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Rede bei Stuttgarter Corona-Demo Ex-Weltmeister Berthold denkt jetzt "quer"

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Berthold möchte "sein altes Leben zurückbekommen".

(Foto: picture alliance/dpa)

Thomas Berthold will weder Verschwörungstheoretiker noch Rechtspopulist sein. Bei der Stuttgarter Demo der "Querdenker" deutet er aber genau das an: Er wettert gegen die Maskenpflicht und fühlt sich von den Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts "besudelt".

Ex-Fußballer Thomas Berthold ist bei der Demonstration von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart als Redner aufgetreten. "Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt", betonte der frühere Nationalspieler in der "Bild am Sonntag". Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden sollen. Die Veranstalter von "Querdenken 711" sprachen von 5000 Teilnehmern, die Polizei zählte mehrere Hundert.

In seiner Rede sagte Berthold, dass sein "Vertrauen in diese politische Führung unseres Landes bei unter null angekommen" sei. "Wir werden von Spekulationen, von ein, zwei Wissenschaftlern oder Vertretern des RKI besudelt und unser Leben wird eingeschränkt", erklärte der frühere Profi des VfB Stuttgart. "Ich möchte, dass wir unser altes Leben wieder zurückbekommen. Wir müssen wieder dazu kommen, angstfrei zu leben. Wir müssen auch dazu kommen, selbstbestimmt zu leben."

Bei seinem Auftritt deutete Berthold ebenfalls an, dass er den Sinn der Schutzmasken anscheinend nicht verstanden hat: "Jeder kann selbst entscheiden, ob er eine Maske aufzieht oder die Maske zu Hause lässt", sagte der Ex-Fußballer. Die Masken sind nicht ausschließlich dazu gedacht, sich selbst zu schützen, sie sollen vor allem Mitmenschen vor einer Infektion bewahren.

Bevölkerung lehnt Demos ab

Der Demonstrationszug war bei großer Hitze auf dem Stuttgarter Marienplatz zusammengekommen und zog dann Richtung Innenstadt. Die Teilnehmer zeigten Transparente mit Aufschriften wie "Mit Maske - Ohne Mich" oder "Wir haben Euch durchschaut". Sie skandierten "Freiheit, Freiheit". Organisiert wurde die Demonstration von der Initiative "Querdenken 711". Die Polizei sprach am Nachmittag von einem ruhigen Verlauf. Die Teilnehmer seien bemüht, die geforderten Mindestabstände einzuhalten.

In Berlin hatten am vergangenen Wochenende Tausende gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, hatte die Polizei die Kundgebung aufgelöst. Die Veranstalter kündigten in Stuttgart an, am 29. August wieder in Berlin demonstrieren zu wollen und luden dazu auch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller ein.

Eine große Mehrheit der Bevölkerung lehnt Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ab. Im RTL/ntv-Trendbarometer gaben 91 Prozent der Befragten an, kein Verständnis für die Proteste zu haben. Nur neun Prozent äußerten sich zustimmend. Eine klare Mehrheit (87 Prozent) war auch der Meinung, dass die Menschen, die gegen die Maßnahmen auf die Straße gehen, nur eine Minderheit der Bevölkerung repräsentieren.

Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart. Als Verteidiger absolvierte er 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Italien.

Quelle: ntv.de, chr/dpa