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Dartsprofi Max Hopp im Interview "Die fitten Athleten werden sich durchsetzen"

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Max Hopp darf in der Darts-Premier-League antreten.

(Foto: imago/Agentur 54 Grad)

Es ist die bislang größte Bühne auf der sich Dartsprofi Max Hopp beweisen darf. In Berlin gibt er am Abend sein Debüt in der Premier League. Mit n-tv.de spricht der höchstplatzierte Deutsche über die Elite-Liga, sein Leben als Profispieler und warum er so oft im Fitnessstudio trainiert.

Herr Hopp, Sie geben nun Ihr Debüt in der Premier League, nehmen als Ersatzspieler aber nicht am Ausscheidungskampf für die Playoffs teil. Was für ein Ziel haben Sie sich gesetzt?

Max Hopp: Man nimmt sich natürlich immer vor, zu gewinnen. Für mich ist das eine tolle Gelegenheit, Premier-League-Erfahrung zu sammeln. Viele Spieler beschreiben die Premier League als sehr hart – vor allem auch den Umgang miteinander. Die Premier League im Darts ist vergleichbar mit der Champions League im Fußball. Wer hier mitspielt, gehört zu den Besten der Besten. Der Titel in der Premier League ist nach dem WM-Titel der zweitwichtigste.

Sie treffen auf den fünfmaligen Weltmeister Raymond van Barneveld, der sich gerade auf seinem Abschiedsjahr befindet. Wie schätzen Sie Ihre Chancen in diesem Duell ein?

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Ich halte ihn für schlagbar. Wenn man sich die Tabelle anschaut, gehört er nicht zu den absoluten Top-Spielern der Premier League (Platz 33, Anm.d.Red.). Dass ich ihn bereits in meiner Karriere besiegt habe, zeigt mir, dass das möglich ist. Zumal ich den Heimvorteil habe. Ich bin immer noch einen Tick stärker, wenn ich weiß, dass rund 80 Prozent der 12.000 Zuschauer auf meiner Seite sind und mich notfalls zum Sieg peitschen.

Sie stehen in der Weltrangliste auf Platz 29. Welche Position trauen Sie sich langfristig zu?

Ich habe mir das Ziel gesetzt, nach der Weltmeisterschaft zu den Top-20 zu zählen. Langfristig strebe ich die Top-16 an. Vom Potential würde ich mir auch einen Platz unter den ersten Zehn zutrauen. Aber ich möchte meine eigene Messlatte nicht zu hoch ansetzen.

Was unterscheidet einen Weltklassespieler wie die aktuelle Nummer ein Michael van Gerwen oder die zurückgetretene Darts-Legende Phil Taylor von dem großen Rest?

Ein Michael van Gerwen oder ein Phil Taylor sind vom Typus her anders gepolt als 80 Prozent der übrigen Spieler. Phil Taylor war immer der brutale Arbeiter, der unzählige Stunden investiert und extrem akribisch gearbeitet hat. Michael van Gerwen ist mental sehr gefestigt und zudem hart zu sich selber. Viele andere Spieler suchen nach einer Niederlage Ausreden, begründen das zum Beispiel mit den Zuschauern oder den Gegebenheiten. Ein van Gerwen tut das nicht und ist brutal zu sich selber.

Woran zeigt sich das?

Wenn van Gerwen in ein Hotel kommt, steuert er sofort Richtung Trainingsraum. Er bekommt die Tür aufgehalten, sagt aber nicht einmal danke, knallt stattdessen sein Case hin, nimmt sich die Pfeile und legt los. Wenn er nicht sofort eine 180 wirft, schreit er laut herum und schlägt sich auf den Oberschenkel. Spieler wie er sind vom Ehrgeiz getrieben.

In Deutschland herrscht seit Jahren ein Darts-Boom. Verspüren Sie als bestplatzierter Deutscher dadurch einen besonderen Druck, dieser Euphorie gerecht zu werden?

