doping von gestern, wie sollen ihre Fahrer das Vertrauen der Fans gewinnen?

Selbst die Geständnisse sind Lügen

Christopher Froome, überlegener Tour-Sieger in diesem Jahr, beklagte sich über die lauten Zweifel an seinen Leistungen. Er machte vor allem die Presse dafür verantwortlich. Der deutsche Sprinter Marcel Kittel dagegen lenkte die Aufmerksamkeit auf die Mitschuld eines einstigen deutschen Idols: Jan Ullrich solle endlich ein umfassendes Doping-Geständnis ablegen, forderte Kittel in der "Süddeutschen Zeitung": "Es kann doch für ihn nur die beste Lösung sein, dass er so für sich mal seinen Frieden findet." Was Kittel nicht sagte: Es wäre auch für ihn die beste Lösung.  Denn so stark sich Kittel auch für harte Maßnahmen gegen Doping ausspricht, an einen sauberen Radsport glauben die Wenigsten.

Denn was Fans und Experten hören, sind immer neue Nachrichten über gedopte Helden von einst. Was sie sehen, sind angeblich reumütige Fahrer, die Doping zugeben - jedenfalls wenn das Vergehen mittlerweile verjährt ist. So wie Erik Zabel, der 2007 unter Tränen sagte, er habe Epo "einmal" genommen, und dann abgesetzt. Eine Lüge, wie sich heute herausstellte.

Der Bruch fehlt

Es sind Fahrer wie Zabel, die offen sagen müssen, wie damals gedopt wurde - damit die Fans besser beurteilen können, was sich seitdem geändert hat. Es sind Funktionäre wie Heppner, die offen mit der Vergangenheit umgehen müssen, damit sie heute keine Schatten mehr auf ihre Fahrer werfen.

Wobei die aktuellen Fahrer, auch das sei erwähnt, nicht ganz unschuldig sind am Generalverdacht: Die Fahrergewerkschaft Cpa hatte versucht, die Veröffentlichung der Namen der gedopten Fahrer zu verhindern. Ein Bruch mit dem alten System sieht anders aus. Aber den braucht es, wenn der Radsport aus dem Schatten von Ullrich, Zabel und Co. entkommen will.

Quelle: n-tv.de

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