Sport

NBA-Star Maximilian Kleber "Eine Medaille bei der WM wäre geil"

imago41636829h.jpg

Sie die deutsche Basketball-Nationalmannschaft gut aufgestellt und hofft auf eine Medaille bei der WM in China: Maximilian Kleber im Vorbereitungsspiel gegen Schweden.

(Foto: imago images / Camera 4)

Er spielt in der NBA für die Dallas Mavericks und war Mannschaftskamerad von Dirk Nowitzki. Nun blickt Maximilian Kleber dem Auftaktspiel der Basketball-Weltmeisterschaft in China gegen Frankreich (Sonntag, 14.30 Uhr) entgegen. Im Interview mit n-tv.de spricht er über die Chancen der deutschen Nationalmannschaft, über Dirk Nowitzki und über das Leben in der besten Liga der Welt.

n-tv.de: Herr Kleber, Dirk Nowitzki bescheinigt der deutschen Nationalmannschaft den tiefsten Kader, den die DBB-Auswahl jemals besaß. Stimmen Sie Ihrem ehemaligen Mannschaftskameraden von den Dallas Mavericks zu?

Maximilian Kleber: Wir haben auf jeden Fall extrem viel Talent. Mit Dennis Schröder auf der Point-Guard-Position haben wir jemanden, der das Spiel für uns komplett organisieren kann. Das macht es für die Mitspieler leichter. Und dass wir auch auf den übrigen Positionen gut besetzt sind, ist kein Geheimnis.

In Dennis Schröder, Daniel Theis und Ihnen stehen drei deutsche NBA-Stars im WM-Aufgebot. Hinzu kommt unter anderem Paul Zipser, der bei den Chicago Bulls gespielt hat. Was ist mit dieser Mannschaft bei der WM in China möglich?

*Datenschutz

Möglich ist vieles, aber es muss eben alles zusammenpassen. Sobald es bei der Weltmeisterschaft ins K.o.-System geht, ist die Tagesform entscheidend. Aber klar: Wenn man bei einer Weltmeisterschaft mitspielt, möchte man etwas gewinnen. Eine Medaille wäre geil. Wie realistisch das ist, sehen wir dann.

Normalerweise sind die US-Amerikaner bei jeder Weltmeisterschaft der Top-Favorit. Diesmal allerdings sind viele NBA-Stars nicht mit dabei. Wer sind für Sie die heißesten Titelanwärter?

Die USA sind weiterhin der Top-Favorit. Sie haben zwar nicht die Top-Stars dabei. Aber wenn man sich den Kader anschaut, haben sie trotzdem eine extrem talentierte Mannschaft mit unglaublichen Einzelspielern. Die USA könnten auch mit der vierten oder fünften Mannschaft anreisen und wären trotzdem noch der Favorit.

Wie schätzen Sie die Vorrundengegner Frankreich, Dominikanische Republik und Jordanien ein?

Frankreich ist der Top-Gegner in unserer Gruppe. Vielleicht ist es gut, dass wir gleich zu Beginn des Turniers aufeinandertreffen. Da weiß noch niemand so genau, was der Gegner macht. Das müssen wir zu unserem Vorteil nutzen. Die Dominikanische Republik und Jordanien wiederum sind Gegner, gegen die wir einfach gewinnen müssen.

Lange gab es mit Dirk Nowitzki oder früher Detlef Schrempf lediglich einen Deutschen in der NBA. Mittlerweile sind sechs deutsche Profis in der stärksten Basketballliga der Welt vertreten. Wie erklären Sie sich den Aufschwung des deutschen Basketballs?

Ich denke, dass die Jugendarbeit in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist. Die Nachwuchsligen sind stärker, sodass die jungen Spieler mehr gepusht werden. Ich würde mir wünschen, dass die Deutschen in der Bundesliga noch mehr Einsatzzeit bekommen. Wir haben so viel Talent und so viele geile Spieler. Die Anzahl der deutschen NBA-Spieler zeigt, dass vieles richtig gemacht wurde.

Sie haben bis zum Jahre 2017 für den FC Bayern München in der Bundesliga gespielt und sind dann zu den Dallas Mavericks gewechselt. Wie groß ist der Sprung von einem europäischen Top-Verein zu einem NBA-Team?

imago41869349h.jpg

Deutschland auf Tour: Die Nationalspieler Robin Benzing, Maxi Kleber und Daniel Theis (v.l.) besuchen während der Vorbereitung auf die WM einen Tempel in Japan.

(Foto: imago images / kolbert-press)

Durch den Wechsel in die NBA verändert sich vieles. Ich habe dort natürlich eine andere Rolle, bin anders als in München nicht mehr der "Go-to-Guy". Zudem ist das Spiel völlig anders. Es gibt in der Verteidigung andere Regeln, man darf zum Beispiel nicht in der Zone parken. Dadurch hat der gegnerische Angriff mehr Freiräume und es ist viel schwieriger, die ganzen Offensivspieler zu verteidigen. Insgesamt ist das Niveau in der NBA noch einmal viel höher. Als deutscher Spieler muss man vor allem athletisch einen Schritt nach vorne machen.

Hinzu kommen die Reisestrapazen in der NBA…

Klar, wir haben 82 Saisonspiele und lange Anreisen zu den Auswärtsspielen. Aber die Dallas Mavericks haben einen Privatflieger, wodurch die Anreise zu einem Auswärtsspiel super angenehm ist. Wir müssen am Flughafen nicht anstehen, brauchen nicht auf den Koffer zu warten und sitzen im Flieger super bequem. Die Reisen sind sehr entspannt.