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Martin Schindler gehört zu den besten Deutschen.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Nein. Für mich ist es eine Ehre, dass die Hoffnungen auf mir lasten. Ich bin von meinem Talent überzeugt, möchte weiter marschieren und andere deutsche Spieler wie Martin Schindler, Gabriel Clemens und Co. mitziehen. Die Entwicklung in Deutschland ist sehr positiv. Jedes Jahr kommen ein oder zwei Profis hinzu. Sollte ich einmal in der Position eines Michael van Gerwen sein, würde ich gerne Jugendzentren entwickeln und mein eigenes Wissen weitergeben, um die nächste Generation heran zu züchten. Die Engländer und Holländer haben uns noch einiges voraus. Es wird noch 10 oder 20 Jahre dauern, bis wir genauso viele Top-Spieler haben wie diese Länder.

Hat Darts Sie reich gemacht?

Nein, das wäre zu hoch gegriffen. Außenstehende sehen die schönen Preisgelder. Aber bei 208 Turniertagen entstehen auch hohe Reise- und Hotelkosten. Nicht jeder hat große Sponsoren, mit denen sich diese Ausgaben stemmen lassen. Zudem müssen wir alle Einnahmen in England und Deutschland versteuern. Daher brauche ich zwei Steuerberater, die ebenfalls Geld kosten. Ich kann gut vom Darts leben. Aber die Verdienstmöglichkeiten sind nicht wie im Fußball, Basketball, Tennis oder Golf.

Wo muss man in der Weltrangliste stehen, um von diesem Sport leben zu können?

Ich würde sagen, die Top-60 können davon leben, ohne am Existenzminimum zu kratzen. Dahinter wird es dünn.

Wie sieht der typische Trainingsalltag im Leben eines Dartsprofis aus?

Wenn ich nicht gerade unterwegs bin, stehe ich etwa um 8 Uhr auf. Nach dem Frühstück gehe ich in meinen Trainingsladen, wo ich bis zum Nachmittag trainiere. Ich trainiere meist alleine, weil es in meiner Umgebung keinen anderen Spieler gibt, der auf dem gleichen Niveau spielt. Ich habe aber einen digitalen Gegner, dessen Spielstärke ich einstellen kann.

Sie stehen also stundenlang alleine vor der Dartsscheibe und werfen Pfeile?

Genau. Es gibt verschiedene Trainingsspiele. Ich beginne zum Beispiel mit 3001 Double Out, um mein Scoring zu trainieren. Außerdem optimiere ich die Pfeile, schleife zum Beispiel die Spitzen oder tausche die Shafts hinten aus und versuche eine andere Länge – das ist Millimeterarbeit. Nach dem Training gehe ich für eine Stunde ins Fitnessstudio und vielleicht auch eine Runde zum Schwimmen. Abschließend kümmere ich mich um die geschäftlichen Aspekte, plane meine Reisen, kümmere mich um Projekte oder gebe Interviews.

Stichwort Fitness: Viele Dartsprofis sehen optisch alles andere als fit aus. Muss ein Darts-Profi überhaupt sportlich sein?

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Gary Anderson muss verletzt pausieren.

(Foto: dpa)

Das muss jeder für sich selber entscheiden. Eine Top-Athletik ist nicht erforderlich. Die mentale Stärke ist wichtiger. Mir tut es aber gut, wenn ich mich fit und gesund fühle. Aufgrund der vielen Termine haben wir eine hohe Belastung. Zudem stehen wir sehr viel. An Turniertagen werfen wir uns drei, vier Stunden warm. Dann beginnt der Wettkampf. Man spielt acht oder neun Stunden, an Finaltagen vielleicht sogar 13 Stunden. Gerade die Arme, der Rücken und die Beine sollten trainiert sein. Viele Darts-Profis schädigen durch ihren Stand ihren Rücken. Ein gutes Beispiel dafür ist Gary Anderson …

… wegen dessen Verletzungspause Sie bei der Premier League in Berlin an den Start gehen.

Genau. Trotz seiner Physiotherapeuten musste er nach über 20 Jahren Profilaufbahn eine Auszeit nehmen, weil er sich durch seinen Stand und die vielen Spiele seinen Rücken kaputt gemacht hat. Daher musste er nun die Premier League absagen. Das zeigt: Wer sich auf eine lange Profikarriere einstellt, sollte seinen Rücken stabilisieren. Ich glaube, dass sich langfristig die fitten Athleten durchsetzen werden.

Mit Max Hopp sprach Oliver Jensen

Quelle: n-tv.de

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