Sport

"Operation Aderlass" Erfurter Dopingarzt vorzeitig aus Haft entlassen

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Der verurteilte Mark S. (Mitte) durfte das Gefängnis verlassen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der erste große Strafprozess seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 bringt den Arzt Mark S. im Januar 2021 ins Gefängnis. Doch nur knapp anderthalb Jahre später ist der Mediziner wieder auf freiem Fuß. Er steht für drei Jahre unter Bewährung, sein Berufsverbot gilt weiterhin.

Der verurteilte Erfurter Sportmediziner Mark S. ist wieder auf freiem Fuß. Das bestätigte die zuständige Staatsanwaltschaft München I der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. Zuerst hatte die "Thüringer Allgemeine" über die Entlassung des Arztes berichtet. S. war im Januar 2021 wegen des jahrelangen Blutdopings an Sportlern und wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden war. Zudem hatte er ein Berufsverbot für drei Jahre erhalten.

"Der Verurteilte ist zum 16. Mai 2022 bedingt entlassen worden. Er steht für drei Jahre unter Bewährung, danach kann und wird die Strafe erlassen werden, falls alle Auflagen und Weisungen erfüllt wurden und keine neuen Straftaten vorliegen", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

23 Sportler aus acht Ländern verwickelt

S. hatte über Jahre ein Doping-Netzwerk aufgebaut, auf das Athleten verschiedener Länder und Sportarten zurückgriffen. Öffentlich wurde das Vorgehen nach Razzien im Rahmen der "Operation Aderlass" in Erfurt und während der Nordischen Ski-WM 2019 in Seefeld. Insgesamt waren 23 Sportler aus acht Ländern verwickelt. Betroffen waren unter anderem prominente Sportveranstaltungen wie die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi/Russland und 2018 in Pyeongchang/Südkorea, die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro/Brasilien, die Tour de France 2018, der Giro d'Italia 2016 und 2018, die Vuelta 2017, die nordische Ski-WM 2017 im finnischen Lahti sowie weitere diverse Radrundfahrten und Wintersportveranstaltungen.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals in ihrem Plädoyer fünfeinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung hielt eine Strafe von drei Jahren für angemessen. Der knapp vier Monate dauernde Prozess war der erste große "Stresstest" für das 2015 verabschiedete Anti-Doping-Gesetz.

In dem Prozess gegen S. und vier seiner Helfer legten alle fünf - teils umfassende - Geständnisse ab. Im Januar 2021 verhängte das Landgericht München II. dann wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz, der unerlaubten Anwendung von Dopingmethoden im Sport und gefährlicher Körperverletzung die Haftstrafe gegen den Mediziner. Da S. unter Anrechnung der Untersuchungshaft zwei Drittel der Strafe verbüßt hat, wurde ihm nun die verbliebene Haftzeit erlassen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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