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Realitätsverlust in Wimbledon Djokovic siegt dank Trick im epischen Duell

Nach fast fünf Stunden fällt die Entscheidung erst im neu eingeführten Match-Tiebreak: Das Wimbledon-Finale zwischen Novak Djokovic und Roger Federer geht in die Tennis-Geschichte ein. Der Serbe triumphiert zum fünften Mal - auch, weil er sich während des Gigantenduells selbst überlistet.

Novak Djokovic hat einen Trick. Als sein episches Finalduell mit Roger Federer dem dramatischen Höhepunkt entgegen steuerte, der Centre Court von Wimbledon brodelte und das Publikum seinen Rivalen aufgekratzt nach vorne schrie - in genau diesem Moment verdrehte der Serbe einfach die Realität. "Wenn sie rufen 'Ro-ger, Ro-ger', dann höre ich 'No-vak, No-vak'", verriet Djokovic nach seinem Triumph im längsten Endspiel der Turniergeschichte: "Es klingt komisch, aber so ist es. Ich überzeuge mich selbst davon, dass es so ist."

Schließlich kennt Djokovic das Phänomen. Zusammen mit Federer schrieb er in Wimbledon ein weiteres Kapitel Tennis-Geschichte. In einem fast fünfstündigen Final-Krimi für die Ewigkeit feierte er seinen 16. Grand-Slam-Titel und wehrte dabei unter anderem als erster Sieger seit 1960 Matchbälle ab. Er hat nunmehr vier der letzten fünf Majors gewonnen, ist Weltranglistenerster und zurzeit der beste Tennisspieler des Planeten. Die Sympathien des Anhangs gehören dennoch anderen.

"Enttäuscht, traurig, wütend"

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Geliebt wird "Robotovic", der unheimlich nervenstarke Dominator, vom Publikum nicht. Zumindest nicht so wie der am Sonntag tragische Held Federer, der in seinem "Wohnzimmer" auf dem Centre Court von Wimbledon eine der bittersten Niederlagen seiner mehr als 20-jährigen Tennis-Laufbahn kassierte. "Enttäuscht, traurig, wütend. Ich weiß gar nicht, was ich im Moment fühle", sagte der Rekordchampion hinterher: "Ich fühle auf jeden Fall, dass ich eine so unglaubliche Chance liegen lassen habe, dass ich es kaum glauben kann."

In einem denkwürdigen fünften Satz hatte Federer beim Stand von 9:8 bereits wie der sichere Sieger ausgesehen. Doch bei eigenem Aufschlag vergab der 37-Jährige zwei Matchbälle. Es kam zur Premiere des erst in diesem Jahr eingeführten Match-Tiebreaks. Und wie in den beiden anderen Tiebreaks der Partie musste sich Federer am Ende knapp geschlagen geben. Mit 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6, 13:12 (7:3) behielt Djokovic die Oberhand und durfte zum fünften Mal sein traditionelles Jubel-Zeremoniell mitsamt Kostprobe vom Heiligen Rasen und Kuss für den goldenen Siegerpokal abhalten.

"Ich war immer der Sieger"

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Federer will sich von der Niederlage nicht zu lange fertigmachen lassen.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Federer dagegen muss in seiner an großen Siegen so reichen Karriere nun einmal mehr einen Weg finden, mit einer großen Niederlage umzugehen. Wie schon 2008 im jetzt nur noch zweitlängsten Wimbledonfinale gegen seinen anderen Dauerrivalen Rafael Nadal, oder wie 2014 und 2015 nach den Endspielen gegen Djokovic. "Ich werde mich nicht deprimieren lassen von einem eigentlich ja großartigen Tennismatch", beschied Federer zwar entschlossen und kündigte an, schon bald "das Positive" aus der Niederlage ziehen zu wollen. Allerdings gab er auch zu: "Momentan tut es weh. Aber das sollte es auch."

Vielleicht sollte sich Federer beim Verarbeitungsprozess ein Beispiel an Djokovic und dessen Kunst der Autosuggestion nehmen. Von der "Kraft der Visualisierung", sprach dieser nach seinem Triumph und erzählte, wie er schon vor dem Match "im Kopf alle Szenarien", ja sogar "jede mögliche Variante des Matches" durchgespielt habe. "In meiner Vorstellung war ich dabei immer der Sieger", sagte Djokovic grinsend. Auch dieser Trick hat offenbar funktioniert.

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Quelle: n-tv.de, Pirmin Closse, sid

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