Fußball-WM 2010

Viertelfinale gegen DFB-Elf Argentinier sinnen auf Rache

Nach den Sticheleien zwischen DFB-Team und Argentinien in den vergangenen Tage ist gespannte Ruhe eingekehrt. Doch die Gauchos um Superstar Lionel Messi wollen im Viertelfinale ihre Revanche für 2006 - und Coach Diego Maradona schnurrt in die Mikrofone.

2rx85615.jpg5909289186110283513.jpg

Harte Blicke, sanfte Töne: Argentiniens Trainer Diego Maradona bei der Pressekonferenz.

(Foto: dpa)

Für die Verlierer von Berlin ist es die Revanche, für Diego Maradona und Lionel Messi auch noch die ultimative Härteprobe. "Man darf nicht vergessen, dass auch ich 1986 erst im Viertelfinale so richtig in Erscheinung trat", sagte Maradona in Anspielung auf seinen bei dieser Fußball-WM noch torlosen Nachfolger in der argentinischen Nationalmannschaft. Im Viertelfinal-Duell gegen den Dauerrivalen Deutschland soll der Superstar in Kapstadt (16 Uhr im n-tv-Liveticker, ZDF und Sky) förmlich explodieren: "Messi sprengt alle Schubladen. Er ist so gut, dass er mit einer Krone auf das Spielfeld gehen könnte."

Doch sind die beiden - umgeben von weiteren Hochkarätern - zusammen so gut, dass es gegen das schwungvolle deutsche Team zum Weiterkommen reicht? Die Enttäuschung der sechs Verlierer vom Viertelfinal-Krimi 2006 in Berlin sitzt noch tief, die Provokationen aus dem DFB-Lager vor der Partie am südlichen Zipfel Afrikas kratzten zudem mächtig am Stolz. "Wir werden die Antwort auf dem Platz geben", versprach ein entschlossener Martin Demichelis vor dem Duell gegen seine Bayern-Teamkollegen. Die Freundschaften, da war man sich auf beiden Seiten einig, ruhen. 90 Minuten oder auch mehr.

Sachlichkeit statt Stichelei

Nach den Sticheleien der Vortage versachlichte der deutsche Bundestrainer Joachim Löw die Diskussion - und lobte sein Gegenüber. "1986 war Maradona auf dem Höhepunkt, als er die WM fast im Alleingang entschieden hat. Er hat in dieser Phase den Fußball geprägt, wie kaum ein anderer Spieler das jemals getan hat", sagte Löw. "Wer als Spieler nur offensive Akzente gesetzt hat, übernimmt das auch als Trainer." Schmeicheln statt Sticheln war angesagt. Bastian Schweinsteiger habe seine persönliche Meinung ausgedrückt, er selbst würde das nicht auf den Charakter des ganzen Volkes ausweiten. Die Argentinier seien gastfreundlich und herzlich. Auf dem Platz allerdings bestritten sie "Zweikämpfe am Rande der Legalität".

Ähnlich wie Löw schlug auch Maradona versöhnlichere Töne an. Mit keinem Wort ging der Coach auf die Vorwürfe von Schweinsteiger ein. "Ich bin ganz entspannt. Wir müssen uns nicht mit dem Gegner beschäftigen, sondern nur auf uns schauen." Lächelnd zerstreute er alle Zweifel an einem Einsatz von Messi, der zuletzt wegen einer Erkältung pausiert hatte: "Er hat trainiert wie jeder andere. Ich denke, er wird spielen."

Alle Freiheiten für Messi

2rv74808.jpg6029149723408651201.jpg

Der Meister und der Kronprinz.

(Foto: dpa)

In den Tagen vor dem Spiel strahlten die "Gauchos" viel Zuversicht aus. Auch wenn es keiner sagte: Aber Rachegelüste dürften sie reichlich haben. Zumindest die vier, die damals auf dem Platz im Berliner Olympiastadion standen. Messi schmorte damals auf der Bank. "Nun habe ich die Chance, selbst zu spielen und auf dem Platz zu stehen. Ich hoffe, dass ich die Dinge gut machen kann", sagte Messi. "Es wird ein sehr hartes Spiel, Deutschland hat gute Spieler."

Und Argentinien in Messi den anerkannten besten der Welt. Von Maradona bekommt der 23-Jährige alle Freiheiten. "Ich bin zu Messi gegangen und erzählte ihm, dass mir nie jemand vorgeschrieben hatte, wo ich spielen sollte. Also muss auch er entscheiden, wo er spielen will."

Nur der Titel zählt

Zum WM-Ruhm, das wissen Maradona und Messi, reicht ein Viertelfinale noch lange nicht. Um als ganz Großer in die Fußball-Geschichte einzugehen, ist der Titel Pflicht. Um es in die Herzen der Fans in der Heimat zu schaffen, erst recht. "Eine gute WM ist es für Argentinien nur, wenn wir Weltmeister werden", stellte Tevez längst klar. Und Maradona hat sich auch schon Gedanken über das Prozedere am 11. Juli in Johannesburg gemacht. "Ich möchte der Letzte sein, der den Pokal küsst, denn die Spieler sind es, die ihn gewinnen. Dass das klar ist!", sagte der Coach.

Eines ist auch klar: Diesmal wird Maradona das Spiel im Stadion an der Linie verfolgen, vor vier Jahren auf seiner Edelfan-Tour 2006 hatte er die Partie aus Protest im Hotel angeschaut - einigen seiner Kumpels war damals der Zutritt verweigert worden. Vor dem erneuten Wiedersehen mit dem DFB-Team, gegen das er 1986 in Mexiko den Weltpokal gewann, hat er nun keine "großen Sorgen". "Wenn wir gleichviel Ballbesitz haben, dann sind wir im Vorteil, weil wir den Ball besser kontrollieren können", sagte der 49-Jährige.

Quelle: n-tv.de, Von Christian Kunz und Heinz Büse, dpa

Mehr zum Thema