Inwiefern hat es Ihnen bei der Ankunft bei den Dallas Mavericks geholfen, in Dirk Nowitzki einen deutschen und vor allem sehr erfahrenen Mitspieler zu haben?

Das hat mir extrem geholfen. Dirk Nowitzki war in der Jugend immer ein Vorbild für mich. Als ich nach Dallas kam, haben wir noch vor dem ersten offiziellen Trainingstag viel zusammen trainiert. Nach dem Training saßen wir öfter zusammen und er hat mir erzählt, was mich in der NBA erwartet.

Warum ist Dirk Nowitzki weit über Dallas hinaus in den USA so beliebt?

imago41804117h.jpg

Slam Dunk: Kleber schließt im Vorbereitungsspiel gegen Tunesien spektakulär ab.

(Foto: imago images / kolbert-press)

Dirk ist ein untypischer Star, weil er total bodenständig ist und kein Problem damit hat, über sich selber zu lachen. Das wissen die Amerikaner sehr zu schätzen. Zudem ist er ein sehr fairer Sportsmann. Bei ihm kommen viele positive Dinge zusammen. Der Meisterschaftssieg mit den Mavericks in den NBA Finals 2011 war eine der geilsten Geschichten überhaupt, weil Dirk ein Underdog-Team zum Titel geführt hat. Alle Menschen in Dallas kennen und lieben Dirk.

Der Basketball hat in den USA zuletzt vor allem durch die vielen Trades für Schlagzeilen gesorgt. Wie empfinden Sie es als Spieler, dass Sie jederzeit zu einem anderen Team geschickt werden könnten und keinen Einfluss darauf haben?

Das gehört zum Geschäft. Wenn man sich wohlfühlt, möchte man natürlich gerne bei seinem Team bleiben, hat aber keinen Einfluss darauf. Als Spieler schaut man natürlich sehr auf die eigene Karriere. Daher wird den Spielern in der NBA gerne vorgeworfen, dass sie nur auf sich bedacht sind. Aber letztendlich ist die NBA ein knallhartes Business und die Teams sind nicht anders.

Ein großes Thema sind auch die Mega-Gehälter der Superstars. Stand heute kassieren in der Saison 2019/20 fünf Spieler ein durchschnittliches Jahresgehalt von über 40 Millionen US-Dollar. Selbst Durchschnittsspieler verdienen in der NBA vielfach zweistellige Millionen-Gehälter. In Deutschland werden solche astronomischen Gehälter eher kritisch gesehen. Wie ist die öffentliche Sichtweise in den USA?

Wenn jemand einen riesigen Vertrag unterschreibt, liest man in den USA eigentlich nur: Glückwunsch, das hast du verdient! Natürlich sind die Gehälter mittlerweile sehr extrem. Aber in den USA wird so etwas mehr akzeptiert als in Deutschland. Unter uns Spielern werden die finanziellen Themen ohnehin nicht groß thematisiert. Das einzige, worüber einige Spieler gerne mal quatschen, sind schicke Uhren.

Auch Sie haben im Sommer einen neuen Vertrag unterzeichnet und verdienen in den kommenden vier Jahren 35,9 Millionen US-Dollar. Verändert sich dadurch auch Ihre Rolle im Team?

*Datenschutz

Natürlich ist das eine Wertschätzung, über die ich sehr glücklich bin. Das zeigt, dass der Trainerstab mit meinen Leistungen zufrieden war. Meine Rolle dürfte allerdings ähnlich wie vergangene Saison sein. Auch da stand ich pro Spiel durchschnittlich 20 Minuten auf dem Feld.

Die NBA wurde in den letzten Jahren meist von den Golden State Warriors und vergangene Saison von den Toronto Raptors dominiert. Haben sich die Kräfteverhältnisse durch die vielen Spielerwechsel nun verschoben?

Ich denke, dass die NBA insgesamt etwas ausgeglichener sein wird. Es wird interessant zu beobachten sein, wie zum Beispiel bei den Houston Rockets der Top-Star James Harden mit dem Neuzugang Russell Westbrook zusammenpasst. Ansonsten sehe ich die Los Angeles Clippers sehr stark. Die sind verteidigungstechnisch extrem gut aufgestellt und haben mit Paul George und Kawhi Leonard auch im Angriff zwei extrem starke Spieler. Auch die Los Angeles Lakers sind mit LeBron James natürlich immer vorne dabei.

Und was ist mit Ihren Dallas Mavericks möglich, die seit drei Spielzeiten nicht mehr in den Playoffs standen?

Ich hoffe natürlich, dass wir es in die Playoffs schaffen. Das wird kommende Saison sicherlich nicht einfacher, weil die Leistungsdichte in der Western Conference zugenommen hat. Aber wir haben eine junge Mannschaft und können über die Jahre zusammenwachsen. Das kann zu einem Vorteil werden. Mit Luka Doncic und Kristaps Porzingis befinden sich zwei starke Playmaker in unseren Reihen. Die Wettanbieter haben uns hinsichtlich der Playoffs sicherlich nicht auf dem Zettel. Aber vielleicht können wir überraschen.

Mit Maximilian Kleber sprach Oliver Jensen

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema