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Reporterin über Exklusiv-Besuch "Dieses Bild von Daum wurde uns verboten"

Für Christoph Daum ist es der Super-GAU: Am 21. Oktober 2000 gibt Bayer Leverkusen die Trennung vom Erfolgscoach bekannt, nachdem dieser eine positive Haarprobe abgeliefert hatte und ihm Kokain-Konsum nachgewiesen wurde. Alle Pläne des Deutschen Fußball-Bundes, den damals 46-Jährigen zum Chefcoach zu befördern, sind damit obsolet. Daum avanciert zum "Um-ein-Haar-Bundestrainer". Er flieht nach seiner legendären Pressekonferenz vor der deutschen Öffentlichkeit nach Florida. RTL-Reporterin Ulrike von der Groeben darf ihn damals als einzige Medienvertreterin aus Deutschland besuchen. Heute erinnert sie sich vor allem an einen Spaziergang.

"Ich kann mich natürlich noch sehr, sehr gut an den legendären Tag erinnern, an dem Christoph Daum diese verhängnisvolle Haarprobe abgegeben hat. Jeder im Land. Ich verbinde mit dieser ganzen Geschichte aber auch noch was sehr Persönliches, denn aus irgendwelchen mir immer noch nicht ganz bekannten Gründen hat Christoph Daum ausgerechnet mich als einzige deutsche Journalistin nach Florida beordert.

Er hatte sich bei mir gemeldet, nachdem er nach der Pressekonferenz abgetaucht war. Wir Journalisten wussten alle nur, dass er irgendwo in Florida ist, aber keiner hatte eine Verbindung. Wir alle haben versucht, über seinen Anwalt und Berater und wen auch immer an ihn heranzukommen, an seine Nummer. Aber da ging gar nichts mehr. Dann irgendwann ereilte mich der Anruf und es hieß: Ulrike komm, Christoph wird dir ein Interview geben. Das fanden wir natürlich alle sehr cool. Ich persönlich fühlte mich auch ein bisschen stolz, fragte mich aber die ganze Zeit: warum ich?

Und dann kam ich schließlich in Florida an. Aber auch Christoph Daum konnte mir die Frage eigentlich nur mit einem Satz beantworten. "Ulrike", hat er gesagt. "Wir kennen uns schon lange und du hast mich immer sehr fair behandelt, klar und offen." Ich wusste allerdings, dass zig Kollegen das genauso gemacht hatten. Aber wie auch immer, ich ging mit ihm an dem Ort spazieren, an dem er sich versteckt hatte.

"Wir alle fanden das ganz großartig"

Das war so eine Art nachgebautes Disneyland. Also lauter so alte Häuschen, wie in den Filmen. Und weil es schon auf die Weihnachtszeit zuging, hatte man sich etwas ganz Lustiges sich einfallen lassen - nämlich Schneekanonen. Also Kunstschnee über diese Allee, durch dieses kleine künstliche Dorf. Und ich wandelte mit Christoph Daum und unterhielt mich mit ihm in diesem Schneegestöber - über seine Kokain-Affäre. Das fand der Kameramann natürlich sehr lustig, wir alle fanden das ganz großartig. Leider Gottes wurde es uns nachher verboten, dieses Bild zu verwenden. Eigentlich sehr schade. Es hätte sicherlich auch heute noch sehr viele Lacher provoziert.

Christoph Daum hat damals auf der Pressekonferenz versucht, sich mit viel Humor und ein bisschen ironisch-satirisch zu dieser Geschichte zu äußern. Mein persönlicher Eindruck war auch in Florida, dass er noch lange Zeit überhaupt nicht gewusst hat, was da in ihm vorgegangen ist, warum er die Probe hat machen lassen, wie er mit der Situation umgehen soll. Er kam mir vor wie ein Mensch, der eins weiß: Dass er einen großen Fehler gemacht hat - und dass er vielen Menschen wehgetan hat. Aber zu dem frühen Zeitpunkt wusste er noch überhaupt nicht, wie er das handhaben soll. Gott sei Dank hat sich das inzwischen gelegt. Jetzt hat das verarbeitet. Spätestens in seinem Buch.

Quelle: ntv.de, tno/mra