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Red Bull gegen Red Bull Eishockey-Kracher steigt in München

Ihr letztes Spiel in der DEL gegen die Straubing Tigers konnten Konrad Abeltshauser (l.) und 
Frank Mauer (r.) vom EHC Red Bull München gewinnen.

Mit Rückemwind: Ihr jüngstes Spiel in der DEL gegen die Straubing Tigers haben Konrad Abeltshauser (l.) und Frank Mauer (r.) vom EHC Red Bull München gewonnen.

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Der deutsche Eishockey-Meister aus München will sich im Halbfinale der Champions League nicht stoppen lassen. Die Duelle gegen Salzburg ist vor allem im Hinblick auf die Vereinsstrukturen und die Helme der Spieler kurios: Es spielt nämlich Red Bull gegen Red Bull.

Diesem Eishockey-Duell fiebern sie in München und Salzburg entgegen. Ähnlich groß wie in den Meisterstädten könnte die Vorfreude auf das Champions-League-Halbfinale nur noch in Fuschl am See sein. Dort in der Provinz sitzt der Getränkegigant Red Bull. Und außer dem Halbfinale der europäischen Königsklasse und einem stets brisanten Deutschland-Österreich-Vergleich ist das Halbfinal-Hinspiel an diesem Dienstag in der Olympiahalle in München (19.30 Uhr/Sport1/DAZN) vor allem ein firmeninterner Vergleich: Red Bull München spielt gegen Red Bull Salzburg. "Das ist ein einmaliges Erlebnis, da werden die Emotionen wahrscheinlich hochkommen", sagte Münchens Stürmer Maximilian Kastner.

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"Das wird auf dem Eis geregelt": Münchens Kapitän Michael Wolf.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

Für Emotionen sorgt der Brausehersteller im Sport seit Jahren, bei Traditionalisten für negative. Nach dem Red-Bull-Duell in der Fußball-Europaliga kommt es zum zweiten Aufeinandertreffen der besonderen Art. So wie auf dem Rasen, als die Salzburger die Leipziger aus dem Wettbewerb warfen, will auch auf dem Eis von Absprachen zugunsten der Deutschen niemand etwas wissen. "Schwachsinn", sagte Münchens Kapitän Michael Wolf der "Bild"-Zeitung. "Das wird auf dem Eis geregelt."

Beide Teams stehen zum ersten Mal im Halbfinale der Champions Hockey League (CHL) und wittern ihre Chancen. Die Brisanz des Familienduells - beide Vereine gehören dem Weltkonzern - ist den Akteuren bewusst. Wolf stellte aber lieber Kurioses in den Fokus: Es könne sein, "dass bei den gleichen Farben und Helmen der eine oder andere Pass beim Falschen landet, wenn's schnell gehen muss." Der Salzburger Kapitän Matthias Trattnig bezeichnete die Filiale in München feixend als "kleinen Bruder", denn: "Die gibt's ja noch gar nicht so lange wie uns." Tatsächlich stieg Red Bull bereits 2000 in Salzburg ein und übernahm München erst 2012. Mittlerweile ist München, mit angeblich 13,5 Millionen Euro und damit dem vermeintlich höchsten Etat der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sowie drei Meistertiteln in Folge dem vormaligen "großen Bruder" mindestens ebenbürtig, vielleicht sogar über den Kopf gewachsen. Dieser kann auf angeblich 7,5 Millionen Euro jährlich zugreifen.

Sport soll im Fokus stehen

Tatsächlich gilt im Eishockey nicht die 50+1 Regel, die im deutschen Fußball Beteiligung von Investoren verbietet, die die 50-Prozent-Grenze überschreiten. Somit gehört der Großteil der deutschen Klubs anteilsmäßig Mäzenen oder Unternehmen. Die Trainer bemühen sich, statt dem Geldgeber den Sport in den Mittelpunkt zu rücken. Auf die Frage, was er sich vom Match in der Olympia-Eishalle erwarte, sagte Münchens Trainer Don Jackson: "Das Spiel zu gewinnen." Sein Salzburger Kollege Greg Poss glaubt nicht an einen Extra-Ansporn durch das firmeninterne Duell: "Wenn man unter den besten vier Mannschaften Europas ist, geht es nur darum, die bestmögliche Leistung abzurufen und ins Finale zu kommen. Das ist die Hauptmotivation", sagte der ehemalige Bundestrainer dem Fachblatt "Eishockey News".

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Wertvoll: Trevor Parkes.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

Der deutsche Serienmeister München hatte sich dank eines spannenden Erfolgs in der Verlängerung bei den Malmö Redhawks für die Vorschlussrunde qualifiziert, Matchwinner im Viertelfinal-Rückspiel war im Dezember Trevor Parkes. Der Stürmer wurde von der CHL für die Auszeichnung als "Wertvollster Spieler" der Saison nominiert. Auch gegen Salzburg wird die Entscheidung erst im zweiten Aufeinandertreffen fallen, wenn München am Mittwoch der nächsten Woche in Salzburg gastiert. "Wir müssen einfach kühlen Kopf auf dem Eis bewahren", forderte Kastner. Für den deutschen Eishockeysport könnte der Einzug ins Finale der CHL das zweite sportliche Highlight innerhalb von weniger als zwölf Monaten sein. Im Februar gewann das Nationalteam überraschend olympisches Silber und musste sich nur Russland geschlagen geben.

Quelle: n-tv.de, jho/dpa/sid

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