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Durant-Coup sorgt für Spannung Superstar-Transfers erschüttern die NBA

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Kevin Durant (links) wechselt zu den Brooklyn Nets und macht die NBA dadurch ausgeglichener und spannender.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Ein verrückter erster Trade-Tag in der NBA: Die Superstars Kevin Durant und Kyrie Irving spielen künftig für die Brooklyn Nets. Die Wechsel machen den Verein, der vor einem Jahr noch am Boden war, zu einem Titelfavoriten. Dank weiterer Transfers gilt: Die NBA ist endlich wieder unvorhersehbar.

Seit einem Jahr zerreißt sich die NBA das Maul über Kevin Durant. Wird der Megastar wechseln? Wenn ja, wohin? Und welche Topspieler kann er um sich scharen? Genug geredet, jetzt ist endlich klar: "KD" unterschreibt bei den Brooklyn Nets für vier Jahre und 164 Millionen US-Dollar. Sein bester Mitspieler wird Point Guard Kyrie Irving, der für vier Jahre und 141 Millionen US-Dollar von den Boston Celtics kommt. Die Brooklyn Nets werden mit diesem Coup zu einem absoluten NBA-Powerhouse - nachdem sie jahrelang am Boden lagen.

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Der NBA steht eine komplett offene und spannende Spielzeit bevor. Der "Free Agency", erst seit gestern Abend (Ortszeit) dürfen Spieler wechseln, sei Dank. In irren sechs Stunden gehen gleich eine Reihe von Blockbuster-Transfers über die Bühne. Zur Einordnung: Es werden Verträge in der schwindelerregenden Höhe von insgesamt rund 2,5 Milliarden US-Dollar unterschrieben. Neben Durant und Irving wechseln noch einige anderen Spieler den Verein, aber der klare Gewinner heißt: Brooklyn Nets. Welch einen Coup die Nets landen, zeigen auch die Namen der Konkurrenten, die um die beiden Superstars buhlten: Die Boston Celtics, die Golden State Warriors, die Los Angeles Lakers und Clippers wollten alle einen oder beide für sich gewinnen.

Brooklyn Nets – die neuen Könige New Yorks

Seit der Neu-Gründung 2012 (bis dahin New Jersey Nets) steht das "andere" Team aus New York im Schatten der großen Knicks. Das will man in der Saison 2013/14 ändern und holt die Altstars Kevin Garnett, Paul Pierce und Jason Terry. Wechsel, die viel Geld und junge Talente kosten - und mächtig in die Hose gehen. Die Nets reißen nichts, die Altstars wandern wieder ab oder gehen in Rente. Das Team verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. In der Saison 2016/17 gewinnen die Nets nur 20 von 82 Ligaspielen. Ein Jahr später sind es gerade mal acht Spiele mehr. Nur einmal in zwölf Jahren erreicht der Verein die Playoffs, wird zur Lachnummer der NBA.

Dann kommt die Saison 2018/19. Dank geschickter Schachzüge schaffen es Vereinsführung und Trainer, aus dem Wrack wieder einen seetüchtigen Dreimaster zu bauen und mit einem jungen, talentierten Team in den Playoffs für Furore zu sorgen. Passenderweise erhalten sie nun drei neue Star-Spieler, denn zusätzlich zu Durant und Irving wechselt auch Dirk Nowitzkis Ex-Kollege DeAndre Jordan vom New Yorker Rivalen, den Knicks, nach Brooklyn. Für Jordan, einen guten Kumpel Durants, verzichten die beiden Megastars sogar auf vier bis fünf Millionen Dollar pro Jahr, da die Nets ihn sonst nicht hätten verpflichten können. Brooklyn, die jahrelange Lachnummer der NBA, wird auf einmal zum König der Weltmetropole New York, zum neuen Powerhouse im Osten – und zu einem ernstzunehmenden Titelkandidaten.

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Zwar geben die Nets mit D'Angelo Russell ihren besten Spieler der vergangenen Saison an Golden State ab, aber das junge, talentierte Team mit vielen Rollenspielern, die sich nicht zu schade sind, die Drecksarbeit zu machen und die Stars deshalb gerne um sich herum haben, bleibt bestehen. Die neue Spielkultur und der begabte Kader überzeugen schließlich auch Durant und Irving. In Brooklyn wollen die beiden Freunde (schon während des All-Star-Wochenendes wurden sie häufig zusammen beobachtet) endlich eine eigene Ära aufbauen. "KD" verlässt Golden State auch, weil er dort nie als der wichtigste Spieler und die Mannschaft stets als das Team von Stephen Curry angesehen wurde. Irving kommt frisch aus einer Horror-Saison bei den Boston Celtics, wo er nach einer Verletzung zwar zeigte, dass er einer der besten Guards der Liga ist, aber kein Anführer, der die unglaublich talentierten, jungen Celtics zum Erfolg führen kann. Genau wie bei den Cleveland Cavaliers mit LeBron James wird Irving bei den Nets nicht als Leader gebraucht. Das Team ist jetzt in der Hand von Kevin Durant, der schon immer sein eigenes Superstar-Ensemble anführen will. Eine perfekte Symbiose also. Irving kann sich wieder voll aufs Punktemachen konzentrieren und ein unaufhaltbares Duo mit Anführer Durant bilden. Einen Haken hat die Geschichte allerdings: "KD" zieht mit einem Achillessehnenriss gen Osten und wird die erste Saison seines neuen Vertrages fast komplett verpassen.

Das Ende der Warriors-Dynastie

Durants Wechsel läutet auch das Ende einer Ära ein. Fünf Jahre in Folge siegt Golden State im Westen und zieht ins NBA-Finale ein, holt dreimal den Titel. Das Team um Stephen Curry, Klay Thompson und, ab der Saison 2016/17, Kevin Durant galt als unschlagbar und eines der besten aller Zeiten. Jetzt ist Durant weg, Thompson fehlt mit einem verletzten Kreuzband für große Teile des nächsten Jahres und auch Altstar Andre Iguodala, seit 2013 ein Garant für den Warriors-Aufstieg, wird nun an die Memphis Grizzlies abgegeben. D'Angelo Russell soll den Vizemeister nun verjüngen und weiterhin titelfähig machen. Die Wechsel von Iguodala - er wird in Golden State geschätzt wie sonst nur Stephen Curry - und Russell ("Ich würde gerne in Brooklyn bleiben") zeigen auch, dass die NBA keine Zeit hat für Romantik. Es gilt: Business first.

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Durant und Irving spielten schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zusammen und gewannen die Goldmedaille.

(Foto: imago/UPI Photo)

Kräftig im Geschäft pokern auch die Lakers mit, seit sie zu LeBron James jüngst auch Anthony Davis holten. Zwar haben sie in den irren ersten Transferstunden noch keinen Spieler an Land gezogen, aber die Trades beeinflussen auch das Team aus Hollywood. LA will weitere Stars, das machen sie immer wieder klar. Kyrie Irving war eines der wichtigsten Ziele. Auch Kemba Walker von den Charlotte Hornets hätten sie gerne gehabt, aber der wechselt nun als Irving-Ersatz zu Boston. Genauso wie D'Angelo Russell gibt auch der umworbene Jimmy Butler den Lakers einen Korb und hofft, bei den Miami Heat der neue Dwyane Wade zu werden. Bleibt für LA eigentlich nur noch Kawhi Leonard. Der aktuell wohl beste Spieler der Welt hält sich ob seiner Free-Agent-Entscheidung aber weiterhin bedeckt. Er soll sich mit den Lakers und den Clippers treffen wollen, aber die letzte Chance, Kawhi in Gesprächen für sich zu gewinnen, hat sein aktuelles Team, die Champions aus Toronto.

Endlich wieder Spannung

Viermal hintereinander lautet zwischen 2015 und 2018 das Finale Warriors gegen Cavaliers, Golden State zieht 2019 sogar ein fünftes Mal in Folge ein. Jetzt ist die Warriors-Ära zu Ende, der Riese zeigte sich schon im Finale gegen die Raptors verletzlich. Gut möglich, dass auch mit Russell ein Playoff-Lauf gelingt. Aber anders als in den vergangenen Jahren ist das eben nicht schon vorher klar. Die Lakers mit James und Davis, das Team, das Kawhi Leonard verpflichtet und die neuen Könige New Yorks aus Brooklyn: Die NBA ist so ausgeglichen, offen und unvorhersehbar wie lange nicht. Hinzu kommen starke Teams in Boston, in Milwaukee und in Philadelpia. Jedes dieser Teams könnte nächstes Jahr den Titel gewinnen. Die "Free Agency" strotzt bereits am ersten Tag nur so vor Spannung und Action - die nächste NBA-Spielzeit wird das noch mal locker überbieten.

Quelle: n-tv.de

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