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Trauer um Karl Mildenberger "Ein Großer ist gegangen"

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Der Pfälzer war einer der größten deutschen Boxer. Im Frankfurter Waldstadion boxte er gegen Muhammad Ali.

picture alliance / --/dpa

Karl Mildenberger bietet Muhammad Ali fast zwölf Runden die Stirn. Drei Jahre lang ist der Pfälzer Europameister. Seine Karriere beendet er noch jung - und das ganz bewusst. Nun stirbt Mildenberger im Alter von 80 Jahren. Der deutsche Boxsport trauert um eine Legende.

Der Bund deutscher Berufsboxer (BdB) hat mit Bestürzung auf den Tod des früheren Europameisters Karl Mildenberger reagiert. "Das ist sehr traurig. Ein Großer ist gegangen. Mit dem Kampf gegen Ali hat er sich einen Platz in der Box-Geschichte gesichert", sagte BdB-Präsident Thomas Pütz und bestätigte damit Berichte mehrerer Zeitungen über den Tod des 80-Jährigen. Er starb am Freitag in einem Hospiz in seiner Heimatstadt Kaiserslautern.

Damit verlor das deutsche Boxen innerhalb von nur einer Woche eine weitere Legende. Erst am Montag war der ehemalige Weltmeister Graciano Rocchigiani bei einem Verkehrsunfall auf Sizilien ums Leben gekommen.

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Die ehemaligen Boxprofis Axel Schulz (r) und Karl Mildenberger sowie Patrizia Reich 2005.

(Foto: dpa)

Mildenberger war 1964 Europameister im Schwergewicht geworden und kämpfte zwei Jahre später am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion gegen Weltmeister Ali um den WM-Titel. Der Deutsche erhielt für seine Leistung gegen die Box-Legende aus den USA viel Anerkennung, verlor seinen berühmtesten Kampf seiner Karriere aber durch einen Abbruch des Ringrichters in der zwölften Runde, der ihn nach mehreren Kopftreffern aus dem Kampf nahm.

Den Fight hatte sich Mildenberger mehr als verdient. Vor der Begegnung mit Ali kämpfte er sich bis auf Rang vier der Weltrangliste vor. Er bekam die Chance seines Lebens. "Muhammad Ali ist und bleibt der beste Boxer aller Zeiten. Ich bin glücklich, dass ich gegen ihn boxen konnte", sagte Mildenberger später.

Niederlage macht Mildenberger zur Legende

Als es im Ring gegen Ali ernst wurde, war Mildenberger alles andere als Fallobst. Die Punktrichter sprachen ihm die fünfte und neunte Runde zu, ehe er doch der noch größeren Klasse seines hochfavorisierten Kontrahenten Tribut zollen musste. Ali war seinerzeit mächtig beeindruckt von seinem Rivalen. "Es war mein schwerster Fight seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston", sagte Ali.

"Wohl selten wurde ein k.o.-geschlagener Boxer im Triumphzug auf den Schultern aus dem Ring getragen", schrieb die "Frankfurter Neue Presse" damals und attestierte dem Außenseiter eine "Bravourleistung".

Die Bewohner seiner Heimatstadt ehrten Mildenbergers Leistung am Tag nach dem Fight mit einer ganz besonderen Geste. 30.000 Pfälzer bejubelten ihn, als er in einem offenen Cabrio fünf Kilometer quer durch Kaiserslautern fuhr.

"Zehn Jahre und nicht mehr"

Zwei Jahre später beendete er seine Karriere mit 31 Jahren, aber ganz bewusst: "Zehn Jahre und nicht mehr, das war für mich von Beginn an klar. Ich habe immer an meine Gesundheit gedacht und wollte auch weiter normal sprechen können."

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1964 in der Berliner Deutschlandhalle: Mildenberg holt sich den Titel des Europameisters im Schwergewicht nach nur 75 Sekunden gegen den Italiener Sante Amonti.

(Foto: picture alliance / dpa/A0009_dpa)

Zuvor hatte er seinen Gürtel als Europameister sechs Mal verteidigt zwischen 1965 bis 1967. In seinem letzten Boxer-Jahr eroberte er die Spitze der Weltrangliste. Insgesamt bestritt Mildenberger 62 Profi-Kämpfe, von denen er 53 gewann und sechs verlor. Drei Kämpfe endeten unentschieden.

"Die boxen doch nicht mehr richtig"

Bis zu seiner Pensionierung 2002 arbeitete der 1,87 m große Mildenberger als Bademeister. Noch zu seinem 70. Geburtstag wurde groß gefeiert, danach zog sich der Faustkämpfer im Ruhestand mit seiner Ehefrau zurück.

Selbst als Zuschauer zog es Mildenberger nicht mehr an den Boxring, seine Nachfolger gefielen ihm nicht: "Alles ist Spielerei, die boxen doch nicht mehr richtig. Das sind doch keine Kämpfe mehr", klagte der frühere Champion und dachte an glanzvollere Zeiten.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/SID

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