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Haft für Erfurter Dopingarzt Prozess-Premiere endet mit hartem Urteil

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Mark S. ist nicht der einzige Verurteilte.

(Foto: dpa)

Eine mehrjährige Haftstrafe und ein vorübergehendes Berufsverbot: Der erste große Strafprozess seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 ist abgeschlossen. Der Arzt Mark S. muss ins Gefängnis, auch seine vier Mitangeklagten werden schuldig gesprochen.

Der Hauptangeklagte Mark S. ist im Doping-Prozess um die aufsehenerregende Operation Aderlass zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Landgericht München II befand den Erfurter Sportmediziner in 24 Fällen der Anwendung von Dopingmethoden sowie in zwei Fällen des unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln für schuldig. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mark S. mehrere Winter- und Radsportler über Jahre mit Blutdoping behandelte. Zudem belegte das Gericht Mark S. mit einem Berufsverbot von drei Jahren und einer Geldstrafe von 158.000 Euro.

Zudem verabreichte er einer österreichischen Mountainbikerin in einem Fall ein Präparat, das nicht für den Gebrauch an Menschen zugelassen war. Der 42-Jährige wurde deshalb von der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Marion Tischler auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer fünfeinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung hielt eine Strafe von drei Jahren für angemessen. Der knapp vier Monate dauernde Prozess war der erste große "Stresstest" für das 2015 verabschiedete Anti-Doping-Gesetz.

Als wichtigster Helfer des Mediziners erhielt der Handwerker Dirk Q. eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Die Krankenschwester Diana S. wurde zu einem Jahr und vier Monate auf Bewährung verurteilt. Der Notfallsanitäter Sven M. und Ansgard S. erhielten Geldstrafen. Gegen die Urteile sind Rechtsmittel möglich, sie sind noch nicht rechtskräftig.

"Auswirkungen auf den gesamten Weltsport"

Am 27. Februar 2019 fanden im Rahmen der Operation Aderlass Razzien bei der nordischen Ski-WM in Seefeld und in Deutschland statt. Mark S. sitzt seit seitdem in Untersuchungshaft, die Zeit wird auf seine Haftstrafe angerechnet. Insgesamt verwickelt waren 23 Sportler aus acht Ländern. ´

Betroffen waren unter anderem prominente Sportveranstaltungen wie die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi/Russland und 2018 in Pyeongchang/Südkorea, die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro/Brasilien, die Tour de France 2018, der Giro d'Italia 2016 und 2018, die Vuelta 2017, die nordische Ski-WM 2017 im finnischen Lahti sowie weitere diverse Radrundfahrten und Wintersportveranstaltungen.

Deutsche Sportfunktionäre und Anti-Doping-Kämpfer hoffen, dass von dem Verfahren ein abschreckendes Signal an Betrüger ausgeht. Nachdem Doping Ende 2015 in Deutschland als Straftat eingestuft worden war, war dieses Verfahren das erste aus dem Spitzensport. DOSB-Präsident Alfons Hörmann prognostizierte zuletzt, dass der Prozess und das Urteil "Auswirkungen auf den gesamten Weltsport" haben werde.

Einige involvierte Athleten wurden in ihren Heimatländern separat angeklagt und verurteilt; zumeist sprangen dabei Bewährungsstrafen heraus. In dieser Woche erhielt der österreichische Radprofi Stefan Denifl als Folge der Zusammenarbeit mit Mark S. eine Haftstrafe. Deutsche Sportler waren nicht Teil der Anklage in München.

Quelle: ntv.de, tsi/sid/dpa

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