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Olaf Ludwig wird 60Friedensfahrer ist noch immer auf Tour

13.04.2020, 07:43 Uhr

Er gewinnt die "Tour de France des Ostens" und nimmt auch erfolgreich am Original teil. Er wird Olympiasieger und ist Vorzeigesportler der DDR. Inzwischen lässt es Olaf Ludwig deutlich ruhiger angehen. Doch das Rennrad steht noch lange nicht im Keller. Über ein Thema redet er noch immer nicht gern.

Olaf Ludwig beschleunigt sein Rennrad schon lange nicht mehr auf Höchstgeschwindigkeiten. Und wenn er ehrlich ist, ist er darüber auch ganz glücklich. "Die Rennfahrer leben heute in einem Schlaraffenland, aber müssen sich in einem gläsernen Käfig bewegen", sagt der ehemalige Weltklasse-Sprinter: "Schlafen, Aufstehen und Radfahren: Ob das wirklich das Paradies ist, muss jeder für sich entscheiden."

Mit den aktuellen deutschen Hoffnungsträgern Emanuel Buchmann oder Pascal Ackermann würde der "Eddy Merckx des Ostens" daher nicht tauschen wollen. Und überhaupt: "Mit meinem Gewicht von damals würde ich heutzutage ja durchfallen", sagt Ludwig. Etwas mehr als 80 Kilogramm brachte er zu seinen aktiven Zeiten auf die Waage. Recht viel für einen Radprofi.

Triumph auf den Champs-Elysees

Doch der "schwere Ludwig", der am heutigen Ostermontag seinen 60. Geburtstag feiert und inzwischen wieder im thüringischen Gera lebt, fuhr trotzdem in der Weltspitze mit. Acht Jahre nachdem er 1972 eine Etappe der Friedensfahrt in seiner Geburtsstadt Gera als Zwölfjähriger verfolgt hatte, war er selbst am Start. Weitere neun Jahre darauf hatte er zweimal die Gesamtwertung und insgesamt 36 Etappen gewonnen.

"Die Friedensfahrt war eine Riesennummer", erinnert sich der inzwischen dreifache Vater, für den es noch weitaus größer weitergehen sollte. Erst als Amateur bei Olympia, wo er 1988 in Seoul auf der Straße triumphierte, nach dem Mauerfall dann als Profi bei den wichtigsten Rennen der Welt. Dem Team Telekom bescherte er bei der Tour de France den ersten Etappensieg der Mannschaftsgeschichte.

Am Ende seiner Laufbahn feierte er drei Etappensiege beim wichtigsten Radrennen der Welt, einmal sogar auf dem prestigeträchtigen Schlussabschnitt auf den Champs-Elysees in der Hauptstadt Paris. 1990 gewann Ludwig das Grüne Trikot des Sprintbesten. Der Sieg bei seinem Lieblingsrennen Paris-Roubaix fehlt hingegen in seiner Sammlung. Mit seiner aktiven Laufbahn ist er dennoch "voll und ganz zufrieden".

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Olympia-Gold nach 196,8 Kilometern: Ludwig 1988 in Seoul. (Foto: picture alliance/dpa)

Ungern spricht Ludwig indes über seinen endgültigen Abschied vom Radsport, den er 2006 erlebte. Nach seiner Rückkehr zum Team Telekom war er als Teamchef tätig, als die Doping-Anschuldigungen gegen Jan Ullrich enthüllt wurden. Nach dem Skandal kehrte Ludwig dem professionellen Radsport den Rücken. Ob freiwillig oder nicht - darüber bewahrt er Stillschweigen. "Das ist so, das kann man nicht mehr ändern", sagt er.

Buchmann? Kein Toursieger

Lieber behält er die aktuellen Entwicklungen im Blick - und das durchaus kritisch. "Es ist ein Krieg an allen Fronten um das beste Material ausgebrochen. Doch am Ende zählt nicht nur das Material, sondern das Gesamtpaket eines Fahrers", sagt Ludwig. Der Ex-Profi beobachtet gerne die unkonventionellen Fahrer, einen Alejandro Valverde zum Beispiel, der auch bei steilen Anstiegen mal ein großes Blatt wählt.

Auch Deutschlands Hoffnungsträger Buchmann zollt er großen Respekt, obwohl er ihm nicht den ganz großen Wurf zutraut. "Es war eine Riesenleistung von ihm, dass er im vergangenen Jahr in die Top 10 gefahren ist. Ich sehe ihn aber nicht als Toursieger", betont Ludwig, der wie so viele andere nicht daran glaubt, dass das Saisonhighlight angesichts der Corona-Pandemie planmäßig stattfinden kann - auch nicht ohne Zuschauer.

Die Zukunft seiner Sportart in Deutschland sieht er nicht gerade rosig. "Es ist kein Wille da, die Veranstalter zu unterstützen. Solange wir uns in einem Land bewegen, wo es sonst für alles Unterstützung gibt - wird es immer weniger werden", kritisiert er. Mit immer weniger Rennen werde es auch immer weniger Rennfahrer geben.

Die Virus-Krise trifft Ludwig persönlich gleich mehrfach: Seine Geburtstagsparty fiel wie seine im Mai in Bulgarien geplante einwöchige Radreise dem Virus zum Opfer. Rund 4000 Kilometer jährlich spult er unter anderem bei den von ihm organisierten Events in dem Balkanstaat ab. Das allerdings in sehr gemächlichem Tempo, wie der Ex-Profi versichert. "Wir haben den Titel Fitness, Wellness, Land und Leute. Wir fahren Sehenswürdigkeiten an. Es gibt eine Gruppe, in der es nicht darum geht, wer wie schnell fahren kann. Man soll auch das Land kennenlernen", sagt Ludwig. Es gehe bei den Reisen nicht nur darum, möglichst schnell und möglichst weit zu fahren, sondern auch "ums Essen, ums Trinken und ums Spaß haben".

Quelle: ntv.de, jwu/sid/dpa

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