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Thanksgiving in den USA Familie, Festmahl, Football

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Und nach dem Spiel dann: Truthahn. Mark Ingram von den New Orleans Saints.

(Foto: USA TODAY Sports)

Dieser Feiertag ist der Traum vieler Amerikaner. Die Liebsten um sich herum, viel gutes Essen und American Football gucken. Das gibt es nur an Thanksgiving. Ein Klub aus der NFL sticht besonders heraus und spielt in diesem Jahr bereits zum 80. Mal am "Turkey Day".

In den USA wird heute wieder aufgetischt. Wie an jedem vierten Donnerstag im November. Denn es ist Thanksgiving. Ein Feiertag, dessen Ursprung auf das Jahr 1621 zurückgeht, als Pilger nach ihrer Atlantiküberquerung in Plymouth, etwas südlich des heutigen Boston, ihre erste Ernte in der neuen Welt feierten. 1863 ernannte US-Präsident Abraham Lincoln Thanksgiving zum Nationalen Feiertag. Es ist ein Tag des Dankbarseins und der Familie.

Millionen Menschen reisen quer durchs Land, um bei ihren Liebsten zu sein, etwas abzuschalten und Truthahn, Stampfkartoffeln, grüne Bohnen und Preiselbeermarmelade zu essen. Der US-Verband für Geflügel und Eier gibt an, dass heute zwischen Washington und Waikiki 46 Millionen Truthähne verspeist werden. Hinzu kommen laut dem Landesverband der Lebensmittelhändler 121 Millionen Kilogramm Kartoffeln. Doch Thanksgiving - das steht neben Familie und Festmahl, noch für ein weiteres "F": Football. Und kein Team der National Football League ist so sehr mit dem "Turkey Day" verbunden wie die Detroit Lions. In diesem Jahr spielen sie zum 80. Mal an Thanksgiving. Gegner sind, wie bei der Premiere am 29. November 1934, die Chicago Bears.

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Noch Fragen?

(Foto: USA Today Sports)

Kaum vorstellbar, aber vor 85 Jahren galt die Idee von George Richards, an diesem Feiertag ein Lions-Heimspiel auszutragen, nicht nur als Revolution, sondern auch als Risiko. Richards hatte kurz zuvor die Portsmouth Spartans aus dem Bundesstaat Ohio erworben und sie nach Detroit umgesiedelt. Doch Detroit war eine Baseballstadt. Die Tigers prägten die ersten Sportseiten der Tageszeitungen. Sie waren seit 1907 viermal Meisterschafts-Zweiter geworden, hatten gerade Anfang Oktober 1934 erneut den ersten Titelgewinn verpasst und die World Series knapp in sieben Spielen gegen die St. Louis Cardinals verloren.

Stadion zwei Wochen vorher ausverkauft

Wie würden die Fans wohl ein Football-Spiel annehmen? Würden sie dafür ihre Feiertags-Routine unterbrechen? Fragen, die Richards und die Lions-Verantwortlichen beschäftigten. Doch die 26.000 Tickets waren bereits zwei Wochen vor dem Spiel verkauft und die Nachfrage sogar so groß, dass noch 25.000 weitere Eintrittskarten hätten abgesetzt werden können. Dies war so nicht zu erwarten gewesen, denn bei den vorherigen Heimspielen hatten im Schnitt nur 15.000 Fans die Eingangstore des University of Detroit Stadium passiert.

George Richards sorgte jedoch nicht nur für ein volles Stadion, sondern auch dafür, dass die ganze Nation von dieser Partie erfuhr. Er war Geschäftsführer einer Radiostation und hatte gute Kontakte zu anderen Sendern im Land. Auf 94 Kanälen wurden das Thanksgiving Day Game zwischen den Lions und den Bears kräftig beworben und schließlich auch live übertragen. Detroit verlor 16:19. Es folgten bis heute 39 weitere Niederlagen, 37 Siege und zwei Unentschieden. Lediglich während des Zweiten Weltkrieges standen die Lions an Thanksgiving nicht auf dem Football-Feld.

Drei Spiele, elf Stunden Football, 79,1 Millionen Zuschauer

1966 gaben die Dallas Cowboys ihr Debüt an Erntedank - und sind bis auf zwei Unterbrechungen seitdem ebenfalls fester Bestandteil des Feiertages. 1975 und 1977 mussten die Texaner zuschauen. Der damalige NFL-Commissioner Pete Rozelle hatte sich in jenen Jahren entschieden, anstelle der Cowboys die St. Louis Cardinals spielen zu lassen. Doch der Versuch scheiterte. "St. Louis war eine Niete", betonte der ehemalige Cowboys-Präsident und Manager, Tex Schramm, einst gegenüber der Tageszeitung "Chicago Tribune". Laut Schramm habe Rozelle anschließend bei den Cowboys angefragt, ob sie künftig wieder an Thanksgiving spielen würden? "Nur, wenn es dauerhaft ist. Denn diese Spiele sind besonders und könnten zur Tradition werden", antwortete Schramm. Rozelle nickte und meinte kleinlaut: "Der Platz gehört für immer euch."

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Mehr als 30 Millionen Menschen sahen zu: Dallas Cowboys gegen die Washington Redskins.

(Foto: USA TODAY Sports)

Seit 2006 gibt es ein drittes Thanksgiving-Spiel. Die Liga hat erkannt, dass viele Amerikaner an diesem Feiertag eben nicht nur ihre Liebsten um sich haben, sondern zugleich auch ihren Lieblingssport sehen wollen. Dabei sind die Ansetzungen zweitrangig. Die Leute schalten ein, egal, wer da gegen wen spielt. Im Vorjahr sahen 30,8 Millionen Menschen das Heimspiel der Dallas Cowboys gegen die Washington Redskins. Es war somit das Spiel der NFL-Punkterunde mit der höchsten Zuschauerzahl und kam auf Rang acht der meist gesehenen TV-Übertragungen 2018 - noch vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele. Bei den Lions gegen die Bears hatten 26,6 Millionen Menschen eingeschaltet und beim Abendspiel New Orleans Saints gegen die Atlanta Falcons 21,7 Millionen vor den TV-Geräten gesessen. Drei Spiele, knapp elf Stunden Football, 79,1 Millionen Zuschauer.

Heute lauten die Ansetzungen Detroit Lions - Chicago Bears, Dallas Cowboys - Buffalo Bills und Atlanta Falcons - New Orleans Saints. Amerika versammelt sich am Essenstisch und hat die TV-Geräte eingeschaltet. Auch in Jacksonville. Hier, in Nordflorida, gibt es seit 1995 die Jaguars. Sie sind der einzige NFL-Verein, der noch nie an Thanksgiving gespielt hat.

Quelle: ntv.de