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Sörgel fürchtet Olympia-Gau Experte: "Russisches Roulette" in Tokio

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Pharmakologe Fritz Sörgel ist von den Olympischen Spielen nicht begeistert.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

"Es führt in die Katastrophe", sagt Pharmakologe Fritz Sörgel zum Festhalten an den Olympischen Spielen in Tokio. Der Experte sieht für die Entscheidung des IOC keine Basis. Besonders fürchtet Sörgel, dass sich bei Olympia vorher noch wenig verbreitete Mutanten weltweit ausbreiten könnten.

Der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel hält das Festhalten an den Olympischen Spielen in Tokio in der Pandemie für sehr gewagt. "Was das Internationale Olympische Komitee derzeit macht, ist wie Russisch Roulette", sagte er im Interview des "Münchner Merkur" und der "tz" (Freitagausgabe). "In ein paar Tagen soll es wieder eine neue Entscheidung geben, aber auf welcher Basis", fragt er. "Es hat sich nichts geändert - wenn, dann ist die Situation sogar noch schlimmer und vor allem noch viel unsicherer geworden."

Daran ändere sich auch nichts durch die Ankündigung von IOC-Präsident Thomas Bach, den chinesischen Impfstoff Sinovac als eine Lösung angekündigt zu haben. "Nur haben Japan und auch Deutschland dafür schon abgewunken", sagte Sörgel. Zudem höre man aus Chile, dass der Impfstoff doch nicht so toll sein solle.

"Es führt in die Katastrophe"

"Ich schätze, dass bis zum Beginn der Spiele am 23. Juli ungefähr zehn bis 15 Impfstoffe mit verschiedenen und auch mit fraglichen Wirkungen auf dem Markt sein werden", sagte der Experte. In Tokio würden, die Trainer und Betreuer nicht miteingerechnet, rund 10.000 Athleten aus 200 Ländern und unterschiedlich wirksamen Impfstoffen - wenn überhaupt geimpft - aufeinander treffen. "Ganz zynisch gesagt: aus wissenschaftlicher Sicht ist die Konstellation hochinteressant. Wir können viel daraus lernen und ich befürchte viel Katastrophen-Handling."

Zumal neue Mutanten des Coronavirus entstehen könnten. "Theoretisch ist das in zwei bis zweieinhalb Wochen denkbar, aber das größere Problem ist, dass in Tokio Länder zusammenkommen, die bei Weitem nicht so gut auf Virustypen untersucht sind, wie wir hier in Europa oder anderen Industrieländern", sagte Sörgel. "Die kämen vielleicht mit einer Mutante an, die gar niemand kenne und in zwei Wochen würde sie dann jeder kennen. Es reiche doch schon, dass wir mit der neuen mRNA-Impfstoffherstellung für zwei oder drei Mutanten möglichst schnell geeignete Impfstoffe brauchen." Kämen weitere hinzu, reichten die aufgebauten Ressourcen nicht: "Es führt in die Katastrophe."

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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