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"Die Mädels musst du schocken" Dreispringerin Gierisch ist völlig verzaubert

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Erfolgreiche Wettkampftaktik: Kristin Gierisch.

picture alliance/dpa

Gleich als erste muss Dreispringerin Kristin Gierisch im Finale bei der Leichtathletik-EM in Berlin ran. Sie schockt die Konkurrenz mit einem Sprung zur persönlichen Bestleistung. Und träumt jetzt mit EM-Silber um den Hals vom deutschen Rekord.

"Ich fühle mich wie verzaubert. Verzaubert von Berlin, verzaubert von der Stimmung, verzaubert von der Medaille. Es ist einfach unglaublich." Kristin Gierisch ist hör- und sichtbar euphorisiert. Die Chemnitzerin darf ihre erste internationale Freiluft-Medaille feiern, gewinnt Silber bei der Leichtathletik-EM in Berlin. "Hätte mir das jemand im Vorfeld gesagt, ich hätte den Vertrag sofort unterschrieben. Es ist wie ein Traum."

Ein Traum, der früh Realität zu werden scheint, sehr früh. Als erste muss sie im Finale auf die Anlaufbahn, eine Rolle, die ihr sonst überhaupt nicht zusagt. "Einen Wettkampf zu eröffnen finde ich prinzipiell scheiße, wirklich, ich hasse das. Aber Berlin war so dankbar, die haben mich gleich unterstützt, danke an dieser Stelle", sagt die 27-Jährige. Danke, weil diesmal alles anders kommt als befürchtet. Anlauf, Hop, Step, Jump – und dann fliegt sie. Kaum in der Sandgrube hüpft die Blondine schon wieder auf, schreit einmal laut vor Freude, springt umher, jubelt und muss dann einen Moment warten. Das Ergebnis: 14,45 Meter, damit steigert sie ihre erst im Juni aufgestellte persönliche Bestleistung um drei Zentimeter.

Ihre Taktik geht damit voll auf: "Ich wusste, die Mädels musst du schocken. Du musst denen etwas vorsetzen, dann ist bei denen Feierabend." Tatsächlich kann Gierisch nur noch von der Favoritin Paraskevi Papahristou aus Griechenland vom obersten Podest verdrängt werden, die im zweiten Versuch 14,60 Meter springt. Bronze geht an die Spanierin Ana Peleteiro, die zweite Deutsche, Neele Eckhardt wird Zehnte (14,01 Meter).

Gierisch strebt nach dem deutschen Rekord

Dabei wird es im sechsten und letzten Durchgang noch einmal unglaublich knapp. Peleteiro haut nochmal einen Sprung raus, bange Sekunden starren die Fans von Gierisch auf die Anzeigetafel. Dann die – aus deutscher Sicht – Erleichterung: 14,44 Meter, ein Zentimeter trennt die Bronzemedaillen-Gewinnerin von Gierisch. Die übrigens offenbar als eine der wenigen im Stadion völlig entspannt in dieser Situation bleibt: "Wäre sie (die Spanierin) das gesprungen, wäre ich im letzten Versuch noch mal weiter", so die Sächsin selbstbewusst.

Und doch kann Gierisch, die schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit ihrem Trainer Harry Marusch ein eingeschworenes Team bildet, ihre Silbermedaille kaum glauben: "Man reist als Fünfte her und auf einmal wird man wirklich Zweite." Der Leistung hat es nicht geschadet, dass "Kiri", wie sie von allen genannt wird, vor Aufregung nur etwa drei Stunden geschlafen hat. Und sie weiß: "Diese Nacht wird nicht anders werden." Gemeinsam mit ihrem Freund, ihren Eltern und Freunden sowie den anderen deutschen Medaillengewinnerinnen des Abends – es gab noch Gold im Speerwurf für Christin Hussong, sowie jeweils Bronze für Siebenkämpferin Carolin Schäfer und für Hochspringerin Marie Laurence Jungfleisch – soll gefeiert werden.

Doch trotz aller Freude über diese Freiluft-Medaille – sie ist bereits Hallen-Vizeweltmeisterin sowie Hallen-Europameisterin – bleibt vor allem ein Ansporn: "Da fehlt ja noch der deutsche Rekord. Den wollte ich heute eigentlich, aber es hat nicht sollen sein." Der gehört (noch) Katja Demut, datiert aus dem Jahr 2011 und liegt bei 14,57 Meter. Gierisch springt sich heran. Und sagt kess und mit einem breiten Grinsen: "Also ich will ja in die Geschichte eingehen! Ich mache das hier ja nicht nur so zur Dumdideldei, ich will Spuren hinterlassen." Das hat sie an diesem Abend bereits geschafft.

Quelle: n-tv.de

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